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Am 30. August findet ein spannendes Happening statt: MOGWAI werden im Admiralspalast in Berlin-Mitte ihre Musik zu „Atomic“ live präsentieren, während der Film gezeigt wird. Dies ist eine einmalige Gelegenheit, das Ganze in einem sehr schönen Setting zu erleben. Europaweit wird es nur wenige dieser Veranstaltungen geben – deutschlandweit ist sie exklusiv.


Über dem Erdboden schweben und dem zivilisierten Alltagsleben – wenigstens für eine Weile – ein Schnippchen schlagen? Da gibt es diverse Möglichkeiten: die Einen suchen ihr Glück in der Natur, zum Beispiel bei Wanderungen in Wäldern, an Seen und im Gebirge. Andere zappeln neunzehn komma fünf  Stunden am Stück zu elektronischen Klängen in alten Fabrikhallen. Der dritte schnabuliert gern bewußtseinsverändernde Substanzen. Die Vierte fährt für drei Wochen auf ein Yoga-Seminar in der Toscana, organisches Essen direkt vom Bauernhof inclusive. Fünftens und sechstens: Bungee-Jumping sowie die höchste Achterbahn der Erde ausprobieren.

Es geht auch unkomplizierter sowie preiswerter, aber nicht weniger schön: Musik ist Hobby, Ventil, Ablenkungsmanöver und Bewußtseins-Erweiterungs-Motor für Kopf, Geist und (wenn man an deren Existenz glauben möchte) Seele.

Natürlich nicht jede Musik. Gut eignen sich neben Ambient und Shoegazer und Dreampop und Chill-Elektronik auch Bands und Projekte wie MOGWAI: Postrock für die Einen, Gitarrenmusik für die Anderen (MOGWAI neigen zur zweiten Variante, da sie die davor genannte Kategorisierung nicht passend für ihre Musik finden).

Das Spannende bei MOGWAI war und ist Folgendes: die Musik lässt sich gut mit dem Kopf verfolgen, sie bietet sich aber auch prima zum davondriften an. Bei Konzerten wurde das Ganze bisher durch im Hintergrund laufende interessante Filmchen getriggert. Lediglich bei der letzten Tour zum Album „Rave Tapes“ wurde etwas überraschend komplett auf dieses bewährte Rezept verzichtet: keine Visuals, keine Filme, keine ausufernde Lightshow. Der Focus lag eindeutig auf der Musik. Und bei nicht wenigen Leuten auch im Kopfkino, wie gut zu beobachten war.

Aktuell wird das Pferd von der anderen Seite aufgezäumt: die fünf Herren von MOGWAI steuern wieder mal Musik zu einem Film bei. Es handelt sich im eine Dokumentation, die realistisch und ernsthaft ist: sie behandelt das Thema „Nuklearenergie“. Nach den sehr schönen Soundtracks zum „Zidane“-Film und der sehenswerten Serie „Les Revenants“ vertonten MOGWAI den vom BBC produzierten Film „Atomic“. Dieser wurde von Marc Cousins gedreht beziehungsweise zusammengestellt / kuratiert, da er zum großen Teil aus Original-Footage (Hiroshima, Tschernobyl, Fukushima, um nur einige Details zu nennen) besteht. Das Ganze wurde zu einer Kunst-Collage zusammengefügt und schiebt die geneigten Zuschauerinnen und Zuseher in die Position eines etwas fragezeichenhaften Nackt-im-Wind-Gefühls, da es sich tatsächlich um eine Doku im wahrsten Sinne des Wortes handelt. Auflösungen werden keine geboten, es wird niemand erklärungstechnisch an die Hand genommen. Dies ist nicht unbedingt einfach für uns Konsumenten, zeigt aber Respekt vor den Zuschauern, die woanders zeitgeistig bedingt viel zu häufig Meinungen und Ansichten mit dem Vorschlaghammer um die Ohren gehauen bekommen (Privat-TV-kanäle, Partei-Programme, Religionen).

Mogwai-Atomic-Admiralspalast-Pop-Kultur-2016-1

Der Regisseur Marc Cousins wurde im Jahr 2011 mit seiner Dokumentation „A history of film“ bekannt: diese dauert fünfzehn Stunden und ist für Filmfreunde eine Unumgänglichkeit (der Schreiberling ist gerade dabei, die gesamte Box zum zweiten Mal anzuschauen. Das ist aber ein anderes Thema).

Darum zurück zu MOGWAI: beim Anschauen des Films ist gut zu merken, wie die Band sich auf das Footage eingelassen hat: die Musik bezieht sich auf das Gezeigte. Gewohnte rockige Elemente treten elegant in den Hintergrund und lassen Ambient, Drones, düsteren Synthies sowie Klavier den Vortritt. Besondere Erwähnung verdient der letzte Track „Fat Man“, der in eine Stille hinein fällt, welche in jenem Moment lauter zu sein scheint als sämtlicher Gitarrenkrach der Welt.

Am 30. August findet ein spannendes Happening statt: MOGWAI werden im Admiralspalast in Berlin-Mitte ihre Musik zu „Atomic“ live präsentieren, während der Film gezeigt wird. Dies ist eine einmalige Gelegenheit, das Ganze in einem sehr schönen Setting zu erleben. Europaweit wird es nur wenige dieser Veranstaltungen geben – deutschlandweit ist sie exklusiv.

Atomic ist am 01. April via Rock Action als CD, Vinyl, Download & Streaming erschienen.

Tickets für das Konzert im Rahmen von Pop-Kultur Berlin sind bereits erhältlich.
Admiralspalast, 30. August 2016, 20.00 Uhr.

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