Mary-Ann Kiefer ist ein Wiener Duo, welches schon seit längerer Zeit – genau genommen seit 2011 – sein Unwesen treibt, wobei das Wesen des Unwesens zuletzt eher geisterhaft wurde, da von der Band kaum noch Notiz zu nehmen wahr.

Vom Duo zum Trio mutiert, wobei das mutationsauslösende (le_)Molekül der Gitarrist der österreichischen Post-Rock-Formation le_mol war, gibt es nun wieder ein Lebenszeichen – und zwar ein ekstatisches!  

Nach der Funkstille erscheint nun also eine neue EP mit dem nicht gerade hinter dem Zaun haltenden Titel The Space. The Trance. The Future.. Klotzen statt Kleckern hat in Sachen Titel wohl das Credo zu sein, wenn man instrumentale Musik macht. 

Die Selbstzuschreibung der Band „zwischen Bandformat und DJ-Set“ trifft die generelle Marschrichtung recht gut: statische Synthesizertracks werden nach deren Etablierung mit instrumentellem Handwerk veredelt – und das alles mit zumeist durchgetretenem Gaspedal. 

Dies zeigt sich auch sogleich im Intro zum Opener Tsonkati Splosion digitale Punches treffen auf einen treibenden Beat, verzerrten E-Bass und die Komposition steigert sich konstant bis zu einem beinahe emotionalem Break, der aber dann sogleich wieder mit einer verrückten Wurst aus Effekten konkurrieren muss. Techno meets Post-Punk wäre auch ein nicht unangebrachter Versuch eines Schubladisierung. 

Fuserrrr schielt doch tatsächlich zu Beginn in Richtung Toto, freilich allerdings in einer gefrickelten Variante. Der doch beträchtlich andere Vibe im Vergleich zum ersten Track zeigt die stilistische Bandbreite der Band auf. 

Solarfrost ist eine Melange aus trashigen 2000er Synthesizer-Sounds und  Gitarrenwänden, die wie das klingen, was zu hören gewesen wäre, wenn Grunge-Bands seinerzeit schon mit Gitarrenwänden gearbeitet hätten. Eine gewisse Tanzbarkeit ist ein roter Faden, der sich durch The Space. The Trance. The Future. zieht und dem Trance gerecht wird. Nach drei Tracks ist außerdem evident, dass Drummer Michel Dedeyan im Keller wohl stundenlang Paradiddles geübt hat, um die Snare-Drum-lastigen Patterns der drei Songs so sauber aufs Audioparkett zu bringen. 

Das in den Köpfen der Musiker wohl Wahnsinn herrschen muss, lässt sich nicht nur anhand der aberwitzigen Effektierungen in allen Songs ablesen sondern auch aufgrund des liebevoll gestalteten Artworks des deutschen Künstlers Maxim Rogalski feststellen, der für jeden Track eigenes Bildmaterial geschaffen hat.  

Härter und verrückter als die per Bandnamen lautmalerisch heraufbeschworenen Marienkäfer, wirbeln Mary-Ann Kiefer aber diesen nicht unähnlich einiges an Luft auf und positionieren sich als äußerst interessante Nischenband mit dem Potential das Tanzbein zu schwingen. 

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