Spinnup_DuWillst

Die Songliste auf der neuen Platte des Hardcore-Screamo-Punk Quintetts Nervöus aus Berlin liest sich wie ein Gedicht und man könnte der Band unterstellen, dass da ein Konzept dahintersteckt.

Vö: 29.06.2018 Moment Of Collapse Records iTunes LP kaufen

Das gleichnamige Album erscheint am 29.06.2018 über Moment of Collapse Records und präsentiert einen starken, treibenden Hardcore-Sound und eine Screamo-Stimme, die schwer zu entschlüsselnde Texte wiedergibt. Das als Gesamtkunstwerk nicht unbedingt für gute Laune sorgt, aber auf jeden Fall unterhält.

Vier hell scheppernde Becken Schläge reichen im Opener Reflex als Einstieg in das selbstbetitelte Album ehe die Jagd beginnt. Dann werden die „Daumenschrauben angezogen“ und es gibt „Kein Entkommen“ mehr. Ein Gewitter zieht auf und mit verzweifelter Stimme wird nach einem Unterschlupf gesucht. So geht es auf dem auch Album weiter. Tiefer Hardcore-Sound mit nur seltenen hellen Momenten, die es aber gibt, zumindest wenn man den Gesang separat betrachtet. Denn der ist eigentlich fortlaufend flehend, desperat, voller Beklemmung und mit Angst und Aversion besetzt. Der Sound von Nervöus wirkt in der ersten Hälfte der Platte teilweise etwas diffus, was sich aber nach mehrmaligem Hören als falsch herausstellt. Man muss schon etwas genauer hinhören, um die Linie der einzelnen Instrumente zu verfolgen. Tut man das nicht, bleibt man in einem breiigen Sound kleben.

Das Lied „Wahn“ wird mit einem sich stetig steigernden Sound eingeläutet, nach guten 40 Sekunden setzt der Gesang ein und das Tempo verlangsamt sich wieder, um sich dann erneut aufzubauen. Tempowechsel als probates Mittel für einen gelungenen Spannungsbogen. Funktioniert. Die Klänge eines weit entfernten Blasinstruments lässt das Lied und das Leid im Stile einer guten, heilen Welt ausklingen.

Dieser Gedanke wird aber im folgenden Song „Minus“ sofort wieder vernichtet und bis zum Ende des Albums nicht wieder aufgenommen.

NUR NOCH EIN TRUGBILD ZU ERKENNEN
EIN ÄTZENDES GEMISCH.

Nervöus können mich auch auf ihrem dritten Longplayer überzeugen, das Einzige was mich beim Hören ein bisschen stört, sind die Übergänge zwischen den Liedern. Vielleicht ist das auch so gewollt, aber für meinen Geschmack könnte das flüssiger sein.

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