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Das Genre der Modernen Klassik bietet derzeit eine Menge an neuen Veröffentlichungen

Vö: 19.04.2019BandcampDownload

Die unzähligen Alben und EPs verhalten sich dabei für einen „Musikjournalisten“ wie Sandkörner in einem Sieb. Ich fühle mich manchmal wie ein Goldgräber, der verzweifelt Sand siebt, um das geliebte Stück Gold zu finden. Viele Alben der Modernen Klassik fallen dabei einfach so durch das Sieb. Oftmals werden die großen Namen des Genres einfach kopiert und es fällt immer schwerer, aus der Flut der Veröffentlichungen die wirklich wichtigen Alben oder EPs herauszufiltern. Oftmals stoßen mich Alben schon ab, weil sie diesen typischen „Felt“ Sound (ein Album von Nils Frahm) imitieren. Offenbar ist dieser spezielle Sound zurzeit das A und O in der Szene. Mich langweilt das sehr.

Das mir vorliegende Album Fragments des deutschen Komponisten Johannes Hirschmann jedoch ist das Stückchen Gold, wonach sich jeder „Musikjournalist“ sehnt

Ein Album, dessen Größe sich erst nach mehreren Durchläufen erschließt – dann aber entfaltet es eine magische Wirkung. Ganz so, wie die Goldschürfer dem Goldrausch erlegen waren. Der Opener Winter in An Empty Church ist ein perfekter Einstieg in die kreative Welt des Künstlers. Die getragene Art und Weise und das geschickte Spiel mit der Dynamik, machen dieses Stück Musik zu etwas ganz Besonderem. Man spürt von Anfang an deutlich, dass hier jemand mit kreativen Ideen, technischer Versiertheit und vielen Emotionen ans Werk geht.

Das verspielte Can’t Be Ordinary ist wunderschön und beweist, dass das Thema Harmonielehre und das bewusste Spiel mit kurzen Dissonanzen zu den Talenten des klassisch ausgebildeten Pianisten Johannes Hirschmann gehört. Er erschafft mit seiner Musik Bilder in meinem Kopf: Wie ein kristallklarer Bach der sich langsam seinen Weg durch eine malerische Berglandschaft bahnt – so ungefähr klingt seine Musik. Nahezu traumhaft wirken seine Kompositionen und lösen bei mir einen inneren Ruhezustand aus. Der Puls senkt sich spürbar.

Musik als Entspannung – das können nur wenige Künstler.

Waiting For The President ist ein Stück voller Melancholie und Hingabe. Wie das zu frühe Ende eines schönen Tages – wie ein majestätischer Sonnenuntergang, der nicht zu enden scheint. Die musikalische Virtuosität des Johannes Hirschmann ist dabei wirklich beeindruckend, ohne auch nur im Ansatz verkopft zu klingen. Und wenn man schon denkt der Song wäre längst vorbei, ertönt aus dem Nichts eine wunderschöne Melodie als Ausklang. Eine Melodie, die einen bleibenden Eindruck in meinem Kopf hinterlässt.

Circle spielt mit tontechnischen Effekten und einer seltsam, traurigen Stimmung. Es ist das experimentellste Stück des Albums. Gleichzeitig ist es aber auch unglaublich innovativ und wirkt wie die Zukunft der modernen Klassik. Das kurze So Spacious spielt mit Jazz Versatzstücken, Improvisation und Melodie das es eine wahre Freude ist. Wie man Harmonie mit Dissonanz zerstört, beweist I-II-III. Das äußerst experimentelle, über 12 Minuten lange Stück, wirkt im Gegensatz zu den anderen Stücken wie eine Attacke auf die eigenen Hörgewohnheiten.

Mit dem eingängigen Talk hingegen scheint mich Herr Hirschmann verwöhnen zu wollen. Es klingt nämlich wie Honig in meinen Gehörgängen. Ein wirklicher Hit. Es scheint, als hätte ich mit Fragments ein Stückchen Gold entdeckt. Johannes Hirschmann schafft es, auf Albumlänge zu überzeugen und dabei wirklich packende Songs zu kreieren. Man kann dem jungen Künstler nur viel Erfolg wünschen – er ist definitiv in der Lage dem Genre eine weitere Facette hinzuzufügen. Innovation, Spielfreude und unbändige Kreativität zeichnen das Album Fragments aus. Wer sich nicht lange dem Goldrausch und der Suche hingeben will, sollte hier ein Ohr riskieren. Klare Kaufempfehlung!

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Bewertung des Autors Jan Platek
Zusammenfassung
Johannes Hirschmann schafft es, auf Albumlänge zu überzeugen und dabei wirklich packende Songs zu kreieren. Man kann dem jungen Künstler nur viel Erfolg wünschen - er ist definitiv in der Lage dem Genre eine weitere Facette hinzuzufügen.
4.5
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