2 Ohren von Autor Nico Kerpen

Die dem Postrock zugeordneten, sich selbst aber nicht in dem Genre sehenden MOGWAI haben in ihrer Vergangenheit nicht nur Remixe für andere Künstler hergestellt, sondern liessen ebenso gern welche ans Eigenwerk ran. Bereits 1998 erschien ein Remix-Album der Band, auf dem unter Anderem Bearbeitungen von Alec Empire, Arab Strap und My Bloody Valentine zu hören waren.

Nun ist mit „A wrenched virile lore“ zum zweiten Mal ein Tonträger dieser Richtung aus dem Hause MOGWAI erschienen: zehn Künstler interpretieren neun Songs vom letzten Album „Hardcore will never die, but you will“.

„Rano Pano“ ist in zwei Versionen enthalten, während „You´re Lionel Ritchie“ außen vor bleibt.

Die Musiker, welche alle zu den Lieblings-Interpreten von MOGWAI gehören, unterziehen die ursprünglichen Lieder einer teilweise rabiaten Bearbeitung (insbesondere „Rano Pano“ im Mogwai is my dick Remix). Die Songs sind aber noch gut zu erkennen, denn etliche Klänge und Instrumente bleiben unverändert, während drumherum eifrig gebastelt und verschoben und konstruiert wird.

„Hardcore…“ war von der Musik her poppiger als bisherige MOGWAI-Platten und der Sound war etwas elektronischer als bisher. Die Remixe gehen noch einen Schritt weiter. Vor allem die Kraftwerk-artige „Letters to the metro“-Bearbeitung von Zombi ist fast schon club-tauglich, was teilweise auch auf „How to be a werewolf“ von Xander Harris zutrifft.

Tim Hecker bearbeitet „Rano Pano“ in einer Weise welche das sehr gute Original-Lied würdigt und ihm eine etwas beunruhigende, Spannung erzeugende Wirkung verpasst.

RM Hubbert teilt die Platte mit seiner fast akustischen Version von „Mexican Grand Prix“ in zwei Hälften.

SOFT MOON tanzen aus der Reihe und beeindrucken mit einer düsteren Krach-Version von „San Pedro“. Atmosphärisch ist das eine der Highlights von „A wrenched virile lore“. Jedoch beeindruckt auch Robert Hampson mit „La mort blanche“ der uns vierzehn Minuten Zeigt gibt mit seinem ambient-artigen Output – welcher von allen Mixen am ehesten an das Original erinnert – ehe wir in die Realität zurück gekickt werden.

Bei einem Remix-Album ist nicht zu erwarten das es wie aus einem Guss und damit an einem Stück hörbar ist, MOGWAI bzw. ihre Gäste haben diesen Spagat dennoch beinahe hinbekommen, ohne das „A wrenched virile love“ an irgend einer Stelle in Beliebigkeit abzurutschen droht. Es ist gut zu merken das die Künstler sich mit dem Orignial-Material auseinander gesetzt haben. Da die Lieder ihren teilweise sehr schönen Grundeigenschaften nicht beraubt werden und dennoch frisch klingen, ist die Scheibe eine Bereicherung im MOGWAI-Kosmos.

 

2 Ohren von Autor Robin-M.Aust

Remixalben sind immer so eine Sache. Die remixenden Künstler sind in den unterschiedlichsten Genres zuhause, die zudem meist nichts mit dem Genre des geremixten Künstlers am Hut haben. Das Ergebnis ist logischerweise zumeist eine inhomogene Masse in verschiedensten Stilrichtungen. Für Liebhaber des einen oder anderen Künstlers also immer eine etwas schwierige Angelegenheit. So auch beim aktuellsten Beitrag zur Mogwai-Diskographie: A Wrenched Virile Lore versteht sich als externes Sequel zu Hardcore will never die, but you will von 2011 und reiht sich damit neben Kicking A Dead Pig von 1998 ein, das vor allem Remixe von Mogwais Debutalbum Young Team enthielt.

Und auch 2012 dann wieder: unterschiedlichste Stile und unterschiedlichste Herangehensweisen. Von zu ziemlich originaltreubleibenden Bearbeitungen wie dem schon vorab veröffentlichten Justin K Broadrick Reshape von George Square Thatcher Dance Party oder aber stellenweise eher unkenntlichen Remixen wie dem Klad Hest Mogwai is my dick Remix von Rano Pano ist das ganze Spektrum neumischender Klangbearbeitung vorhanden. Einheit sucht das Ohr des Hörers vergebenlich. Aber wo ist da überhaupt der Unterschied zu einer regulären Mogwai-Veröffentlichung? Ich wüsste keine zwei Longplayer, auf denen die Schotten stilistisch gleich klingen. Dafür aber fast immer gleich grandios.

Natürlich kommt A Wrenched Virile Lore nicht ohne tanzbarere Varianten der auch schon im Original durchaus tanzbaren Vorlagen von Hardcore Will Never Die aus. Hierbei macht How To Be A Werewolf im Xander Harris Remix schon fast den Schwachpunkt des Albums aus, ohne dabei wirklich schlecht zu sein. Nur wenig innovativ. Ähnlich sieht es mit dem Tim Hecker Remix von Rano Pano und dem Umberto Remix von Too Raging To Cheers aus, die größtenteils nur einzelne Facetten des jeweiligen Songs fokussieren oder abschwächen. Dem gesamten Album merkt man hier das Release zu Zeiten einer Retro-Elektro-Welle an. Ob das nun schlecht ist oder nicht, mag jeder selbst entscheiden.

Die wirklichen Perlen dieses Albums machen aber die konsequenten, etwas radikaleren, trotzdem aber musikalisch passenden Transformierungen der Stücke von Hardcore Will Never Die aus. Ein Anspieltipp wäre da meiner Meinung nach vor allem der Remix von Mexican Grand Prix, den Mogwai-Homie RM Hubbert anfertigte. Der Kontrast zwischen RM Hubberts intim dahinklimpernder Akkustikgitarre und den aus dem Original beibehaltenen Flüstervocals inklusive Vocoder wirkt grotesk, aber stimmig und durchaus gefällig. Mein zweites, persönliches Highlight müsste da aber der nicht zufällig so heißende Zombi Remix von Letters To The Metro sein, der die Melodie des Originals beibehält, aber den gesamten Song stilistisch transformiert und in der Welt der nicht immer wenig trashigen Synthie-Horrorfilm-Soundtracks der 70er und 80er ansiedelt. Für Fans von einerseits eben diesen Stücken, aber auch von Synth-Pionieren wie Vangelis oder Giorgio Moroder, aber auch aktuellen Künstlern wie Kavinsky oder meinem persönlichen Lieblingsfranzosen Daroc ist dieses Stück schon Grund genug, in A Wrenched Virile Lore reinzuhören. Für alle Mogwaihörer aber sowieso, schließlich will man ja wissen, was die anderen so mit Mogwaistücken anstellen dürfen.

Bottomline: Die Welt braucht mehr Remixalben. Und mehr Mogwaisongs.

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