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Wieder sind die Leoniden da. Wieder gute Laune, dass einem schlecht wird.

Vö: 26.10.2018 Vertigo iTunes LP kaufen

Wieder dieser Mädchenchor. Wieder ein Album, das man nicht mögen möchte, aber dann doch zur Gänze auf die „Ich-hasse-die-Welt-und-brauch-gute-Laune“-Playlist schiebt, weil man gar nicht anders KANN.

Treffender hätte ein Albumtitel nicht sein können.

Vor 20 Monaten mit einem ganz zauberhaften Debüt aufgeschlagen, getourt wie ein Weltmeister und mit Sicherheit hofiert von sämtlichen Indie- und Majorlabels des Landes, könnte man bei den Leoniden von einem kometenhaften Aufstieg sprechen. Die Band gibt es (laut Wikipedia) seit 13 Jahren. Nix Komet. Steter Tropfen und so. Und das ist das Faszinierende an den 10 Songs von „Again“. Müde, kopiert und eingefahren wirkt da wenig. Beachtlich nach so kurzer Zeit des letzten Albums, noch beachtlicher im 5. Jahr der aktuellen Besetzung noch so viel zu suchen und zu probieren.

Bewegte man sich auf dem Debüt noch in schmalerem Fahrwasser und klopfte die Bloc-Party fest, traut man sich auf „Again“ zu großen Melodien und Gesten. Der Drive ist noch da, das gezwungen Vertrackte nur noch selten. Auch die Bögen in in Richtung Popgeschichte werden jetzt weiter gespannt. Vorab-Single „Kids“ ist voller 70er Soul- und Funk-Referenzen, „Alone“ und „Down the Line“ platzieren sich respektive im Funk der 80er und Indie-Rock der 00er. Auch beim Rest der Platte merkt man, dass die Kieler ihre Einflüsse jetzt stärker verarbeiten, ob Red Hot Chili Peppers und Radiohead bei der Großtat „One Hundred Twenty-Three“ oder tiefste Verneigungen vor Michael Jacksons „Off The Wall“-Album bei „People“ und „Not Enough“.

Insgesamt klingt „Again“ weniger nach Leoniden und mehr nach Pop.

Man hat sich mit vielen cleveren Arrangements und Songwriting-Entscheidungen nun noch mehr Jakob Amrs eindringlicher Stimme ergeben, die bei „Why“ Prince zu „White Dove“-Zeiten Konkurrenz macht. Einige kleine Stolperer bietet dieses großartige Popalbum jedoch auch: „Colorless“ wird seinem Namen mehr als gerecht, wenn es das Ziel war, einen möglichst farblosen Refrain zu schreiben und damit den Songtitel zu unterstreichen: Mission accomplished. Generell muss man sagen, dass es am ehesten die Produktion ist, die der Band in manchen Songs etwas auf die Füße fällt. Sie schreiben große Melodien, halten sich aber verkrampft an ihrem eher klein gedachten, proberaumigen Indie-Sound fest. Das funktioniert hervorragend bei den schnelleren Nummern, bei „River“ und „Slow“ nimmt es den Songs die Größe, die sie zu echten Popperlen gemacht hätte.

„Again“ ist ein tolles Album von einer Band, die noch nicht so ganz weiß, wohin sie will. Oder sich nicht traut. Aber an allen Ecken blitzt, funkt, funkelt und groovt es so schön, den Mut zur großen Geste, wenn sie nach den nächsten 300 Konzerten dann das Folgealbum aufnehmen, den möchte man ihnen zusprechen. Dass sie es könnten, hört man.

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