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Tiefer, überwiegend finsterer Indierock mit doomigem Metaleinschlag.

LP kaufen Vö: 27.10.2017 Motor

Die Dänen von Kellermensch sind mir vor einigen Jahren zum ersten Mal begegnet, als ich „Moribund Town“ auf irgendeiner Party gehört habe. Die Musik klang erstmal wie der typisch austauschbare Hipster-Indierock, der zu dieser Zeit gerade en vogue war und von mir natürlich überwiegend mit Verachtung gestraft wurde. Beeindruckt hat mich aber dann, dass es die Kellermenschen geschafft haben, dabei derart düster und hoffnungslos zu klingen und dass zwischendrin auch mal ordentlich gegrowled wurde. Das Album gehört noch heute zu meinen Favoriten aus dieser Zeit, lag also nahe, dass ich mich sehr gerne mit dem (läääääängst überfälligen) neuen Album beschäftigen wollte. Für die Fans des Erstlings vielleicht eines vorweg: es ist größtenteils ganz anders geworden, aber die wichtigsten Trademarks durften bestehen bleiben. Nun, here we go…

Dass das Album keine fröhliche Stimmung transportieren, oder sich mit Frühling, Einhörnern, Happy Ends oder Glückgefühlen beschäftigen wird, macht schon das Cover mit dem ausgeschwärzten Gesicht des Statisten klar. „Bad Sign“ geht dementsprechend schnell in die Magengrube. Tief, dunkel, mächtig, voller drohender Trommeln und verheißungsvollen Streichern. Die Stimme des Sängers klingt kratzig, verlebt und wahnsinnig charismatisch. Es passiert an sich nicht viel, aber das muss hier auch überhaupt nicht sein. Die Melodien sind allumgreifend, zwischenzeitliches, urtiefes Bassgewummer drückt uns weiter in den Sitz. Bei „The Pain Of Salvation“ bleibt die Stimmung bestehen, allerdings geht die Melodie inständig in Mark und Bein des geneigten Hörers. Die Drums werden nach und nach intensiver und direkter, tiefe, kratzige aber fette E-Gitarren verleihen einen leichten Americana/Gothic-Charakter und wenn dann noch die geisterhaften Chöre beginnen, gibt es kein Halten mehr. Nach einem Stop, beginnt ein Thema, das ein (so vermute ich zumindest) mit einem Bogen gestrichener Kontrabass verursacht. Die Stimme ist erst ruhig und sanft, wird dann aber zunehmend heftiger und letztlich wird geschrien, allerdings ohne dabei die Melodien außer Acht zu lassen. Alles gipfelt in einem völlig undefinierbaren Wahwah-Solo. Unrunde Gitarren und die tiefst möglichen Pianotasten leiten „Atheist In A Foxhole“ ein, der Sänger führt ein Zwiegespräch mit sich selbst. Leichte Chöre leiten in ein tiefes, aber vorwärtsgehendes Gerumpel. Ich stelle mir vor, wie das live rüberkommen würde und habe sofort Bock auf ein Konzert der Band. Ein tiefes Stakkatoriff walzt, dann bleibt die Gitarre ohne restliches Instrumentarium stehen, es wird ruhig und der gewohnte Ausbruch kommt.

„Mediocre Man“ scheint direkt aus der Wüste zu kommen, eigentlich ein Blues, allerdings um Längen tiefer als man das in diesem Genre gewohnt ist. Die Stimme klingt abgewrackt wie nie, die Drums sorgen hier für den Aufbau. Irgendwann fangen unvermittelt Streicher an ihr Werk zu tun und die Stimmung wird positiv. So seltsam das auch klingt, das muss man jetzt erst mal verdauen. „Remainder“ bekommt noch etwas Staub vom Vorgänger ab, klingt aber wieder ganz anders. Es bleibt staubig, die Melodien sind ungewohnt catchy und die gedoppelte Gesangsstimme passt sehr gut dazu. Irgendwann kommt genau das, worauf sich seit den ersten Tönen der Platte gewartet habe: die Death-Metal Growl! Es wird über alles hinweg gebrüllt, das ist großartig. Genau das ist eines der großen Alleinstellungsmerkmale von Kellermensch, beim neuen Album kommt das allerdings etwas weniger überraschend als beim Debut. Ein tiefer, doomiger Akkord startet „All That I Can Say“ und brutzelt tief. Doch dann… Höllenzirkusmusik mit Tanzbass, bei der unmöglich zu sein scheint, die Stimmung zu erraten, die der Song heraufbeschwören soll. Im Hintergrund mähen die Gitarren, ein wieder sehr melodischer Mittelteil rundet ab. Ein satter E-Bass, verschwörerische Streicher und eine stark verzerrte Stimme lassen in „Carrying My Name“ Erinnerung an Brummelgroßmeister Waits wach werden. Das Stück klingt modern, könnte grundsätzlich auch im Radio laufen, aber dafür ist es eindeutig zu gewollt schief und auch klar zu verrückt für den Mainstream. Es wird abwechselnd laut und leise, es fügen sich wieder alle Instrumente zu einem fetten Finale zusammen. „Lost At Sea“ ist wirklich finster. Der Song lebt vom hoffnungslosen Galeerensträflingsgesang in dem jeder Satz vorgetragen und vom Chor wiederholt wird. Er ist etwas langsamer und ruhiger, aber immer noch unglaublichen tiefen Tönen gehalten. Man fühlt sich tatsächlich ein bisschen wir auf hoher See, so schunkelnd und schaukelnd wie man hier besungen wird. Am Ende gibt es wieder Growls, die passen immer. Der Punkklopper „Moth“ macht einfach nur Spaß! Schöne Streichemelodien, mit schiefen, quiekenden Intermezzi und die für die Band ungewöhnlich hohe Geschwindigkeit machen das Stück zu einer kleinen, aber willkommenen Besonderheit, bis letztlich „How To Get By“ zum Abschluss die auf einem Rockalbum obligatorische Ballade verkörpert. Akustikklänge irgendwo zwischen Springsteen und Waits, Folkpunk-Ansätze, die Streicher klingen besoffen und abgehackt. Der Gesang ist einer großen Klage gewichen, die Gitarren verdichten sich und der perfekte Abschluss von „Goliath“ steht. Großartig!

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