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Eine Karies ist ein Loch in den Zähnen. Schwarz gefärbt zerstört sie die weiße Glattheit. Genau das machen die vier Stuttgarter von Karies. Sie infizieren mit ihrer Mischung aus Punk, Post-Punk und NDW, sie verschmutzen, sind invasiv und machen rau, was zu glatt ist.

Karies schaffen Aufbruchstimmung. Das haben sie schon mit ihrem ersten Album „Seid umschlungen, Millionen” getan, und nun haut die letzte EP „s/t” mit nur vier Songs um: direkt, jungenhaft, wütend, treibend und doch so rund und homogen.

Die Gitarre von „Win Win” öffnet die EP. Gefolgt von diesem Bass, der so prägnant ist. Schnell, wirbelnd, es hört sich wie ein Wasserfall an: In jedem Song bilden die schnellen Basslines einen sonoren roten Faden, der den Hörer wegschnappt und gleichzeitig durch die Lieder begleitet. „Win Win” ist einer der rabiatesten Songs der EP. Der deutsche Gesang – eine Aufforderung, eine Ansprache – erinnert an Fehlfarben. Etwas Sanftheit bringt „Kartell”. Hier klingen die Gitarren fast dreamy. Und genauso so hypnotisch wirkt der Gesang. Der Bass sorgt für eine dunklere Note, sodass eine nostalgische, ja fast dramatische Stimmung entsteht. Bedrohlich wirkt der folgende Track „In Ordnung” mit seinen verzerrten Gitarren, dem schnellen Bass, dem bohrendem Rhythmus und den Lyrics. Man bewegt sich hier in einem klaustrophobischen Klangkreis.

Der gewaltige Bass öffnet „Ego”, den letzten Song der EP. Pretty in Noise präsentiert die Premiere des Videos. Ein Clip, der die Stimmung des Songs gut einfängt. Dieser Endruck von Klaustrophobie taucht wieder auf – in der Musik und in dem Video von Alexandra Rilli, Elias Engelhardt, David Münch . Schwarz/weiß, wackelige Bilder, die sich im Takt der Musik bewegen, schließende Fenster, enge Perspektive: Zugemauert, vergittert. Das Video unterstreicht eine gewisse Isolation, die die Lyrics verraten : „Du redest nur von dir und nie von mir, sprichst nur mit dir selbst und nicht mit mir“. Der Song lässt kein Atemloch frei, wie ein Rennen gegen eine zugeschlossene Tür. Jedes Element des Sounds ist berauschend.

Nach nur vier Songs und zwölf Minuten Spielzeit ist dieser Rausch vorbei. Und genau wie ein Rausch macht die EP süchtig. Dieser runder Mix aus Oldschool-Sound, aus Rohheit, Kanten und tanzbarer Melodie macht süchtig. Weiterhin irre sein, loslassen und das Glatte vergessen.

Mehr kriegt man von Karies auf Konzerten:
16.06. Frankfurt am Main, Exzess
17.06. Halle, Hühnermanhattan
18.06. Marburg, Trauma

01.09. Berlin, Pop-Kultur-Festival, Keller
02.09. Erfurt, Frau Korte
03.09. Duisburg, DJÄZZ (w/ PISSE I GEWALT )

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