Fünfundzwanzig Jahre sind eine lange Zeit. Vor allem im Showbusiness und in der Musikwelt. Kate Bush hatte ein Vierteljahrhundert kein Konzert gespielt, bevor sie im Londoner Hammersmith-Odeon im August und im September 2014 fünfzehn Shows spielte, die binnen fünfzehn Minuten ausverkauft waren. Es wurden sieben Shows nachgeschoben, die Tickets hierfür waren ebenfalls in einer Viertelstunde weg.


Kann ja schon mal vorkommen. Vor allem bei einer Ausnahme-Künstlerin wie Kate Bush, die mehr oder weniger autark über Jahrzehnte komplett verschiedene Alben veröffentlichte und im Grunde genommen stets machte, was sie wollte. Natürlich gab es zuweilen Kämpfe und Meinungsverschiedenheiten mit der Plattenfirma (EMI), die aber meistens durch die guten Verkäufe von Kate Bush-Alben befriedet wurden. Gerade was ihr Meisterwerk „Hounds of love“ aus dem Jahr 1985 angeht. Nicht ganz ungewöhnlich für die Achtziger Jahre, reichen sich hier Kunst, Avantgarde und Popmusik die Hände: die A-Seite warf eine Handvoll erfolgreicher Singles ab. Als Beispiele sind zu nennen: „Running up that hill“ und „Cloudbusting“ mit dem tollen Video über Wilhelm Reich, bei dem Terry Gilliam mitarbeitete und Donald Sutherland als Regenmacher auftritt. Die B-Seite ist hingegen ein Experimentierfeld verschiedenster Musikrichtungen. Beschrieben werden die Träume und Illusionen einer Frau, die nach einem Schiffsunglück eine Nacht lang im Wasser treibt. Das Album besticht durch die bei Kate Bush fast immer stattfindenden Experimente im Studio. Sie war eine der ersten Künstlerinnen, die mit Samples arbeitete. Sie war sehr früh in dieser Form von Musik interessiert und suchte die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern dieses Bereichs.. Zudem tauchen bei Kate Bush häufig interessante Instrumente wie Didgeridoo (bevor es populär wurde) oder Balalaika auf und gehen eine prima Kombi mit Percussions, Synthesizern, Klavier und Stromgitarren ein.

Nachdem Kate Bush in den achtziger Jahren künstlerisch wie auch kommerziell äußerst erfolgreich war, wurde es in den kommenden Jahren ruhiger: seit 1993 veröffentlichte sie lediglich drei Alben und trat – bis auf die jetzt veröffentlichten Konzerte – nie live auf.

„Before the dawn“ war im Jahr 2014 demnach eine große Überraschung: die Multimedia-Show, welche laut Fans ein Rock- und Popkonzert mit Verbindungen zu Theater, Revue und Zirkus darstellt, kam nicht nur bei den Kate-Bush-Followern, sondern auch bei der Kritik gut an und erhielt einen Spezialpreis bei den London Theatre Awards.

Bevor wir uns nun fragen, ob und wann es wieder mal ein neues Studio-Album der wunderbaren Diva geben wird, kommt am 25. November 2016 die gesamte Show als 3-CD und 4-LP-Veröffentlichung heraus. Enthalten sind 29 Songs, Kernstück dürfte CD 2 sein, welche fast komplett den exerimentellen Teil des „Hounds of love“-Albums enthält. Im Konzert gab es hierzu einen Film zu sehen, bei dem Kate Bush selbst drei Tage lang in einem Floating Tank verbrachte…

Kate Bush hat „Before the dawn“ selbst produziert. An den Aufnahmen wurde nicht viel herumgeschraubt: es gibt keine Overdubs und keine nachträglich eingefügten Sounds.

„Before the dawn“ erscheint am 25.11.2016 via Parlophone / Warner.

Kate Bush

Tracklist:

CD 1

Lily
Hounds of Love
Joanni
Top of the City
Never Be Mine
Running Up That Hill
King of the Mountain

CD 2

Astronomer’s Call (Spoken monologue)
And Dream of Sheep
Under Ice
Waking the Witch
Watching Them Without Her (dialogue)
Watching You Without Me
Little Light
Jig Of Life
Hello Earth
The Morning Fog

CD 3

Prelude
Prologue
An Architect’s Dream
The Painter’s Link
Sunset
Aerial Tal
Somewhere In Between
Tawny Moon
Nocturn
Aerial
Among Angels
Cloudbusting

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