Nathan Gray kehrt zurück nach Deutschland. Anders als auf seiner ausverkauften Solo-Tour zum Jahresanfang begleiten ihn diesmal Gitarrist Ben Christo und Cellistin Isabelle Klemt. Warum es sich lohnt, hinzugehen.


München im Februar. Das „Drugstore“ ist gut gefüllt: Im Nebenraum läuft ein Bundesligaspiel des FC Bayern, an der ausladenden Bar tummelt sich das bunt gemischte Publikum. Um die prunkvolle Wendeltreppe zu finden, die zum „Heppel & Ettlich“, der Kleinkunstbühne in der Szenebar, führt, muss man erst an zwei jungen Indern vorbei, die unter der Treppe des Drugstore einen sympathischen Kiosk mit Schnaps, Zigaretten und 5-Cent-Gummibärchen aus dem Grabbeltisch führen. Oben angekommen, steht man vor einer unscheinbaren Sperrholztür. Ein handgeschriebener Zettel verspricht „An Evening with Nathan Gray“. Im Inneren hat der Veranstalter kurzerhand die Theaterbestuhlung hinter die Bühne geschafft, für die rund 200 Gäste ist trotz ausverkauftem Haus reichlich Platz.

Die Ankündigung am Eingang passt, Nathan Gray liefert mehr als „nur“ ein gelungenes Konzert: Zwischen den einzelnen Songs nimmt er sich Zeit, Geschichten zu erzählen und die Entstehung des Albums zu beleuchten. Das ist manchmal heiter: Wenn es um durchzechte Nächte auf den ersten Boysetsfire-Touren oder Grays langjährige Freundschaft zu EndHitsRecords-Boss Oise geht. Manchmal kämpferisch: Wenn Gray sich gegen politische Missstände auflehnt und sie auf die persönliche Ebene herunterbricht. Und zwischendurch erschütternd offen: Mit „Echos“ existiert einer der emotionalsten Songs des Solodebüts nur, weil Gray nach Jahren der Verdrängung so weit mit sich im Reinen ist, dass er über die Misshandlungen in seiner Kindheit reden kann. Als mitten im Song seine Stimme wegbricht und Gray sich mit Tränen in den Augen eine Auszeit nimmt, springt das Publikum ein und singt weiter – im Boysetsfire-Kosmos ging es eben schon immer familiär zu.

Durch die seitlichen Fenster des Theaters kann man draußen das Münchner Nachtleben vorbeiziehen sehen: Während die aufgestylten jungen Leute mit dem Wegbier in der Hand zum nächsten Club strömen, ist ihnen die Lebensfreude ins Gesicht gemeißelt. Der Ausblick steht im krassen Widerspruch zum Seelenstriptease, den Gray auf der dezent erhöhten Bühne vollzieht. Dass der BSF-Sänger nicht der beste Gitarrist ist, stört dabei kaum. Ob der hohen Emotionalität verzeiht man den ein oder anderen Wackler nur zu gern. Zumal er die Unterstützung seiner Gitarre nicht zwangsweise braucht: „Damascus“, das Gray komplett ohne Begleitung vorträgt, wird zu einem Highlight des Abends.

Nach verschiedenen Projekten hat Gray das Zutrauen in seine Fähigkeiten als Solokünstler endlich gefunden und liefert in gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre einen kompletten Querschnitt seines bisherigen Schaffens, der nahezu keine Station auslässt. Wer Nathan Gray im Februar verpasst hat, kann sich jetzt selbst ein Bild machen: Nach kleinen Theaterbühnen auf der letzten Tour geht es im Mai in ungewöhnlichere Locations, etwa Kirchen und Tropfsteinhöhlen.

Für einige Termine sind noch Restkarten erhältlich:
22.05. – GER – Bremen – Modernes | Tickets
23.05. – Leipzig – UT Connewitz | Tickets
24.05. – Berlin – Heimathafen | Tickets
25.05. – Wiesbaden – Ringkirche – SOLD OUT
26.05. – Iserlohn – Dechenhöhle – SOLD OUT
26.05. – Iserlohn – Dechenhöhle – SOLD OUT
27.05. – Iserlohn – Dechenhöhle – SOLD OUT
17.08. – Augsburg – Parktheater

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