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Aus Anlass des Releases der neuen Split Ep mit Caleya, gewährte mir Nils Wittrock von The Hirsch Effekt ein Interview.

Mit seinen ironischen Antworten bewies der Gitarrist und Sänger, das man sich nicht allzu ernst nehmen muss und Musiker eben auch nur Musiker sind. Das Interview wurde Ende des Jahres 2010 per E-Mail geführt.

Nils, seit wann existiert The Hirsch Effekt? Wie seid ihr zusammengekommen und was ist eure musikalische Inspiration?

The Hirsch Effekt existieren seit September 2008. Wir sind eine typische Casting-Band: Ich habe zuerst Philipp per Annonce gecastet und später haben wir Ilja unter mehreren Bewerbern für den am skurrilsten empfunden. Erst auf unserer ersten Tour haben wir dann gemerkt, dass er auch Bass spielen kann. Seitdem gibt es The Hirsch Effekt.

Entsteht solch seltsame Musik direkt im Kopf oder beim jammen?

Weder noch. Wir arbeiten viel nach dem Baukastenprinzip.

Warum tragen eure Songtitel nur lateinische Namen?

Das stimmt übrigens nicht ganz. Lentevelt ist niederländisch. Wie die meisten Rezensenten aber richtig erkannt haben ist das einfach nur verkünzelter Bullshit. Wir wollen damit nur wichtig und mysteriös erscheinen. Auf dem nächsten Album wird das übrigens anders sein: Ich kenne viele Menschen die Ethnologie studieren, was mich sehr fasziniert. Vermutlich werde ich während des Schreibprozesses nach Ethnien reisen, dort hoffentlich die Sprache lernen und die Titel in Zukunft nur noch in ethnisch verfassen.

Jetzt ist ja gerade eure Split Perigaeum/Apogaeum mit Caleya erschienen!! Mit wirklich wunderschönen Interpretationen von Hiberno/Arcanum/Lentevelt. Damit bleibt ihr weiter unberechenbar!!! Warum macht man eine Split?

Alles fing an, dass wir in der Galleria Kaufhof in Hannover gespielt haben. Wir wurden auch nicht gefragt, sondern einfach eingeteilt! Auf einmal stand da „The Hirsch Effekt 16:00-16:15 Galleria Kaufhof Promobühne“ im Internet. Da wir aber in unserem Knebelvertrag mit Möhren 2011 (ein Tochterunternehmen des Midsummer Records Konzerns) zugesichert hatten, dass wir jedes Engagment annehmen würden, was im Veröffentlichungsjahr von holon : hiberno reinkommt, blieb uns nichts anderes übrig, als im Einkaufszentrum zu spielen. Da man dort mit lautem Schlagzeug nur die Kunden vergraulen würde, mussten wir unplugged spielen. Wir sind dort mit Akkordeon, Cello und zwei Saxophonen aufgetreten. Wahrscheinlich das beste Konzert unserer Karriere. Leider hat keiner zugehört. Als dann Ampire Records an uns ran trat, ob wir nicht Lust hätten eine Split mit Caleya zu machen kam uns die Idee, die Kaufhof-Arrangements noch ein wenig auszufeilen. Ich hatte gehofft, das die Leute die Platte auflegen und sich zehn Minuten fragen: „Wann kommt das Geknüppel?“. Mit anderen Worten: Die Unberechenbarkeit war einer unserer Hauptmotivationen.

Mit Caleya haben wir sonst nichts zu tun. Möhren 2011 schickt uns immer mit denen auf Tour, aber wir verstehen uns überhaupt nicht mit denen. Die schreien ja nur. Auch beim essen oder wenn man sonst mal mit denen über Hardcore-Szene-Gossip quatschen will. Die haben nicht mal was zu Iljas neuer Frisur gesagt! Dafür furzen die Jungs umso mehr…

Nils, du hast Musik und Theater studiert, produzierst, bist Sänger, Gitarrist und Songwriter bei The Hirsch Effekt und bist nebenbei noch Teil des Weser-Gitarren-Duos! Wieviel Zeit bleibt da um Geld zu verdienen?

Also zunächst habe ich nichts mit Theater studiert. Die Hochschule heißt nur so. Ich studiere übrigens immer noch, bzw. schon wieder, aber nicht mehr in Hannover. Außerdem ist es so, dass nicht alle Aktivitäten mit der eigentlich angemessenen Intensität betrieben werden können. Und ich muss temporäre Prioritäten setzen: Wenn ich mit dem Hirsch toure kann ich nicht studieren, wenn ich mit dem Duo Konzerte vorbereite kann ich nicht an Hirsch-Songs arbeiten. Ich habe nicht so viel Zeit zum Geld verdienen, aber die brauche ich zum Glück auch nicht, denn unser Album hat sich in Ethnien so gut verkauft, dass wir alle sehr reich sind.

Ihr werdet oft als Fusion aus Blumfeld und The Mars Volta beschrieben. Stört euch so ein Schubladendenken?

Ich persönlich finde es einfach absurd, aber es wäre vermessen zu sagen, dass wir objektiv nicht nach Blumfeld klingen. Das ist ja auch das Schöne: Sobald du ein Album rausbringst gehört die Musik nicht mehr nur dir (das Urheberrecht jetzt mal ausgeklammert), sondern jedem, der es hört und so entwickelt es ein Eigenleben. Das gilt für textliche Interpretation genau wie für musikalische Assoziationen.

Auf Tonträger ist vielen Leuten eure Musik zu anstrengend. Live aber entwickelt Ihr einen ganz eigenen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Welche Erfahrung ist da für euch schöner. Studio oder Stage?

Mir war klar, dass unsere Musik anstrengend sein kann, aber ich wusste nicht, dass da so ein großer Unterschied zwischen live und Platte für den Zuhörer ist. Aus der Rolle des Musikers gesprochen sind es zwei völlig unterschiedliche Sachen. Das eine ist sehr expressiv und das andere war – vor allem im Falle von holon : hiberno – die totale Konzentration und Abschottung. Studio ist toll, weil es so intensiv und kreativ ist. Da geht es ja nur um Musik. Zum touren gehören ja auch sehr viele Menschen die man trifft und für die man spielt.

Kunst ist Freiheit und Inspiration kann man nicht imitieren! Joseph Beuys sagte einmal: Kreativität ist die einzige revolutionäre Kraft. Könntest du dem zustimmen?

Nein. Am Ende wir die Kunst immer nur belächelt.

Zum Abschluss ist es natürlich von großem Interesse wie es mit The Hirsch Effekt weitergeht. Wann tourt ihr wieder und wie sieht es mit den Arbeiten am neuen Album aus?

Getourt wird frühestens im September, wenn neues Material da ist. Ob wir das wirklich machen und wie lange entscheiden wir im Februar. Vorher machen wir uns ein bißchen rar und spielen wenige ausgewählte Konzerte. Im Vordergrund steht zuerst einmal die Arbeit am neuen Album.

Da ich gesehen habe das ihr alle in der Band einen verschiedenen Musikgeschmack habt, bin ich neugierig welches Lieblingsalbum jeder von euch hat?

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube das De-Loused in the Comatoirum das einzige Album ist, was wir alle drei besitzen.

Danke für das Gespräch!!! Ich wünsche euch noch viel Spannung, Inspiration und Mut um eure musikalischen Visionen umzusetzen.

Besten Dank und Grüße!

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