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Das Unwetter des ersten Festivaltages hatte deutliche Spuren hinterlassen: Große Pfützen, rutschige Gehwege und schlammbespritzte Sitzflächen, so weit das Auge reichte.


Auch für MS Dockville-Tag 2 war streckenweise Regen angesagt; die Wetterberichte schienen sich aber uneinig zu sein, und so hoffte man natürlich auf das Beste. Am frühen Nachmittag gab es jedenfalls nichts zu meckern. Immer mal wieder ließ sich die Sonne blicken, während gutgelaunte Menschenscharen eilig das Festivalgelände enterten.

MS Dockville
Foto: Gregor Groenewold

Den für diese Uhrzeit wahrscheinlich ansprechendsten Slot hatten sich Golf aus Köln gesichert, die im Maschinenraum aufspielen durften. Mit tatkräftiger Unterstützung der Sonne, aber auch der fast direkt neben der Bühne gelegenen Food-Stalls, generierte das Quartett eine beachtliche Zuschaueransammlung vor der Bühne. Kein Wunder, immerhin spielte die „derzeit spannendste Band“ (Noisey) die „aufregendste deutsche Musik der Stunde“ (Welt). Wenige Meter weiter legte Julian Stetter, ebenfalls ein ‘kölsche Jung‘, in der Klüse auf und sorgte für die ersten Tanzeinlagen mit Hafenblick.

Nach spontan eingelegter Essenspause ging es mit Drunken Masters im sogenannten Nest weiter. Kurze Randnotiz diesbezüglich: Die Bühne befindet sich in einem bunt geschmückten Rondell, umgeben von Pflanzen und Bäumen, und ist nur über relativ enge Fußwege zu erreichen – wer hier spielt, hat also allein durch die einzigartige Atmosphäre schon gewonnen. Das DJ/Produzenten-Duo aus München hätte aber wahrscheinlich auch sonst keine großartigen Probleme gehabt, die Bühne zu rocken; jeder Track bringt die Menge zum Tanzen, Springen und Krakeelen.

Zu frühabendlicher Stunde begannen andernorts die beiden Deutschrapper Audio88 & Yassin. Das Laufpublikum der nah am Ein- und Ausgang gelegenen Vorschot hatten sie jedoch gar nicht notwendig, ihr aufwendig produziertes Bühnenbild zum aktuellen Album „Halleluja“ zog auch so schon ausgesprochen viele Menschen an. Nach Ablegen ihrer – ebenfalls dem Motto entsprechenden – Kostüme gab das Duo ein Medley aus den beiden (unfreiwilligen?) Sommerhits „Dies das“ und „Dies Das II“ zum Besten und ließen damit viele Hip-Hop-Herzen höher schlagen.

Für die folgenden Stunden war erneut der Maschinenraum ‘the place to be‘: La Femme mit ihrem psychedelisch-angehauchten, teils regelrecht hypnotischem Pop-Rock und das halb englisch, halb portugiesisch singende Electronica-Duo Sofi Tukker sorgten für gute Stimmung. Der Knaller des Abends war jedoch King Krule, das gerade einmal 22-jährige Nachwuchstalent aus Großbritannien. Archy Marshall, so der Rotschopf bürgerlich, verkörpert das Bild des Antihero so stark wie seit langem keiner. Schlabberlook, schiefe Zähne und ein bis an die Unverständlichkeit ausgeprägter Akzent des südlichen Londons – schon die Äußerlichkeiten verraten viel. Und exakt diese Eigenschaften sind es auch, die seine Musik prägen: Mit geradezu pathetischer, aber zu keinem Zeitpunkt aufgesetzter Melancholie singt der lyrisch hochversierte Adoleszent über das Dasein. Ein Traum von einem Konzert, obwohl (oder gerade weil?) er dem eigentlich überwiegend „fröhlichen“ Line-Up des Festivals so gar nicht entspricht.

Auf der Großschot hatten währenddessen die Berliner Moderat begonnen. Wenig überraschend wurden sie ihrem Status als Headliner gerecht und spielten zu überragender Lichtshow die Tracks ihrer drei bis dato erschienenen Alben. Vor der Bühne war es – ebenso wenig überraschend – gerammelt voll, immerhin spielten war das Konzert eines der letzten, das die Band vor ihrem angekündigten Hiatus spielte. Deutlich kleiner, aber nicht weniger interessant war das Vinyl-Set von DJ Boring in der Klüse, der seinen hervorragenden Kollegen und Freund DJ Seinfeld abgelöst hatte. Zum Ausklang des Abends hatte der Maschinenraum noch ein Highlight parat: Mount Kimbie, das Londoner Electro-Duo. Unterstützt von weiteren Bühnenmusikern sorgten Kai Campos und Dom Maker mit Synthies, Loop-Stations und Drums für überwältigende Sound-Wände. Man darf auf die bereits kommenden Monat erscheinende LP „Love What Survives“ gespannt sein; auch die anschließende Club-Tour ist natürlich nicht zu vernachlässigen.

MS Dockville
Mount Kimbie

Am frühen Morgen findet ein erwartungsgemäß umfangreicher, interessanter und vielfältiger Tag seinen Abschluss. Musikalisch, vor allem aber atmosphärisch hat das MS Dockville wieder einmal bewiesen, dass große Festivals auch fernab des Konsumwahns und Massenkultur möglich sind – die „alternative“ Herangehensweise sowie die eindeutige politische Haltung der Veranstaltung sind zu jeder Zeit und an jedem Ort deutlich wahrzunehmen. Und noch ist ja nicht Schluss: Sonntag folgt der dritte Festivaltag mit dem sagenumwobenen DJ Windows XP und Headlinern wie AnnenMayKantereit und Sohn.

BERICHT: MS Dockville – So verlief der Sonntag (20.08.2017)

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