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Was soll ich nur machen?

Vö: 31.08.2018 Erased Tapes iTunes LP kaufen

Ich möchte ein Album rezensieren, dessen Schönheit und majestätische Kraft ich unmöglich in Worte fassen kann. Es wirkt fast so, als hätten die Klänge der mir hier vorliegenden CD einen Einfluss auf meine Hirnaktivitäten. Mir fällt es schwer, die Stücke dieser CD auch nur ansatzweise in eine Schublade stecken zu können.

Ist das hier noch Klassik oder schon fast Art Pop. Ist das theatralisch? Sind das Hymnen des Glücks oder Trauerlieder einer Beerdigung? Ist das modern oder absolut altbacken?

Ich bin mir nicht sicher was hier passiert, aber die anhaltende Gänsehaut und das Wechselspiel von Hoffnung und Verzweiflung wirken wie eine Herausforderung auf mich. Ich genieße das Album anscheinend während dem ersten Hördurchgang. Aber schnell frage ich mich ob das nur einfacher Genuss oder respektvolle Hingabe ist. Ich mache mich auf den Weg, Licht in meine verwirrte Gefühlswelt zu bringen.

Der englische Komponist Michael Price veröffentlicht mit „Tender Symmetry“ sein zweites Album auf dem bekannten Label Erased Tapes.

Michael Price überzeugte bislang durch zahlreiche Filmsoundtracks und wurde mit dem begehrten Emmy Award ausgezeichnet. Mr. Price versteht es offenbar, Bildern mit passenden Tönen und Klängen eine weitere Ebene zu geben. Auf „Tender Symmetry“ schafft er es wiederum, durch wohl kombinierte Noten und den daraus entstehenden Harmonien Bilder in meinem Kopf zu erzeugen. Bilder, die sich durch die verschiedenen Tonarten wie ein Tatoo auf meiner Hirnrinde abzuzeichnen scheinen. Ich bin verwirrt. Was passiert hier?

Michael Price schafft es, mit zahlreichen Gästen, meine musikalische Welt aus den Fugen zu bringen. Hier tummeln sich so illustre Gäste wie die Sopranistin Grace Davidson, die schon auf Max Richters Album „Sleep“ in Erscheinung trat und der Shards Chor, der schon Nils Frahms „All Melody“ in vollkommen neue Dimensionen brachte. Außerdem tritt hier auch der Cellovirtuose Peter Gregson in Erscheinung. Braucht Ihr soviel Namedropping um Interesse an einem Album zu entwickeln das sämtliche Hörgewohnheiten in Frage stellt? Und wieder muss ich sagen: „Was soll ich nur machen?“ Ich könnte noch erwähnen, dass sich William Blakes Gedichtband „Songs Of Innocence and Experience“ wie ein roter Faden durch „Tender Symmetry“ zieht, aber weckt das bei irgendwem Interesse oder wirkt es eher wie ein Hilfeschrei meinerseits?

Das hier ist Kunst, und zwar ganz große – soviel ist mir beim zweiten Hördurchlauf klar geworden.

Wie aber könnte ich Euch das alles hier näher bringen? Ich weiß es nicht. Was soll ich nur machen? Bringt es vielleicht etwas, jeden einzelnen Song…nein, jedes einzelne Stück hier in einer ausgiebigen Besprechung zu sezieren? Was bringt es dem Leser, der Leserinn, wenn ich Stücke wie „Sandham“, „Willow Road“ oder „Fountains“ als das größte Hörerlebnis der zeitgenössischen Klassik bezeichne? Wird mir das jemand glauben? Ich weiß es nicht. Was nützt es Euch, wenn ihr aus diesen Buchstaben hier die Information erhaltet, dass unter den 7 Stücken des Albums kein einziger Ausfall ist, und das man das Album unbedingt als ganzes anhören sollte. Ich weiss es nicht. Was soll ich nur machen? Ich könnte erwähnen, dass das Album von ikonischen Bauwerken und Geschichtsstätten in ganz England inspiriert wurde, und das der Klang des Albums an der ein oder anderen Stelle der Größe einer Kathedrale ähnelt… Aber würde deswegen auch nur einer/eine seine/ihre Kopfhörer aufsetzen und diesem Werk hier seine Aufmerksamkeit schenken? Ich weiß es nicht.

Kann man diesem Album überhaupt in ein genormtes „Pretty in Noise 10 Punkte-Korsett“ stecken? Ein Korsett welches bei Pop, Rock und Indie vielleicht auf die richtige Fährte führt, hier aber benötige ich eine viel größere Skala. Was soll ich nur machen? Soll ich „Tender Symmenty“ nun 15 Punkte geben? Nur um meine Hochachtung vor Michael Price auszudrücken? Wird man mich noch ernst nehmen, wenn ich ihn als den größten zeitgenössischen Komponisten bezeichne? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß nun was ich mache. Ich gebe diesem Meisterwerk das abschließende Urteil: MEISTERWERK. Volle Punktzahl.

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