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Spannende Mischung aus Trip Hop, Elektro und Indiefolk.

LP kaufen Vö: 20.10.2017 Kapitän Platte

Ahoi, Herr Kapitän! Ein gewisses, einschlägiges Bielefelder Liebhaber-Label beschert uns hier wieder mal ein Album einer bemerkenswerten Band, in selbstverständlich hochqualitativer Aufmachung und dicker Produktion: Monophona aus Luxemburg. Ich bin ja von Natur aus neugierig. Wenn ich die Genrebeschreibungen der Platten in meinem Postfach lese, weiß ich ja meist schon, ob ich mich damit auseinandersetzen will oder nicht. Hier las ich „Indie- bzw. Folktronica“ und die Neugier war wacher denn je…

Das Intro des Openers „Courage“, zugleich einem der stärksten Songs des Albums, könnte auch aus einem Film stammen.Verzerrte Elektrofetzen erscheinen und die aufkommende Akustikgitarre entblößt ein wunderbar dramatisches Riff. Die wahrlich schöne Stimme von Sängerin Claudine Muno, die auf sich selbst aufbauenden Trip Hop Beats, Handclaps und Bläsersounds werden übereinander gemischt und erzeugen dabei Spannung. Auch wenn das jetzt kantig klingt, es passt alles zusammen und ergibt ein klangliches Ganzes. „Tick Of A Clock“ nutzt stark veränderte Gitarrensounds, scharf wie berstendes Glas und brummende Hintergründe, dazu zeigt die Chanteuse, dass sie ihrem Organ auch dreckige Klänge entlocken kann. Nach einem kurzen, moderat ruhigen Zwischenteil, gehen ihr die Gäule stimmlich endgültig durch und sie brüllt „You Walk To The Tick Of A Clock“, dass es einem eiskalt den Rücken hinunterläuft (im angenehmen Sinne, versteht sich). Die häufig eingeblendeten Gitarrenparts erinnern uns daran, dass wir es nicht mit einer reinen Elektroband zu tun haben. „Here After“ hat erst mal so gar nichts von Trip Hop, sondern beginnt mit einem feinen, unverzerrten E-Gitarrenriff, das sich durch das ganze Stück ziehen wird. Allerdings mit sich ständig verändernden Sounds, die immer wieder zusammenlaufen und den Hörer sanft aufwühlen. All das in Kombination mit dieser wundervollen Stimme!

Sehr düster kommt „The Benefit Of A Doubt“ bei mir an. Der Beat hat es in sich, die Melodien entwickeln sich langsam weiter und schweifen über die unheilvollen Brummsounds der Synthesizer im Hintergrund. Die Luft ist dick, unheilvoll und man wartet auf das Erscheinen des herannahenden Unglücks, aber es passiert einfach nichts. Wie bei einem Film erzeugt genau das eine ganz eigene Art von Spannung. „Lada“ ist ein Hit, da gibt es keine Zweifel. Nicht mal so negativ, poppig, eingängig, mit Akustikgitarren und schönen, doppelten Gesangsharmonien, hier glückt die Symbiose aus klassischen, analogen Instrumenten und Elektro wirklich hervorragend, wobei mir vor allem die Verwendung eines Kontrabasses unheimlich gut gefällt. Bei „To The Wall“ ist der Höhepunkt der stimmlichen „Sexyness“ erreicht, während eher dezente Sounds und Keyboardklänge sich langsam aufschaukeln. Die Beats verdichten sich, drohen und kratzen und werden zunehmenden voller, die bleibt dennoch sehr melodisch. Das ungewöhnliche Cash-Cover „Folsom Prison Blues“ hat mit dem Original nicht besonders viel gemein, dennoch erkennt man, um welchen Song es sich handelt. Wieder hauptsächlich mit Akustikgitarren im Fundament, hat man vor allem am Rhythmus einiges geschraubt und andere Akzentuierungen vorgenommen. Das macht schon Spaß, aber auf dem Album hätte es meines Erachtens nicht unbedingt landen müssen, ist es doch vor einiger Zeit auch schon als Single veröffentlicht worden.

Was triggert den Plattenfreund? Richtig, wildes Knistern. Damit beginnt „I Will Be Wrong“ und rollt zugleich helle 80s-Soundteppiche aus. Dazu kommen klassische Trip Hop Beats in recht aufrührender Manier und astreine Dancebeats. Das Ding kann ohne Umwege in den Club! Bevor wir zu sehr ins Schwitzen geraden, kühlt uns „The Hours“ wieder runter. Mystische Sounds, leichtes Schlagwerk und ein eigenartiger, aber abwechslungsreicher Aufbau lassen mich den Song eher im Indiepop verorten. Es passiert in gut 4 Minute eine ganze Menge und die Stimmung pendelt zwischen Ruhe und Ausbrüchen; Madame Muno tritt den Wechseln natürlich angemessen entgegen. „How can you be strong, if you’re afraid of everything?“, so die wütende, rhetorische Frage in „Hospitals For Freedom“, einem klagenden Antikriegs-Song, der musikalisch entsprechend finster ausgefallen ist. Elektrostreicher, Beatnieselregen und Nachrichtensprecher-Samples wühlen mich auf und lassen mich zustimmend mitfühlen und die Beweggründe gänzlich verstehen. Na klar, es gibt en masse Songs zur politischen Weltlage, aber die meisten sind mir zu platt. Das ist hier definitiv nicht der Fall! Aber, man soll sich ja nicht nur sorgen: „We’ll be alright“. Zwar auch nicht durchgehend positiv, aber doch friedfertig und rundet dieser treffend betitelte Ausgang das Album ab.

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