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Das schöne an Liedtexten ist, dass diese eigentlich keinen Grenzen unterliegen. Klare Botschaften, kryptische Textzeilen, platte Reime, ambitionierte Metaphern. Vieles ist möglich. Doch was steckt eigentlich hinter diesem oder jenem Song? Was meinen die Verfasser*innen mit ihren Worten? Wie ist der Text entstanden und wieso? Diesen und noch mehr Fragen geht One Song One Story auf die Spur.

Lied: Die Katze von Jesus
Album: Unter der Haut eine überhitzte Fabrik
Band: Stefanie Schrank

Auf dem Omnichord geschrieben, diesem himmlischen bzw. überirdischen Instrument. Der Bass bounct so schön weil ich den Synthiebass (Korg R3) mit einem Saitenbass (einem Dynelectron-Longhorn mit Flatwound-Saiten) gedoppelt habe.

Ich wohne seit 15 Jahren neben einer Musikschule, wo in erster Linie Klarinette und Saxophon unterrichtet werden, und bin spätestens seitdem kein Fan dieser beiden Instrumente (besonders schlimm ist die Weihnachtszeit) – trotzdem war auf einmal die Idee im Raum, dass dieser Song ein exzessives Saxophonsolo braucht… Wencke von der Leipziger Band Karl die Große habe ich genau zu dieser Zeit auf einem gemeinsamen Konzert kennengelernt und sie einfach gefragt, ob sie Lust hätte aus der Ferne was einzuspielen, ihre Bandkollegin Antonia hat dann noch die Posaunenstöße hinzugefügt. PJ Harvey hat auf ihrer vorletzten Platte The Hope Six Demolition Project auch so tolle Bläser, die waren vielleicht ein bißchen Vorbild. Eine Freundin von mir erinnerte der Song an Joe Le Taxi von Vanessa Paradis, das hat ja auch sehr charakteristische Saxophone.

Der Text zählt unbeachtete/unsichtbare Hälften aus Paarkonstellationen auf: Den Vater von Norman Bates, die Mutter von Luke Skywalker, ich hatte noch mehr Sidekicks gesammelt: den Bruder von Madonna, die Schwester von den Manns/den Klitschkos/den Gibbs, den Lehrer von Mozart. Die Leiche im Vorspann. Ich bin da hinten auf dem Foto, vor mir steht jemand mit Hut usw…

Dabei können die weniger lauten, weniger öffentlichen Personen genauso interessant sein, oder eigentlich umso mehr, weil nicht direkt alles an der Oberfläche schwimmt. So z.B. die titelgebende Katze: Klar, Jesus ist megafamous und nach Jahrhunderten der Forschung und Auslegung noch immer megamysteriös, aber seine dazugedichtete Katze (bzw. die Katze an sich) ist trotzdem mysteriöser als er, wir durchschauen sie noch weniger, wissen sie noch weniger einzuschätzen, sind noch faszinierter von ihr. Das Internet ist voller von Katzen als von Jesus. Sie ist populärer als er. Cooler. Das fand ich im Kontext des Spielerfrau-Themas einen guten Dreh. Miau!

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