Düstere Gospel Perlen – schwarz wie die Sünde und klar wie ein Fjord.

LP kaufen iTunes Vö: 13.04.2018 Icons Creating Evil Art

Death Gospel. Da ist er wieder, der Schrank mit den unzähligen Schubladen. Der Kreativität beim Benennen von Musikstilen sind ja bekanntermaßen keinerlei Grenzen gesetzt und auch hier muss ich innehalten und kurz schmunzeln. Death Gospel. Was dann folgt, lässt mein infantiles Lächeln trotz prächtigem Bartwuchs kurz gefrieren. So verkehrt ist die Beschreibung gar nicht! Die hübsche Schwedin macht Ernst.

Im Mittelpunkt von Louise Lemóns Musik steht vom Anfang bis zum Ende ihre unglaublich klare, soulige und wandelbare Stimme. Hervorgehoben wird sie durch die überwiegend düstere und mystische Stimmung, die von den Songs auf „Purge“ ausgeht. Schon der Opener „Appalacherna“ kriecht förmlich aus den Lautsprechern, spärlich beleuchtet und ebenso spärlich instrumentiert. Ein akustisches Klavier, schleppende Drums und ein Bass so tief wie die Hölle selbst. Immer wieder schwellen dreckige Gitarren an und untermalen die herrlich vergiftete Stimmung. Die unglaublich kraftvolle und glasklare Stimme der Chanteuse steht stets im Vordergrund, während es im Hintergrund verwegen rauscht und brummt. Besagte Stimme erreicht mit „Thirst“ das nächste Level. Schlagzeug, Feedbacks und ein tiefschwarzer, souliger und lasziver Gesang beschwören den Hörer auf höchst wohlige Weise. Spätestens der Refrain zeigt wie packend Death Gospel sein kann und wenn dann die unschuldig wirkende Frau auf dem Pressefoto das Brüllen anfängt, ist ein erster Höhepunkt auf „Purge“ erreicht.

„Only Meet At Night“ klingt wie ein Lana Del Rey Song, den jemand in einen schwarzen Schleier gehüllt und ihm ordentlich Tiefgang verliehen hat. Ein Klavier und diese hammerartige Stimme lullen mich ein. Eine Orgel erscheint, alles wird dichter und die Stimmung sogar leicht positiv. Als käme lockerten sich die Wolken um den Sonnenstrahlen Platz zu machen. Auf einer Beerdigung um Herbst. Das tiefschwarze, mystisch anmutende „Egyptian Darkness“ bedient sich wieder an den ganz tiefen Klaviertasten. Eine Trommel und doppelstimmiger Gesang lassen das Stück wie eine Messe wirken, bis der hochmelodiöse Gospelchorus etwas mehr Gefühl zulässt. Eine dezente Marschsnare und einiges an modernem Gefiepe schaukeln das Stück hoch zu seinem Bond-Soundtrack-artigem Pomp-Ende. Wahrlich großartig! „Let Me In“ geht ganz schön nach Vorne und Madame zeigt ihre rockige Seite. Rumpelnde Drums, direktes Klavier und knackige Gitarrenleads stricken einen düsteren Popsong, der für die Radiostationen vermutlich einen kleinen Zacken zu düster ist.

Das schunkelnde „Shipwreck“ besteht zu Anfang nur aus Klavier und Becken und es schaukelt tatsächlich wie ein Schiff auf hoher See. Die in unglaublich viel Hall gepackte Stimme erreicht gegen Ende ihren absoluten Höhepunkt. Louise Lemón holt wirklich alles aus sich heraus, die Stimme legt sich über alles und schafft damit den größten Moment des Albums. Bis zum Ende stampfen mächtige Trommeln durch mein Gehirn und ich bin völlig verzückt. Das eher wenig spektakuläre „Malex“ mit seinem Synth-Gewummer und der natürlich immer noch sensationellen Stimme leitet zu „178“ über, dem mit Abstand poppigsten Stück auf „Purge“. Traumhafte Atmosphäre mit überlangem Feedback und ein überaus positiver und einnehmender Refrain. Es hat den Anschein, als sei einem abschließend für den Genuss der Platte gedankt worden. Gerne geschehen! Gerne wieder!
Absolut erwähnenswert übrigens auch die „Verpackung“. Das natürlich pechschwarze Vinyl kommt in einer ansprechenden und hervorragend verarbeiteten Pappbox und einem schlichten Einleger. Auch die Aufmachung gefällt hier sehr gut!

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  • 9/10
    Autor Steffen Eggert - 9.0/10
9/10

Kurzfassung

Grandioses, düsteres Gospel-Album mit etwas Pop-Appeal. Von Louise Lemón werden wir sicherlich noch einiges zu hören bekommen.

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