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Die quirlige und charismatische Geigerin und Teilzeit-Sängerin der Bluegrass-Folk-Band Mipso traut sich eigene Weg zu gehen und überzeugt mit ihrem Debüt-Album Spectacle Of Love leider nicht wie erwartet.

Vö: 29.05.2020Sleepycat RecordsBandcamp

Seit ihrem Einstieg bei Mipso und den ersten gesanglichen Gehversuchen als Duett-Partnerin bei so manchem Song ist bekannt, dass Libby Rodenbough in der Lage ist, mit ihrer außergewöhnlichen Stimmfarbe, einem Song den besonderen Reiz und Schliff zu verpassen. So ist es auch nicht verwunderlich, das ganz spezielle Songs der Band wie z.B. das unglaubliche Coming Down the Mountain von ihr gesungen worden sind.

In Chicago, an der Old Town School of Folk Music, wo Pete Seeger und John Prine gespielt hatten, entdeckte Rodenbough ihr Talent zum Songwriting und ging zurück zum College in North Carolina, wo sie 2014 als vollwertiges Mitglied bei Mipso einstieg. Ihre vorrangige Aufgabe war das Geige-Spielen, doch mit der Zeit übernahm sie immer mehr auch die Vocals, was dem Sound von Mipso zusätzliche Qualität verlieh.

Nach ersten Soloauftritten in der Vergangenheit hat die aus Chapel Hill, North Carolina stammende Libby Rodenbough den Schritt in die Eigenständigkeit gewagt und legt bei Sleepy Cat Records ein zusammen mit Phil Moore und Alex Bingham produziertes Album mit 13 Songs vor. Gemastered wurden die Songs von Saman Khoujinian (Virgins Family Band).

Vielen der Songs wurden ganz oder teilweise bei der bekennenden Bernie Sanders-Anhängerin zu Hause aufgenommen. Zudem wurden die Songs in den Studios The Cabin, in Bedtown und im Lakehouse von Phil Moore oder Ryan Johnson sowie in den Arbor Ridge Studios von Jeff Crawford aufgenommen. Rodenbough hat für die Aufnahmen zum ersten Solo-Album neben Gesang und Streichinstrumenten ihr musikalisches Repertoire auf akustische und elektrische Gitarren, Klavier und Synthesizer erweitert.

Als Opener wurde der Song How Come You Call Me ausgewählt, der mit einer schönen Klarinetten-Untermalung beginnt und zudem wunderbare Chorgesänge bietet. Libby Rodenbough ist – getragen von Bass, Orgel, Schlagzeug und Klavier – in ihrem Element und lässt den Song in schönem Tempo dahinfließen.

Etwas ins Stocken gerät der musikalische Fluss bei Hey Buddy, das sich leider viel zu langsam dahinschleppt. Da hilft leider auch das wunderbare Klarinette-Solo, dass Danny Abrams beisteuert nicht, um den Song zu retten. Gatekeeper nimmt dann wieder deutlich an Fahrt auf und da passen die Tempowechsel in den Strophen wunderbar zum Gesang. Kein echtes Meisterwerk aber ein solider Song, den man gerne hören mag.

Der Song Tell Me How war die am 01. Mai ausgekoppelte erste Single des Albums und ein wunderbar kammerspielartig-intimer und sehnsuchtsvoller Song, der allein von der bezaubernden Stimme von Libby Rodenbough getragen wird. Ein erster Höhepunkt auf dem Album.

Das Instrumental-Stück Under the U-Bahn wirkt hier leider wie ein misslungener Versuch auch die instrumentalen Talente von Libby Rodenbough nicht notwendiger Weise unter Beweis zu stellen. Da können auch 2 Minuten und 48 Sekunden wie eine Ewigkeit erscheinen.

Der Track Country Jam ist genau das wonach es sich anhört, eine nicht ganz ernst zu nehmende Mischung verschiedener Stile und Elemente inklusive Hände-Klatschen, die irgendwie nicht funktionieren will auch wenn sich alle Beteiligten alle Mühe geben.

Der am 15.05. veröffentlichte Song Colors ist die zweite Single aus dem Album und eine schön flotte Indie-Pop-Nummer, die man gerne im Radio hören möchte. Auch wen der Chor etwas zu sehr nach 89er-Jahre klingt.

Bei What Do You Mean verlässt sich Rodenbough richtigerweise auf ihr guten Gespür für einfaches Songwriting und der Song gewinnt bei mehrmaligem Hören auch durch die dezent eingesetzte Instrumentierung zunehmend an Tiefe. Gerne mehr davon.

Mit den ersten Tönen von Glory weiß man, dass der Song einfach nur schön sein wird und auch ist. Trotz der vollen und schön warmen Arrangements hat man den Eindruck, hier wurde mit Blick auf die Instrumentierung nur das Nötigste in genau der richtigen Dosis eingesetzt.

Genau den gleichen Eindruck hat man bei You Like It Here obwohl hier der Klangteppich nicht so dicht ist, wie beim vorherigen Song. Ein stoischer Bass und ein zurückhaltendes Schlagzeug sowie die wieder eingestreute Klarinette machen den Zuckerguss auf den Song. Ein weiterer echter Höhepunkt.

String Me On the Line ist ein reines Solostück von Libby Rodenbough. Neben dem Gesang spielt sie die Akustik-Gitarre und die Streichinstrumente. Durch die dezente Instrumentierung wirkt der knapp über 2 Minuten kurze Song vertraut und intim und weiß dadurch zu gefallen. Fast genauso intim ist der Song The Kitchen, den Rodenbough mit Phil Moore an der electrische Gitarre, am Bass sowie an Schlagzeug und Percussion eingespielt hat.  

Der finale fast schon hymnische Song The Other Side klingt beim ersten Hören teilweise stark nach den Beatles und dann wieder in den experimentellen Phasen sehr cool und durch und durch erwachsen. Eine solchen Song hätte sicher kaum jemand Libby Rodenbough zugetraut. Wen sie dieser Seite ihres Songwritings mehr Raum lässt, dann dürfte sie neben der aktuellen Fangemeinde sicher auch andere Hörerschichten gewinnen. Einen Höhepunkt zum Schluss kann das Album gut vertragen.

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Zusammenfassung
Die Mischung aus Songs, die auch auf einem Mipso-Album Platz fänden und eigenen ganz intimen oder ungewöhnlichen Stücken macht den Reiz des Albums aus, auch wenn nicht alle Songs überzeugen können.
3.8
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