Noveller-Songs bilden unerwartete Klangwelten, sind filmisch und erzählen mit jedem Ton komplizierte Geschichten.

Sarah Lipstate, ehemalige Gitarristin der aus Brooklyn stammenden Noise-Rock-Band Parts & Labor, wurde 2016 von Iggy Pop eingeladen, ihre Angst mittels Gitarrenspiel in dessen Soundscapes zu kanalisieren. Kurz zuvor las der Rockdinosaurier im Newspaper eine Kritik von Lipstates 2015 veröffentlichtem Album Fantastic Planet.

Noveller heißt das Projekt unter dem Sarah mittlerweile schon 9 Alben aufgenommen hat, komponiert Soundtracks und nebenbei arbeitet sie zudem als Filmemacherin. Das 2014 veröffentlichte Album No Dreams, genauso instrumental gehalten wie auch ihre anderen Kompositionen, wurde von den Kritikern hochgelobt und entwickelte sich zu einem kleinen Klassiker der experimentellen Instrumentalmusik.

Iggy Pop beschreibt ihre Musik Jim Jarmusch, Regisseur von Filmen wie Only Lovers Left Alive oder Broken Flowers, mit den Worten: „Symphonies for People that don’t have a lot of Time“.

Die Eckdaten an Einflüssen könnten unterschiedlicher nicht sein. Sonic Youth und Jesus Lizard, die Epic eines Glenn Branca und Formeln ala Brian Eno, die zu guter letzt mit Dissonanzen des No Wave gepaart werden.

Arrow, ihr erstes Album nach dem Umzug von Brooklyn an den Rand des Canyons von Los Angeles, zeigt Lipstate in Gedanken über diese Veränderung. Das Resultat daraus ist eine Platte voller Traumlandschaften, Spannungen und dynamischen Sequenzen. Während der Opener Rune noch straighte Landschaften in Richtung Drone Musik aufwirft, dürfte schon beim zweiten Track Effectology klar sein, das die harscheren Gitarreneffekte hiermit einem wohlig, wärmeren, in Richtung Ambient tendierenden Grundgerüst gewichen sind. Gerade der letzte Teil des Songs hüllt den Hörer in eine fast nicht enden wollende Endlosschleife. Zeaxanthin, der mit über 8 Minuten Spielzeit längste Songs des Albums, geizt nicht mit Reminiszenzen an die frühen Werke von Jean-Michel Jarre. Erst Thorns und Pre-fabled schlagen dann wieder etwas lautere Töne in mehr experimentellere Gefilde an.

Perfekt könnten solche Tracks Verfilmungen von Philip K.Dick oder auch Ridley Scott, atmosphärisch und vielseitig untermalen.

Nostalgisch und zugleich futuristisch schließt der letzte Track Remainder dieses schöne, abwechslungsreiche, in sich geschlossene Album. Das bei Minute 3:30 einsetzende Laut-und Leise Spiel verdeutlicht zusätzlich, wie gut Sarah Lipstate mit Piano, Synthesizer, Gitarren und ihren gefühlten 30 Effektgeräten umgehen kann.

Wäre sehr interessant zu wissen, wieviele Effektgeräte bei Arrow zum Einsatz kamen.

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