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Like Lovers – Band, Projekt, Kunstwerk des Toningenieurs und Produzenten Jan Kerscher (Heads., Kind Kaputt, A Tale of Golden Keys) heimisch bei Ghost City Recordings – ist Teil einer Welle an Künstlerinnen und Künstlern in Deutschland, die gleichzeitig einen sehr internationalen und doch sehr individuellen Sound fahren, sich vor großen Popmelodien genauso wenig scheuen, wie vor brachialen Noise-Gewittern.

Vö: 06.09.2019 Listenrecords LP kaufen

Lange war es in Musikdeutschland das Entweder-Oder. Pop und Geräusch zu vereinen, Avantgarde und Mainstream zu vermischen, Einflüsse zu unterstreichen, nicht zu verstecken, ist das neue Credo. Und Like Lovers ist die Speerspitze. 

Stichwort Einflüsse. Beim ersten Durchlauf entdeckt man Klangkulissen und kratzige Synthsounds der frühen Nine Inch Nails, Gesangsharmonien und -verläufe, die aus der Jeff Buckley-Schatzkiste kommen, eiernde Orgeln und schwebende Flächen, die man in Kid A-Zeiten auch bei Radiohead entdeckt hätte, mächtige Synthakkorde à la M83… Die Liste ließe sich noch eine ganze Strecke weiter fortsetzen. Hier hat jemand seine musikalischen Prägungen als Cocktail geschluckt, einen Handstand gemacht und ein echtes musikalisches Kleinod wieder raus gespuckt. 

Zwischen veritablen Kopfnickern wie People Shaped Mirrors, I Float On Your Love und Health, bittersüßen, fast zerbrechlichen Songs wie Infinite und Gone und sphärischen Midtempo-Groove-Monstern wie dem Titeltrack, Am I Still Here und Something Else sitzt als vorletzter Track das akustische Finale: Fall. Langsam, fast schwerelos baut sich da über fast sechs Minuten ein Druck und eine Größe auf, wie man sie aus Angel von Massive Attack oder Love is not enough von Nine Inch Nails kennt.

Zwischen Industrial, Trip Hop, Indiepop und Disco mäandert und zuckt Everything All The Time Forever mühelos hin und her. Und bei aller elektronischen Klangfärberei ist das Album trotzdem so organisch, so dynamisch, dass man große Lust auf das Live-Erlebnis bekommt. Ohne plump zu kopieren, sind die Referenzen überdeutlich, zaubern aber in ihrer Raffinesse beim Zuhören immer wieder ein Schmunzeln auf die Lippen.

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Zusammenfassung
Zwischen Industrial, Trip Hop, Indiepop und Disco mäandert und zuckt "Everything All The Time Forever" mühelos hin und her. Und bei aller elektronischen Klangfärberei ist das Album trotzdem so organisch, so dynamisch, dass man große Lust auf das Live-Erlebnis bekommt.
4.5
Leser Bewertung 4.87 ( 5 Bewertungen)
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