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Die Hamburger Noseholes begeistern seit mittlerweile 3 Veröffentlichungen mit einem aus No Wave, Post-Punk und ungewöhnlichen Disco-Elementen zusammengesetzten Sound, der sich durch zumeist kurze, knackige Songs auszeichnet, die auf groovenden Schlagzeug/Bass-Gerüsten aufbauen, mit einprägsamen, funkigen Gitarrensynthi-Melodien versetzt sind und vom bestimmenden Sprechgesang der Sängerin ZooSea Cide und den abstrakt-skurrilen Texten gekennzeichnet sind.

Ein experimenteller Genremix, der auf ihrer ersten EP (2017) und dem Debütalbum Danger Dance (2018) mitunter stark an die Vibrations des New Yorker No Wave Sounds à la Contortions, Bush Tetras oder Au Pairs erinnern lässt, sich auf dem aktuellen Album Ant And End allerdings etwas eingängiger und tanzbarer darstellt.

Nachdem die ersten beiden Releases noch in Zusammenarbeit mit Harbinger Sound veröffentlicht wurden, erscheint das aktuelle Album wieder ausschließlich über das ebenfalls von Steve Somalia und Henk Haiti betriebene Punk-Label Chuchu Records.

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Zweifelsohne zählt der Output der Hamburger mit zum kreativsten des Genres. Die Noseholes meinen es ernst, aber mit einer ordentlichen Portion schrägem Humor. Sie feiern das Verrückte und sind verrückt beim Feiern.

Wir haben aus diesem Grund mal bei Henk Haiti und Steve Somalia angeklopft, um uns ein wenig nach Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Noseholes zu erkundigen.

Wenn meine Infos halbwegs stimmen, dann gibt es eine Linie, die euer Label Chuchu Records, die Punk Band Das eNde, eine Free Jazz Combo namens Hand Sex (zu der allerdings im Netz nicht wirklich etwas zu finden ist) und Noseholes miteinander verbindet? Klärt uns doch bitte mal auf, welche Verbindungen es hier gibt? Wieso – zwischen der grundsätzlichen Verortung beim Punk/Post-Punk- eine Exkursion in den Free Jazz und inwiefern verhalf dieses bei der Entstehung von Noseholes?

Henk Haiti: Die Verbindung ist hier Steve Somalia, da er bei allen drei Projekten beteiligt ist. Ich sehe hier auch eigentlich keine „Verortung“ im Post Punk, sondern ein Weg verschiedener Musikeinflüsse, von denen Post Punk und Free Jazz nur zwei sind. Free Jazz hat somit keinen Einfluss auf die Entstehung der Noseholes, ist aber sehr wohl ein prägendes Element unter vielen in unserer musikalischen Entwicklung. Die Entstehung der Noseholes war schon von langer Hand geplant, quasi ein musikalisches Kalkül.

Auf eurer Facebook- Seite steht in der Infospalte „Super gelangweilte Disco- Zwillinge gehen steil auf Disco und finden nichts weiter als Noseholes“. Welches Verhältnis habt ihr und die Musik von Noseholes zu Langeweile und Disco und inwiefern nimmt das Einfluss auf euren kreativen Prozess?

Henk Haiti: Wer ist Facebook? Stell dir vor, du bist ein Super Bored Disco Twin, gehst steil auf Disco und findest die Noseholes…! Uns ist nie langweilig in der Erschaffung von Musik. Ich fühle mich jedoch ab und zu musikalisch gelangweilt – z.B. von deutschem Post Punk, der sehr oft ziemlich einspurig und mit zu viel Befindlichkeiten, teutonischen Pathos beladen ist und nur sehr selten Humor hat. Um nun aber zurück auf die Frage zu kommen, auf unseren kreativen Prozess nimmt alles was um uns rum ist Einfluss, da sind Langeweile und Disco inkludiert.

In Besprechungen wird eure Musik zum einen oft als schräg, sperrig, nervig, durchgeknallt oder herausfordernd empfunden. Andererseits werden aber auch immer die starken Groovemomente, eure Tanzbarkeit und insbesondere die Texte und der Gesang von ZooSea Cide hervorgehoben. Fühlt ihr euch da richtig wahr genommen oder trifft das eure Konzeption überhaupt nicht?

