4 Tracks – eine Geschichte. „Rail“, „Glowing“, „6:29“ und „Blau“ erzählen zusammen auf der heute von JaaRi erscheinenden EP „A New Year’s Story“ den Verlauf einer Silvesternacht.

EP kaufen Vö: 03.11.2017 Dreiklang

Bis dato alles in Eigenregie veröffentlicht, haben sich die drei Berliner nun mit dem Berliner Indielabel Dreiklang zusammengetan, um die an zwei Tagen im Funkhaus Studio Berlin aufgenommenen Songs unter die Leute zu bringen.

Und die haben es in sich. In schönster Indierock-Tradition, wie es Trail of Dead auch nicht besser könnten knarzt die Gitarre in einem schönen Riff los, die Stimmung ist Aufbruch, fröhlich und verspielt. Aber mitten im Song platzt dann auf einmal ein Postrockgewitter los, wie es 65daysofstatic nicht besser gekonnt hätten. Um dann wieder brav zur Partystimmung zurückzukehren. „Turn up the tune, I have arrived!“

Das Riff in „Glowing“ schlägt noch eine gewisse Brücke zum ersten Track, hier werden aber weitaus kratzigere, fast schon The Clash-artige Töne angeschlagen. Im mittleren Teil scheint die Stimmung zu kochen, es rast alles auf den erlösenden Ausbruch hin, den einem JaaRi, inklusive erneuter Postrockerei, auch kredenzen. Und zwar sowas von. Zum Ende wird es wunderschön sperrig, Dredg luckt an allen Ecken hervor, Mitternacht ist erreicht.

Und dann ist die Party vorbei. Patrick, Maik und Anna nehmen uns mit in die Morgenröte. Letzte Reste der Partyextase blitzen noch hervor, insgesamt schaltet „6:29“ aber einige Gänge runter. Es wird kräftig bei den Breeders zitiert, die Gitarre jault verloren durch die morgendliche Ernüchterung.

Man könnte nach einer der üblichen Berliner Partynächte annehmen, dass es nun noch eine Stufe geruhsamer zugeht. Aber weit gefehlt. Nur weil wir in der Katerstimmung des nächsten Abends angekommen sind, heißt das noch lange nicht, dass JaaRi uns Ruhe gönnen. Im Gegenteil, der Postparty-Depression wird getrotzt. „Blau“ ist zwar melodiöser als die anderen Tracks, die Puste geht ihm aber nie aus.

Insgesamt sehr faszinierende 15 Minuten. Die Sperrigkeit und Vertracktheit machen „A New Year’s Story“ allerdings teilweise schwer zugänglich, zu heftig und brechend sind die Wechsel, zu sehr lenken sie von der Stimmung ab oder brechen sie zu stark. Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Eine tolle, sehr durchdachte und gleichzeitig sehr befreit aufspielende Platte, die Lust auf mehr macht.

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