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Kevin Parker ist heute gut drauf. Ob das am Erfolg von „Currents“ liegt, dem aktuellen Album seiner Band Tame Impala, oder ob ihn der Karneval-Hype gepackt hat, lässt sich nur vermuten; fest steht aber, dass der Australier in bester Laune ist, seine Musik dem Kölner Publikum an diesem verregneten Dienstagabend vorzuführen.


Vor Tame Impala erobert aber Jagwar Ma die Bühne, ebenfalls aus Australien: Das Trio präsentiert einen durchaus kurzweiligen Mix aus Electronica, Indie-Rock und Psych Pop. Da sind schrammelige Surfrock-Gitarren ebenso vertreten wie souliger Gesang, hier trifft Kasabian auf Vampire Weekend – mit der Gemeinsamkeit aller Songs, dass sie mit groovenden Triphop-Beats unterlegt sind und damit eher zum tanzbareren Teil des Abends beitragen. Die Menge dankt es ihnen mit begeistertem Applaus, sowie mit einem Dutzend Ballons und anscheinend aufgeblasenen Verhütungsmitteln, die immer wieder von den Zuschauern hochgeflickt werden und langsam, wie kleine Zeppeline, zurück gen Boden schweben.

Tame Impala

Danach sieht man nur noch einen grünen Punkt auf der riesigen Bühnenleinwand, der sich nach und nach in Bewegung setzt, bis er wilde Muster zieht und die Hauptband des Abends auf die Bühne komplimentiert: Tame Impala beginnen ihr Set mit ihrem aktuellsten Hit „Let it Happen“, und Bandchef Parker hat anscheinend so viel Vertrauen in seinen Hit, dass der Song nicht nur das dritte Album der Australier und dieses Konzert einläutet, sondern heute auch noch gleich zu Anfang die Konfettikanonen eine deftige Ladung bunter Papierfetzen auf die Zuschauer loslässt, die dies mit euphorischem Gewippe und gezückten Smartphone-Kameras bereitwillig entgegennehmen.

Gleich von der ersten Sekunde an stimmt das Gesamtbild genau: Der Frontmann dreht sich immer wieder zu seinen Mitmusikern und dirigiert sie bei jedem einzelnen Lied, während die passende Lichtshow um sie herum ihr psychedelisches Übriges tut. Ob dabei der Duft nach Marihuana, der einem da in die Nase steigt, nur Einbildung ist oder nicht, lässt sich schon gar nicht mehr so genau sagen: Sicher ist nur, dass das Publikum bei den neueren Songs genauso textsicher sind wie bei den alten. Und weil vorwiegend die größten Hits gespielt werden, ist das Kölner Palladium gefüllt mit verträumt mitwippenden Menschen, die zu den Texten andächtig die Lippen bewegen. Da ist eine kleine technische Panne mit anschließender kurzer Pause auch nicht weiter tragisch, wenn danach solche Psychrock-Kracher wie „Eventually“ oder „Alter Ego“ rausgeschleudert werden. Vielleicht ist diese kurze Verschnaufspause ja auch genau das Richtige, denn die Show nimmt zum Ende hin immer mehr an Intensität zu, was man nicht zuletzt Kevin Parkers spürbaren Enthusiasmus an diesem Abend zuschreiben kann.

Der letzte Song vom regulären Set, „Feels Like We Only Go Backwards“, wird noch einmal mit einer Konfettiladung gefeiert, und nach zwei Songs in der Zugabe und einem weiteren Konfettifeuer ist dann endgültig Schluss für diesen Abend. Kevin Parker dürfte mit sich und seiner Band ziemlich zufrieden sein, denn man kann sich in allen Richtungen an strahlenden Gesichtern und sich umarmenden Menschen satt sehen. Und so kitschig es auch klingen mag: Liebe ist in der Luft, nicht nur der umherschwebenden Kondome wegen. – Info

Tame Impala



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