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Wir treffen Steffen, Gitarrist von Lady Moustache, in Berlin in einem Café um über das mit Spannung erwartete Debut-Album zu reden. Die anderen drei, Steffen (Gesang), Hannes (Drums) und Hagen (Bass), werkeln derweil in Frankfurt a.M. am letzten Schliff der anstehenden Tour.


Euch gibt es ja schon etwas länger. Beschreib mal eure Entwicklung in den letzten Jahren.

Lady Moustache als Band gibt es schon über 10 Jahre, die anderen drei kennen sich schon aus Schulzeiten. 2015 kam aber dann der Umbruch, als die Band eine Show im Berliner Magnet hatte, der Berliner Pilsner Music Award, und eine Woche vorher rief mich Hagen, der Bassist, an, und meinte, ob ich Zeit hätte, ihr Gitarrist scheine auszusteigen. Dann kamen die Jungs Samstags nach Berlin, wir haben vier Stunden geprobt, und sind im Magnet auf die Bühne. Und bei der Show hat uns ein Produzent gesehen, der uns dann eine Woche später angeschrieben hat mit Ideen zur Produktion. So hat diese Show den Stein ins Rollen gebracht. Danach haben wir noch einige Shows zusammen gespielt und überlegt, was wir machen. Und dann haben wir es mit dieser Band-Fernbeziehung probiert: ich in Berlin, die anderen drei in Frankfurt. Und das machen wir jetzt seit August 2015.

Wie ist das Album entstanden?

Wir haben es innerhalb eines Jahres aufgenommen, aber total verteilt. An mehreren langen Wochenenden waren wir als Band in Berlin im Studio, den South Central Studios. Steffen, unser Sänger, war dann öfter da für Vocal-Overdubs. Aufgenommen haben wir es mit Lutz Fahrenkroog-Petersen (u.a. Produzent von Peaches, Einstürzende Neubauten), der Produzent, der uns nach der Show im Magnet kontaktiert hat.

Wie lief die Zusammenarbeit mit ihm?

Lutz hat in den ersten Sessions schon hart eingegriffen. Das war am Anfang erstmal etwas befremdlich, von ihm dann ganz viel Feedback zu bekommen. Ein Schlüsselmoment war dann „Next to you“. Wir hatten den Song einmal bei Lutz aufgenommen mit seinen Änderungsvorschlägen und saßen in der Regie. Wir merkten, dass der Song auf einmal viel besser funktionierte. Der Sound war besser, der Song fühlte sich einzigartiger an und Steffens Stimme kam viel mehr zu Geltung. Lutz hat schon stark eingegriffen, aber es hat sich eben nie so angefühlt, als würde sich da jemand an unserer Musik ausleben und versuchen sie kommerziell verkaufbarer zu machen. Im Gegenteil, sie wurde eher antikommerziell. Und hat damit viel mehr unseren Soundcharakter unterstrichen.

Was hat es mit dem Namen des Albums „Augmented Me“ auf sich?

Musik gibt uns die Möglichkeit neue Rollen anzunehmen, aus dem Alltag auszubrechen. Das was wir die ganze Zeit als Band machen ist eine Erweiterung unseres Ichs, sozusagen. Als wir den Titel hatten, haben wir Thomas, unseren Grafiker gefragt, ob ihm dazu ein Plattencover einfällt. Er schickte uns das jetzige Cover, eine Schattenzeichnung, die schon drei oder vier Jahre alt ist, und es hat einfach perfekt zum Albumtitel und zur Grundidee gepasst.

Ihr macht viel selbst in der Band, kümmert euch jetzt auch bei dem Release und beim Verschicken der CDs und Platten um fast alles, bucht Show, ganz nach dem DIY-Ethos. Wie teilt euch das auf?

Wir teilen die Aufgaben aber schon gerecht auf. Den Siebdruck bei unserem Merch haben wir zum Beispiel auch komplett selbst gemacht. Da sitzen dann Hagen (Bass) und Steffen (Gesang, Gitarre) bei Hannes (Drums) und bedrucken eine Woche lang Jutebeutel. Und ansonsten ist es immer so, dass wenn es was zu tun gibt, sich da immer jemand findet und sagt, ich mache das.

