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Schließt man die Augen und lauscht den Klängen auf „Rymdar“, so findet man sich rasch in einem sonnendurchfluteten Raum, in einem dieser putzigen, kleinen, roten Schwedenhäuschen, irgendwo auf einer Insel im Fjord, wieder. Man hat das Gefühl buchstäblich dabei zu sein, wenn Sonja Perander und Jerker Kaj, die beiden kreativen Köpfe von Lymland, umringt von dutzenden Instrumenten in ihre eigene Welt eintauchen und ihre musikalischen Miniaturen zum Besten geben.

Bereits das Debütalbum „Ensamtidsroman“ aus dem Jahr 2012 zeichnete sich durch eine besonders intime Atmosphäre aus, die sich Lymland auf ihrem zweiten Album „Rymdar“ bewahrt haben.

Ohnehin verändert das Duo mit den zehn neuen Songs wenig an seinem Sound. Eingängige Melodien werden hier, wie schon auf dem Vorgänger, zu dichten, rein instrumentalen Klangflächen aufgeschichtet, bis das so entstandene Gebilde plötzlich in sich zusammenfällt und der nächste Song beginnt, der das ganze Spiel von vorne wiederholt. Ein ständiges An- und Abschwellen, genau wie die Wellen des Meeres. So überrascht es wenig, wenn man meint hier und dort ein altes Seemannslied heraus zu hören, das natürlich dann passenderweise von einem Akkordeon vorgetragen wird. Derlei vertraute Klänge, die beim Hörer unmittelbar Assoziationen wecken und ein Kopfkino in Gang setzen, findet man auf „Rymdar“ zuhauf. Dabei überrascht, wie dies mit einfachsten Mitteln gelingt, denn an einigen Stellen klingt es tatsächlich so, als hätte man einer Kindergartengruppe ein paar Instrumente zum Spielen in die Hand gedrückt und nebenbei das Aufnahmegerät mitlaufen lassen. Lymlands Stärke liegt jedoch darin, dies alles so zusammenzufügen, dass aus dem recht einfachen Ausgangsmaterial komplexe Klangstrukturen entstehen. Leider brechen diese Strukturen meist genau dann auseinander, wenn man gerade das Gefühl hatte sich völlig in der Musik verlieren zu können. Das zuvor angesprochene An- und Abschwellen des musikalischen Geschehens geschieht nämlich keineswegs graduell, sondern oftmals brechen die Stücke ohne Vorwarnung unvermittelt ab. Dadurch entsteht ein unvollendeter Eindruck. Dies ist durchaus so gewollt, denn Lymlands Musik hat weniger den Anspruch komplett bis zum Ende durchdacht zu sein, sondern ist eher eine skizzenhafte Momentaufnahme, welche die Beziehung zwischen beiden Bandmitgliedern einfängt, in etwa so, wie beispielsweise ein Polaroidfoto nur einen flüchtigen Augenblick einfängt. Das hat zwar einen gewissen Charme, auf Dauer hinterlässt der unfertige, ja manchmal etwas ziellose Charakter der Songs zuweilen ein unbefriedigendes Gefühl.

Für all diejenigen, die zu faul sind, sich samstagabends ins Kino zu schleppen und lieber zu Hause auf dem Sofa entspannt das eigene Kopfkino anwerfen, bieten Sonja Perander und Jerker Kaj, alias Lymland, mit „Rymdar“ den passenden Soundtrack, dessen träumerische Klangskizzen zum Verweilen einladen.

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