Es gibt Musik, die schmeckt nach Fast Food, nach fetttriefenden Burgern, Reue und Herzinfarkt. Und dann gibt es da noch Keshavara: Molekularküche trifft auf Tandoori Chicken – und man hört sich nicht satt!

Am 30.09.2016 erscheint Keshav Purushotams erstes Soloalbum, als Keshavara, via Papercup Records und besticht mit einer Mischung aus transkulturellem Sound und entspannter Tanzbarkeit.

Keshavara, das ist das neue Projekt von Keshav Purushotam, Sänger der Kölner Band Timid Tiger. Seit diese 2014 ihre bis heute andauernde Pause verkündet hat, bastelt der Sohn des indischen Jazz- und World-Percussionisten Ramesh Shotham an seinem Soloprojekt. Nun kredenzt er das Produkt seiner musikalischen Spurensuche und hat mit ihm eine kleine Geschmacksexplosion geschaffen. Ein Künstler beschreitet den Pfad seiner (musikalischen) Vorfahren – dass das nach sentimentalem Mittelmaß-Pop klingt, kann niemand abstreiten. Aber wer sich davon abschrecken lässt, dem entgeht die Erkenntnis, dass indische Percussion, Hip-Hop-Einflüsse und kleine Erinnerungen an Keshavs Indie-Zeit mit den Timid Tigers eine erstaunlich gute Mischung ergeben. Schmeckt man das Ganze dann noch mit tanzbaren Beats und Keshavs zurückgelehntem rhythmischen Gesang ab, dann darf man guten Gewissens sagen: Keshav, du hast mich erleuchtet.

Es kommt tatsächlich selten vor, dass Musiker Alben schaffen, die die Waage zwischen völliger Inkonsistenz und langweiliger Eintönigkeit so gut halten können wie „Keshavara“. Während groovige Stücke wie „5forty5“ und „In A Place Like This“ an den experimentell-orientalischen Sound der Glass Animals erinnern, gelingt es dem Sänger, uns mit „Not Gonna Fall In Love Today“ einen überraschenden Jazz-Moment unterzujubeln. Diese musikalische Bandbreite hat der Sänger sicher auch seiner jahrelangen Banderfahrung zu verdanken, doch noch wichtiger scheint, dass er dabei seine Experimentierfreude und Unbekümmertheit nicht verloren hat. Man kann sich förmlich vorstellen, wie er all seine Erinnerungsschnipsel aneinanderklebt, sie mit Samples unterlegt und dann, als sei das nicht genug, aus dem Nichts einige an Mantren erinnernde Sprachaufnahmen herbeizaubert. So ergibt sich eine bunte, lebensfrohe Klangcollage, die mit „Surfing In The Sewers“ harmonisch ausklingt.

Das Stück ist so ruhig und besinnlich, dass man sich unwillkürlich fragt: Moment, ist das wirklich der Sänger, der im Juli mit „It’s Raw“ eine Single veröffentlicht hat, die von den Ohren direkt in die Beine wandert und dich durch deine Wohnung tanzen lässt? Ja, das ist er. Und ja, überzeuge dich selbst und höre das ganze Album noch einmal. Wieder und wieder. Und ja, du darfst es gerne zum Soundtrack des letzten Jahresviertels machen.

Seht hier das Video zu „It’s Raw“

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