Ilse Schneider-Lengyel ist, wenn überhaupt, vielen als die Gastgeberin des ersten Treffens der Gruppe 47 bekannt. Dieses fand nämlich am ersten Septemberwochenende 1947 in ihrem Haus am Bannwaldsee nähe Füssen statt.

Buch kaufen Vö: 06.05.2019 Wallstein Verlag

Dem Literaturwissenschaftler Peter Braun ist es zu verdanken, dass uns das Leben dieser höchst interessanten Frau durch sein Buch Ilse Schneider-Lengyel: Fotografin, Ethnologin, Dichterin. Ein Porträt nicht länger verborgen bleibt, denn sie war zeitlebens immer mehr als „nur“ die Gastgeberin.

Akribisch muss sich Peter Braun durch den wohl leider eher gering ausfallenden Nachlass durchgearbeitet haben. Der lückenhafte Nachlass ist auch der Grund dafür, warum der Autor selbst sein Werk nicht als Biographie, sondern als Porträt bezeichnet, da es für ein allumfassendes Buch über Ilse Schneider-Lengyel schlichtweg nicht die benötigten Informationen gibt.

Aber wer war eigentlich diese Frau? Ilse Schneider-Lengyel wurde 1903 in München geboren, studierte Kunstgeschichte in München und Ethnologie in Berlin und besuchte außerdem die Grande Chaumière in Paris. Im Umfeld des Bauhauses widmet sie sich der Kunstfotografie, 1934 erscheint ihr Fotoessayband Die Welt der Maske im Verlag Piper. Im gleichen Jahr emigrierte sie mit ihrem jüdischen aus Ungarn kommenden Mann László Lengyel und fand sich wieder in Paris. Nach dem Krieg schrieb sie noch unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und 1952 erschien in der Reihe Studio Frankfurt von Alfred Andersch noch ein Lyrikband von ihr, doch leider fand dieser kaum Beachtung. 1972 stirbt sie vereinsamt in einer psychiatrischen Klinik in Konstanz.

Peter Braun entdeckt für uns eine Frau, die, wenn man die wenigen Nachweise untersucht, vor ihrer Zeit gelebt hat und für die dementsprechend nur in einer bestimmten Blase Platz war, aber leider auch wirklich nur dort.

Schreibfehler gefunden? Sag uns Bescheid, indem Du den Fehler markierst und Strg + Enter drückst.