Wie viele Shows spielt ihr so im Jahr durchschnittlich? Also, wie ernst, wie intensiv widmet ihr euch der Band?

Die Band hat bei jedem oberste Priorität. In den letzten zwei Jahren haben wir über 60 Shows deutschlandweit gespielt. Das hat uns auch gezeigt, dass das was wir da mit Lutz (Fahrenkroog-Petersen) unserem Produzenten gemacht haben, die ersten Demos, die wir mit ihm aufgenommen haben, ganz gut funktioniert. Das hat sich im Booking dann auch wieder gespiegelt. Die erste Demo, die wir mit Lutz aufgenommen haben, das waren 4 Songs, und auf einmal kamen jede Menge Shows rein. In den zwei Jahren haben wir so viel gespielt wie in 10 Jahren nicht.

Zu „Next To you“ ist gerade das Video zu rausgekommen, vor einigen Wochen „Generation Y“. Mit wem habt ihr die Videos gemacht?

Wir haben da mit einem Filmemacher, Joshua, zusammengearbeitet, den wir vor zwei Jahren bei einer Show in Mainz, die vor vier Leuten war, kennen gelernt haben. Bei der Songauswahl haben wir ihm freie Hand gelassen. Er hat sich „I Run“ rausgesucht und mit uns im Oktober ein super aufwändiges Video gedreht. Für „Generation Y“ gab es dann vier Wochen vor Dreh einen kurzen Anruf bei Joshua, ob er Zeit und hat und das auf die Beine stellen kann. Und er hat es geschafft. Bei „Next to you“ haben wir ihm unsere Idee geschickt und er hat sehr schnell ein Drehbuch geschriebene und einen Regisseur gefunden. Und dann hieß es auf einmal, wir drehen nächstes Wochenende und eine Woche später war der Rohschnitt da. Wir konnten ihm da blind vertrauen.

Ansonsten Thema Zukunft: wie sieht der Rest vom Jahr aus?

Im März spielen wir eine kleine Tour. Wir hoffen dass wir einige Festivals im Sommer spielen. Und wenn wir Glück haben werden wir im Oktober für einen größeren Akt als Support mit auf Tour gehen. Den Namen können wir aber noch nicht verraten. Es ging jetzt mit Release am Ende doch alles sehr schnell, wir sind da noch dabei eine Tour auf die Beine zu stellen.

Wie organisiert ihr euch, was die Proben betrifft und die Konzerte? Du wohnst ja 500km weit weg von den anderen. Passiert dann alles nur an Wochenenden?

Die anderen drei sind festangestellt, ich noch Student. Wenn also unter der Woche eine Show reinkommt, müssen die drei sich dann Urlaub nehmen. Was Proben betrifft, ist das halt sehr punktuell. Wir treffen uns jetzt nicht jede Woche, sondern für Probenwochenenden dann, wenn Shows anstehen, wo man sich dann drei Tage im Proberaum einschließt.

Habt ihr Ziele mit der Band?

Wir haben jetzt sehr, sehr viel Arbeit in die Platte gesteckt, in die Aufnahmen, das Layout. Wenn man dann auch Bands wieder trifft, wie die Leoniden, mit denen wir letztes Jahr gespielt haben, und dann sieht, wie die jetzt 200 Shows im Jahr spielen, kann man schon sehen, dass das funktionieren kann, wenn man ganz viel reinbuttert. Unsere Musik ist ja schon eher sperrig, keine gefällige Popmusik und trotzdem sehen wir ja, wie sich das entwickelt in die letzten zwei Jahren. Dass auf einmal größere Shows reinkommen, man mit Leuten zu tun hat, die tiefer im Business sind. Die Kurve geht nur nach oben gerade. Also wäre es toll in zwei Jahren, dann vielleicht mal vor 1000 Leuten zu spielen und die ersten 1000 CDs zu verkauft zu haben.

Titelbild: (c) Thomas Blank

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