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Düstere Postpunk-Songs in intimer Live-Atmosphäre.

LP kaufen Vö: 10.11.2017 Staatsakt

Vorweg muss ich sagen, dass ich schon seit vielen Jahren ein großer Fan von Wave/Postpunk-Bands der ersten Stunde bin und Klez.e als moderne Version alter Künstler gesehen und mich deshalb nicht wirklich mit ihnen beschäftigt habe. Das hat sich schlagartig geändert und ich muss gestehen, dass ich mich ein bisschen für die Vernachlässigung schäme.

„November“ ist das Livealbum zum Anfang des Jahres erschienenen, vierten Album „Desintegration“ (nomen est omen, dazu später mehr) der Berliner Band um den umtriebigen Tobias Siebert. Unter den 15 Songs befinden sich alle Stücke des aktuellen Albums, einige leicht veränderte Versionen älterer Songs und mit „Raupe“ sogar ein brandneues Stück, das auch als Single ausgekoppelt wird.

Die Atmosphäre, die auf den aufgenommenen Konzerten geherrscht haben muss, wurde hervorragend eingefangen und auf den Tonträger transportiert. Das Cover ist in Pink- und Violetttönen gehalten, das ist zwar schick, aber verschiedene Grautöne hätten hier erheblich besser gepasst. Die Stimmung ist stets gedrückt, etwas unterkühlt, alles wirkt geheimnis- und kunstvoll, die häufig politischen Texte lassen einiges an Interpretationsspielraum.

Die Instrumentierung wirkt, als sei sie auf das Wesentliche beschränkt worden. Es gibt teils sanfte, mit wenig Effekten belegte Gitarren, einnehmende Bässe, direktes, aufrüttelndes Schlagwerk und natürlich Keyboards und Synthesizer, die den Stücken immer den angemessen düsteren oder dramatischen Schliff verleihen. Der häufige Vergleich mit Bands wie The Cure oder Joy Division ist keineswegs von der Hand zu weisen. Das wunderbare „Drohnen“ etwa, klingt wie ein Song, der auch auf einem Album wie „Faith“ nicht negativ aufgefallen wäre, zumal Siebert auch stimmlich nicht allzu weit von Robert Smith weg ist. „Lobbyist“ erinnert mich (natürlich positiv) an Joy Divisions „Dead Souls“, wirkt dabei auch genau so kalt und verneinend wie einige Songs der mutmaßlichen Vorbilder. Neben feedbackgetränkten, aggressiveren Postpunk-Stücken wie „Flammen“ oder „Am Grund Der Tiefgrünen See“, elektrolastigen Songs wie „Madonna“ oder „Nachtfahrt“ (inklusive fieser Kirmesorgel und Schicksalsmelodie) gibt es auch wunderbare, ruhige Moment wie das ein wenig an Fehlfarben erinnernde „Strandlied“, das fast schon poppige „Schwarz“, oder das absolute Albumhighlight „November“. Letzteres spielt derart gekonnte mit einem dramatischen Orgelriff und einer wirklich epischen Melodie, dass es kaum möglich ist, diese wieder aus dem Kopf zu bekommen. Auch das fast 10-minütige „Im Raum Mit Toten“ und das oldschoolige „Wir Ziehen Die Zeit“, beide auf „Vom Feuer Der Gaben“ (2009) gehören zu den ganz großen Momenten auf dem Album. Bei den späteren Songs hört man Siebert die Erschöpfung etwas an, aber das unterstreicht eigentlich nur das Live-Hörerlebnis.

Nun, ich für meinen Teil bin geläutert und werde mir schnellstmöglich die Studioalben der Band beschaffen und ein Konzert in meiner Nähe besuchen.

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