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Lubomyr Melnyk ist der Gandalf unter den post-klassischen Pianisten. Wenn der rauschbärtige, ukrainisch-stämmige Wahlkanadier seine Finger auf die Tasten legt, beginnt eine andere Zeitrechnung.

Lubomyr Melnyk? – Was klassische Klaviermusik betrifft, beschränkt sich mein Konsum meist auf ein gelegentliches Umschalten zu WDR 3 oder zufälliges Liebäugeln mit Jazzfestival-Teilnehmern wie einer Johanna Borchert. Natürlich nicht zu vergessen wären auch Filmsoundtrack-Lieferanten wie beispielweise Yann Thiersen (Amélie), Ludovico Einaudi (Ziemlich Beste Freunde) oder Nils Frahm (Victoria).

Doch ich gelobe Besserung und werde mich demnächst an das wunderbare Label Erased Tapes halten, das bei seiner Künstlerwahl (u.a. Nils Frahm oder auch Ólafur Arnalds) ein ganz schön graziles Händchen beweist. Auf diesem erscheint am 27.11. das neue Werk von Lubomyr Melnyk und bereitet seinen Hörern eine transzendentale Erfahrung, die man sonst nur vom Yoga kennt.

Lubomyr Melnyk ist der Gandalf unter den post-klassischen Pianisten. Wenn der rauschbärtige, ukrainisch-stämmige Wahlkanadier seine Finger auf die Tasten legt, beginnt eine andere Zeitrechnung. Alles ist im Fluss. Continuously. Wie passend daher, dass Melnyk sein neues Werk „Rivers and Streams“ nennt. Mal tröpfelt es, mal plätschert es, um dann ganze Sedimente von der Seele zu reißen. Ein spannendes und geniales Wasserspiel, das den grauen Alltag für eine Albumlänge meditativ in den Hintergrund spült.

Wasser ist zum einen das Selbstverständlichste, das Fundamentalste und gleichzeitig ein absolut mystisches Element. Genau das hört man auf “Rivers and Streams”. Die Reise beginnt mit einem kleinen kontinuierlichen Tropfentanz unter dem Regenschirm auf dem Eröffnungsstück „Parasol“, der sich dann in „Sunshimmers“ in alle Farben bricht, und seine Katharsis im 20-minütigen „The Amazons“ erreicht, das dem größten Fluss der Erde gewidmet ist. Eine exklusive Live-Darbietung dieses Ausnahmepianisten gibt es auf „Pool of Memories“ – das in der Halderner Dorfkirche aufgenommen wurde. Schöne Akzente setzen zudem gekonnt die koreanische Flötenspielerin Hyelim Kim oder auch sogar Produzent Perera an der Akustik- und elektrischen Gitarre.

In the body of the Continuous Piano Master, the fingers and the hands turn into Water, Air and Stone. These are the three manifestations of the Continuous Technique. And for the Continuous Pianist, the fingers physically transform the music into one of these three elements, Lubomyr Melnyk

Mit Tröpfchen fing es an, mit Wasserfällen, also auch tonalen Kaskaden von Arpeggio Figuren hört es auf. Das ist kein Album, es ist ein Erlebnis. Im Übrigen auch sehr schön grafisch dargelegt mit Makrofotografie der französischen Künstlerin Marion Benoit als Cover und poetischen Erklärungen zu den Stücken statt Lyrics.



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