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Reeperbahn Festival 2018

So richtige Geheimtipps, bei denen man als einzelner Konzertbesucher den erhabenen Entdeckergeist entfachen kann, sind auf dem diesjährigen Reeperbahn Festival schwer zu finden. Odd Couple (im Knust), Yukno (im Indra) und International Music (in Thomas Read’s Irish Pub direkt neben dem Molotow) bedanken sich jeweils für „das frühe Kommen“ bei ihrem Publikum. Diejenigen, die es nicht bis fünf Minuten vor dem ersten Song in den Club geschafft haben, können sich mit etwas eingeschränkter Sicht davon überzeugen, dass alle drei Bands auf ihre ganz eigene Art großartig sind. Ein Einzelkonzert mit mehr Zeit im Gepäck ist also zu empfehlen.

Odd Couple
Odd Couple | (c) Thomas Lingstädt

Ex „Talking To Turtles“-Sänger Florian Sievert ist unter dem Pseudonym Das Paradies mit „Goldene Zukunft“ eines der schönsten deutschsprachigen Alben des bisherigen Jahres gelungen, das ihm beim Reeperbahn Festival einen Platz in der Großen Freiheit 36 beschert hat, einem der Läden mit dem größten Fassungsvermögen an der Reeperbahn. Als eine neugierige Dame am Einlass von ihrer Freundin gesagt bekommt, Das Paradies sei „Indie“, erklärte sie, dass sie gar nicht wisse, was das eigentlich sei. Dabei spielt Sievert als Das Paradies Popmusik im bestmöglichen Sinne, Revolverheld in gut quasi. Obwohl Sieverts Stimme allein schon angenehm genug ist, dass man sich selbst das Telefonbuch von ihr vorlesen lassen würde, sind es smarte Wortwahl und Metaphorik, die das Projekt ausmachen. Dass Sievert dafür zwischen den Songs nichts Witziges oder Kluges mehr einfällt, das er seinem Publikum erzählen könnte, sei ihm verziehen.

Für die witzigen Ansagen lohnte sich am Freitagabend der Blick über den Tellerrand des Reeperbahn Festivals hinaus, wo sich Leitkegel-Sänger Daniel Schnaithmann zwischen den Songs den einen oder anderen Gag über die Stromrechnung von Revolverheld oder das Ende von Beziehungen erlaubte. Edgar R. aus Schleswig und Leitkegel aus dem Ruhrgebiet spielten in der Astra Stube, die zwar nicht zum offiziellen Teil des Festivals gehörte, aber seit Jahren durch ein tolles Programm auffällt. Beide Bands spielen deutschsprachigen Post-Punk der härteren Sorte. Beide Bands haben neue Alben aufgenommen und beide Bands hatten offensichtlich große Freude daran, dem überschaubaren Publikum die neuen Songs um die Ohren zu peitschen.

Glücklich konnten sich diejenigen schätzen, die zum Abschluss des langen und kräftezehrenden Festivaltages ein Plätzchen im Docks erhaschen konnten. Denn seit Tag 1 war es das Thema schlechthin: Muse spielten da als Secret Headliner des Festivals und hatten bestimmt auch den einen oder anderen Song ihres im November erscheinenden neuen Albums „Simulation Theory“ dabei. Wer sich nicht von der Bombastik der Band Muse beeindrucken ließ, hatte auch bei Get Well Soon in der St. Michaelis Kirche allen Grund dazu. Die Stücke des Albums „The Horror“ wurden in einer einzigartigen Kulisse auf eine einzigartige Art auf die Bühne gebracht. Mit Galia Benali, Sam Vance-Law und Kat Frankie traten erstmals alle drei Gesangs-Gäste des Albums zusammen auf. Außerdem wurden die Songs „Nightmare No 1-3“ erst von der Get Well Soon Big Band gespielt und anschließend auf verschiedene Arten neu interpretiert: von einem Bläser-Quartett, in einer arabischen Version und von Konstantin Groppers Vater, Walter Gropper, der an der Orgel der St. Michaelis Kirche saß. Es wurde den Besuchern des Reeperbahn Festivals also auch am dritten Tag noch einiges an Highlights geboten.

KURZBERICHT: Reeperbahn Festival 2018 | Tag 2

Titelbild: (c) Mimi Mohr

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