neànder schlugen nicht nur bei mir letztes Jahr ein wie eine Bombe. Das selbstbetitelte Debüt der Band, die sich aus Musikern der Black-Metaller ånd, Patsy O’Hara und Live Musikern von Casper zusammensetzt, hatte es geschafft mit ihren Klängen zwischen Post-Rock und Sludge ein Kopfkino vom Feinsten zu kredenzen.

Wurde am Vorgänger über drei Jahre gearbeitet, nahm man sich für den Nachfolger Eremit ein halbes Jahr, was man den knapp 40 Minuten Spielzeit auch anhört. Alles wirkt etwas kompakter, wie aus einem Guss.

Doch nun mal zu den einzelnen Songs des Albums, dass mit dem Doppel Purpur (Prelude) und Purpur beginnt. Sofort fällt auf, dass die Grundstimmung etwas düsterer ist. Kamen beim Debüt Hier und Da ein paar Sonnenstrahlen durch, wirken Purpur und auch das folgende Titelstück eher wie ein mitten auf dem Meer aufziehender Sturm. Die Wogen glätten sich zwischendurch, aber das Unwetter will sich nicht auflösen. Eine gewisse Trostlosigkeit schwebt auch mit, die jedoch zwischen den ganzen schweren Riffs immer mal wieder von hoffnungsvollen Melodien aufgelöst wird. In diesen Momenten klingt gerade Eremit richtig stark.

Ora macht ähnlich finster weiter, steigert sich jedoch in einen anmutigen Blastbeat-Part, der auf den Gitarren weitergetragen wird, während sich das Tempo wieder in langsame Gefilde zurückfallen lässt. Ganz leise wird es auch zwischendurch, aber nur, um sich wieder zu steigern und den Song ausbrechen zu lassen.Das Zwischenstück Clivina besticht durch fast schon folkige mystische Gitarren, die von dezenten Flächensound begleitet werden. Doch am Ende bereitet der Track nur auf den letzten Kampf vor.

Atlas ist mit seinen fast zwölf Minuten nichts anderes als ein Monolith. Tribal-artige Drums führen ein und die Gitarren werden nacheinander eingeblendet. Riff an Riff wird aneinander gereiht, nach drei Minuten höre ich dann plötzlich auf, denn da kommt eine Stimmung auf, wie sie auch von einer doomigen Band aus Umea gerne erzeugt wird. Nach einem weiteren rifflastigen Part, besinnt man sich und spielt wieder wunderschön hymnische Momente aus den Ärmeln. Das Wechselspiel zwischen knochentrockenen Gitarren und viel Atmosphäre zeigen neànder in Atlas richtig gut. Und zum Schluss kommt dann doch tatsächlich die Sonne auf und die Reise durch den Meeressturm endet im sicheren Heimathafen.

Die Produktion ist wieder verdammt druckvoll und schön differenziert, jedoch mit genug Dreck versehen. Beim Schlagzeug fand man sich übrigens bei Christoph Barthelt von Kadavar ein, während die restlichen Instrumente wieder in den Hidden Planet Studios unter Jan Oberg aufgenommen und gemastert wurden. Für das Mastering konnte man mit Magnus Lindberg von Cult Of Luna auch einen genre-erfahrenen Musiker gewinnen. Das schöne trostlose Cover, mit seinen Grautönen, stammt von Basti Grim, der hier ebenfalls tolle Arbeit geleistet hat.

Persönlich war ich anfangs etwas enttäuscht von Eremit. Zwischendurch haben sich Längen eingeschlichen, die ganz knapp an der Grenze zur Langeweile vorbeigeschrammt sind. Natürlich kann Monotonie auch Stilmittel sein, jedoch hatte ich etwas anderes erwartet von der Band, die mich auf ihrem Debüt sofort mitgerissen hat. Erst Atlas konnte mich vollends überzeugen. Die anderen Stücke wirken auf mich teils nicht komplett ausgereift, dafür sind die Riffs düsterer und man bewegt sich näher am Doom/Sludge als am Post-Rock, was den Berlinern ganz gut steht. Ich bin mal auf das dritte Album gespannt.

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