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Mit einer avantgardistischen Mischung aus Lo-Fi Sound und Sci-Fi Atmosphäre sowie Glockenspiel-Blastbeats und klassisch anmutenden Arrangements schaffen es Liturgy sich als eine der innovativsten Bands der Gegenwart zu positionieren und hoffentlich zu etablieren.

Fanfaren als Opener für ein Album. Das hat entweder Stil oder ist ideenlos. Liturgy jagen sogleich einen Blastbeat nach und bewahren den Stil. Ein weiteres Wort neben Stil, das zu oft bemüht wird, weil es sich gar so schön anhört: Avantgarde.

Liturgy haben sich den Ausdruck aber redlich verdient. Die Radikalität der auf dem Drittwerk „The Ark Work“ dargebotenen Musik sucht ihresgleichen und bricht auf jeden Fall mit so einigen, selbst experimentellen, musikalisch-ästhetischen Normen.

Mantra-Gesänge treffen auf Jazz-Akkorde. Dudelsäcke begleiten Riffmonolithen. Elektronisches Re-Sampling verzerrt Black-Metal Parts, die ohnehin schon im Garagensound erklingen.
Theoretisch könnte Hunter Hunt-Hendrix bei einer überfälligen The Mars Volta-Reunion nicht nur aufgrund der wunderschönen Namenspassung mit Rodriguez-Lopez und Bixler-Zavala gemeinsame Sache machen. Der (wirre) Kopf hinter Liturgy komponiert ebenfalls progressive Ideenfluten, die sich auf einem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn bewegen. Nur gibt es hier statt Latino-Sprenklern im Soundgefüge nordisch angehauchte Passagen, die man sich gut als Untermalung einer eventuellen Apokalypse in Lappland bei vorstellen kann. Das wiederum ändert nichts an der Tatsache, dass Liturgy von New York aus die Welt inklusive Lappland beschallen und entgegen häufigen Bemerkungen keine Black Metal Band sind und eigentlich auch nie waren. Extrem ist die Musik aber allenfalls. Also: Endzeit-Polarlicht-Soundscapes.

Spricht man als Musikbeschreibender bei so manchen Bands oft aufgrund von Wortwiederholungsvermeidung von Kompositionen statt von Liedern oder Tracks, so ist der Begriff hier tatsächlich angebracht. Liturgy kennen das A-B-A-B-C-Schema anscheinend nicht sondern verwenden lieber Melodien auf Albumslänge und erschaffen entrückte Spannungsbögen die ihresgleichen suchen. Das ist faszinierend, aber bisweilen auch nicht leicht zu Hören. Um zu erfassen, worauf Liturgy eigentlich hinaus wollen, muss man wohl oder übel einige Durchläufe in Angriff nehmen und auch die eine oder andere hochgezogene Augenbraue riskieren. Dies wird allerdings belohnt.

Mit einer avantgardistischen Mischung aus Lo-Fi Sound und Sci-Fi Atmosphäre sowie Glockenspiel-Blastbeats und klassisch anmutenden Arrangements schaffen es Liturgy sich als eine der innovativsten Bands der Gegenwart zu positionieren und hoffentlich zu etablieren.


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