Henk Haiti: Ist doch schön das bei unserer Musik was empfunden wird! Wie ich zuvor schon gesagt habe, unsere Musik wird vom Schlagzeug – Bass Gerüst getragen. Mit Verlaub, ich habe noch nie zu einem Gesang getanzt, sondern immer zu einem Rhythmus – Groove, jedoch ist der Gesang von ZooSea Cide schon besonders und hat einen gewissen Wiedererkennungswert.

Gegen die Wahrnehmung von Menschen kann man ja eh nichts machen, deshalb versuchen wir gar nicht erst drüber nachzudenken ob wir da richtig oder falsch wahrgenommen werden. Wichtig ist doch, dass man überhaupt wahrgenommen wird, oder?

Wie kann man sich die Entstehung von Noseholes Songs vorstellen? Bei Euch liegt ja sozusagen die Würze in der Kürze und ich stelle mir das nicht immer leicht vor, Songs immer auf das Nötigste zu reduzieren. Aber bei Euch scheint das wunderbar zu funktionieren. Wie läuft das bei Euch, wer bringt die Ideen mit, worauf werden die Songs aufgebaut und wie entstehen eure Texte mit all den ganzen phonetischen Wort-, Reim- und Bedeutungsspielereien, die einem im Gedächtnis kleben bleiben?

Henk Haiti: Und wir wissen im Vorfeld schon immer ziemlich genau wie der Song klingen soll, es scheitert jedoch in der Praxis an der exakten Umsetzung. Dadurch ergeben sich im Laufe des Prozesses immer mehr vereinfachte Strukturen, bis es uns zu langweilig wird und wir wieder improvisieren. Ein iterativer Prozess. Jedoch wird der Fokus des Arrangements des Songs nie aus den Augen verloren. Was am Ende diesen unverwechselbaren und brillanten Sound der Noseholes ausmacht. Bei den Noseholes ist alles Kalkül, keine Zufälle!

Steve Somalia: Die Texte kommen weitestgehend von mir. Ich trinke beim Schreiben viel Wein. Beim genauen hinhören merkt man, dass es sich um ernste Themen handelt, aber der Humorfaktor wichtiger ist. Deshalb wird es so weit ins Abstrakte geführt, bis nur noch Menschen mit demselben Humor Zugang dazu finden. Wir selektieren aus. Es wird auch mit Google Translation gearbeitet.

Ant And End wirkt auf mich im Gegensatz Danger Dance (oder auch der EP) nicht mehr so kaputt und schmutzig. Die neuen Songs wirken arrangierter, oder anders gesagt ‚designter‘, und haben andere Szenarien. In der Promo zu Ant And End war ja die Rede von einer futuristischeren Atmosphäre. Wie unterscheiden sich die beiden Albumentwürfe? Unter welchen Blickwinkeln sind beide jeweils entstanden?

Henk: Wir wollten mit dem neuen Album Ant And End ein etwas eingängigeres Album produzieren. Gleichbleibend zum Album Danger Dance ist das groovige Schlagzeug – Bass Gerüst. Das Danger Dance Album war vielleicht noch etwas experimenteller, dafür soundtechnisch nicht ausgereift. In meinen Augen ist uns beim Ant And End Album der Brückenschlag zwischen experimentell und Eingängigkeit gut gelungen, jedoch sollen dieses andere beurteilen.

Wie sieht’s bei Euch mit dem ‚touren‘ aus und läßt euer Privatleben das überhaupt zu? In der Vergangenheit gab es ja eher einzelne Dates und ’ne kleine Tour mit Sleaford Mods.

Henk Haiti: Wenn man etwas will, wird es einen Weg geben! Ich glaube, wenn man ein gutes Selbstmanagement hat, ist vieles möglich und somit auch in einer Band spielen, proben, auf Tour gehen und ein Privatleben führen!

Ein Vorteil von kurzen, schönen Platten ist ja, dass man sie schnell nochmals hören kann. Eure Platten kann man auch bedenkenlos auf ‚repeat‘ stellen, wie ich finde. Obschon ich mir durchaus auch noch 4-5 Stücke zusätzlich gewünscht hätte. Wann können wir mit neuem Material von Euch rechnen? Gibt es noch unveröffentlichte Aufnahmen?

Henk Haiti: Geplant ist jetzt erstmal nichts! Es gab gerade bei Byte FM – Antikörper zwei unveröffentlichte Songs zu hören.

Titelbild: Noseholes | (c) Noseholes

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