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Kryptische Songtitel, lyrisches Gesamtkonzept, künstlerischer Anspruch, Debütalbum: Es fällt nur zu leicht, bei diesen Zutaten überambitionierte Verkopftheit zu erwarten.

Vö: 24.04.2020This Charming Man RecordsLP kaufen

Derartige Vorverurteilungen fegen die Münchner Oakhands allerdings mit Leichtigkeit vom Tisch und bieten beeindruckend versierten Post-Hardcore, der auf Kopf und Herz gleichermaßen zielt.

Wann junge Bands aufgehört haben, Debütalben aufzunehmen, die auch wie solche klingen, ist schwer zu sagen. The Shadow Of Your Guard Receding jedenfalls klingt nicht im Geringsten nach einer Band, die noch in der Findungsphase steckt. Ganz im Gegenteil: Oakhands haben sich die Entwicklung von Post-Hardcore und Emo in den letzten 20 Jahren ganz genau angeschaut und destillieren daraus ein Klangbild, das differenziert und experimentierfreudig daherkommt, dabei aber immer einer klaren Linie folgt und beweist, dass sich ein gehobener Anspruch und Eingängigkeit keinesfalls ausschließen müssen. Damit folgen sie der Tradition von Genrevertretern mit Köpfchen wie Foxing, O‘Brother oder Brand New. So erinnert nicht nur der Gesang in several; (so that others may thrive) frappierend an Deja Entendu; etliche Rhythmus- und Tempowechsel und träumerische Gitarren machen den Song zu einem ersten Highlight.

Ähnlich dynamisch kommt auch La Jetée daher, dessen Gesangswechselspiel zwischen Flüstern, Schreien und Singen latent an die Vorreiter des poppigen Post-Hardcores der frühen 00er erinnert, nur ohne dabei ähnlich vorhersehbar zu sein.

SAMSA (or, the Lack of Constant Lack) wiederum zitiert mit seiner widerborstigen Eingängigkeit die schon genannten O’Brother. Ein kleines Lehrstück in Sachen Post-Rock liefern die Münchner mit dem instrumentalen || twenty-two ab: In fünfeinhalb Minuten liefern Oakhands zunächst einen bezaubernden Aufbau der Marke Explosions In The Sky, nur um nach dem ersten Höhepunkt die Stimmung zu ändern und eine prägnante Gitarrenfigur im Dreivierteltakt tanzen zu lassen. Das gelungene Kunststück hierbei ist, dass der Song trotzdem nachvollziehbar bleibt und wie aus einem Guss wirkt. Das gilt im Übrigen für den überwiegenden Teil der elf Songs, wobei lediglich das kurze, in Richtung Mittelalterfolk abdriftende Interlude тоска (russ. „Punkt“) verzichtbar gewesen wäre. Andererseits leitet es direkt in einen der stärksten Songs des Albums über:  P A L M I N G beginnt als akustischer Emo und entfaltet sich im Laufe der Spielzeit zu einer hochintensiven Halbballade, die am Ende von melancholischen Bläsern zu Grabe getragen wird.

Überhaupt: Alle gelungenen kleinen Einfälle und Effekte zu nennen, würde den Rahmen sprengen. Stattdessen gibt es eine weitere abschließende Referenz: Der Rausschmeißer There Will Come Soft Rains verbindet alle vorher genannten Einflüsse mit dem treibend-melancholischen Hardcore von Touché Amoré und bäumt sich nochmal zu einer letzten Hymne auf.

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Zusammenfassung
Kryptische Songtitel, lyrisches Gesamtkonzept, künstlerischer Anspruch, Debütalbum: Es fällt nur zu leicht, bei diesen Zutaten überambitionierte Verkopftheit zu erwarten.
4.5
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