Vinyl immer portofrei bei jpc.de

Das schöne an Liedtexten ist, dass diese eigentlich keinen Grenzen unterliegen. Klare Botschaften, kryptische Textzeilen, platte Reime, ambitionierte Metaphern. Vieles ist möglich. Doch was steckt eigentlich hinter diesem oder jenem Song? Was meinen die Verfasser*innen mit ihren Worten? Wie ist der Text entstanden und wieso? Diesen und noch mehr Fragen geht One Song One Story auf die Spur.

Lied: Schon wieder zweiter Februar
Album: Hier und heute nicht (2019)
Band: Montreal

Hirsch (Bassist und Sänger):
Die Aufgabenverteilung beim Songwriting ist bei uns seit etwa 10 Jahren ganz klar geregelt: Yonas (Gitarre/Gesang) schreibt die Musik, und Ich – Hirsch (Bass/Gesang) – schreibe die Texte. Bei diesem Album war es erstmals so, dass ich mit 8 nahezu fertigen Texten ganz gut vorgelegt hatte, zu denen Yonas dann noch Musik zaubern durfte.

Schon wieder zweiter Februar ist eins der 4 Lieder, wo zuerst die Musik fast komplett fertig war und wo ich noch nen Text zu schreiben musste. Der Text des Refrains war als erstes fertig und mit der Idee, den 90er Jahre Film Und täglich grüßt das Murmeltier in Liedform zu packen, stand die erste Strophe auch recht schnell, aber dann ging es irgendwie nicht weiter. Das ist so ziemlich das Schlimmste, was passieren kann: man hat nen guten Refrain und ne gute erste Strophe fertig, aber die zweite Strophe will und will nicht kommen und am Ende muss man im Zweifel alles löschen und nochmal von vorne anfangen. Bei der Vorproduktion im Proberaum haben wir also erstmal alles aufgenommen, was wir schon fertig hatten und haben den Text der ersten Strophe auch über die Musik der zweiten Strophe kopiert, einfach um da kein Gesangsloch zu haben.

Je öfter ich die Demoversion zuhause so gehört habe, umso mehr gefiel mir die Idee, dass die zweite Strophe genau einfach genau so bleibt und identisch mit der ersten ist – eben weil es von der Form dann genau zu der sich immer wiederholenden Handlung des Filmes passt.

Wie bei jeder Platte, hab ich auch diesmal die Demos an ein paar Freunde und Kollegen geschickt, um deren Meinung einzuholen. Als dann Sebastian Madsen sagte, dass er fest davon ausging, dass es von vornherein so gedacht war, dass die beiden Strophen identisch sind und es doch bitteschön auch GENAU SO bleiben sollte, stand es für mich fest. Das ist ja rein von der Handlung her schlicht die einzige Möglichkeit, wo man stumpf die erste Strophe wiederholen darf und irgendwie auch muss. Ich musste nun aber noch die anderen von diesem „Plan“ überzeugen…

Am letzten Tag der Vorproduktion, wo wir noch die letzten fehlenden Zeilen hier und da, ein paar Chöre und eben diese noch komplett fehlende Strophe einsingen wollten, fing ich also an, rumzudruchsen: hier, wegen der zweiten Strophe… aber die anderen hatten den Braten längst gerochen und kürzten ab – wenn wir einige minimale Veränderungen an der zweiten Strophe vornehmen (wie im Film ja auch), dann können wir das schon so machen vom Ding her, auch wenn unser Produzent da noch sehr lange Bedenken hatte, wenn ich mich richtig erinner.

Musikalisch ist der C-Teil einer meiner Lieblings-Teile auf dem Album – erinnert mich sehr angenehm an irgendwas von einer meiner Lieblingsband NADA SURF.

Alles in allem ist das Lied dann auch einer unserer Favoriten dieser Platte geworden.

Schreibfehler gefunden? Sag uns Bescheid, indem Du den Fehler markierst und Strg + Enter drückst.

Lade mehr ähnliche Artikel
Lade mehr von Paul Schall
Lade mehr in Interviews

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte Anmelden um zu kommentieren
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei

Auch Interessant

Interview mit Paul Roland

Singer/Songwriter Paul Roland erfreut seine Fans seit ca. 40 Jahren mit Stücken zwischen b…