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Sehr geehrter Herr Muffin,

ich möchte ganz ehrlich zu Ihnen sein. Sie haben auf ihrem Album „Ich und meine 1000 Freunde“ sechs sehr ungewöhnliche Stücke Musik hingezaubert.

LP kaufen Vö: 24.11.2017 Treibender Teppich Records

Die minimale Instrumentierung hat mich sehr verunsichert, weil ich einfach nicht beschreiben kann was ich da höre. Vielleicht können Sie mir da ja weiterhelfen? War es Ihre Absicht Post-Punk Fahrstuhlmusik zu schreiben? Das Skelett eines Songs, bestehend aus Bass, Schlagzeug und Gitarre. Manchmal ein bisschen groovy, die Gitarre schrammelt natürlich leicht verzerrt, aber die wesentlichen Elemente wie einprägsame Melodien oder ein markantes Riff fehlen. Ab und zu ist da auch etwas mehr, das klingt dann schön nach Post-Rock, aber Sie lassen mich da ein bisschen in einem leeren großen Flur stehen ohne Türen um weiterzugehen.

Nein, ich sehe, die Musik ist hier nicht der Protagonist. Vielmehr dient sie dazu, Ihre Stimme zu begleiten und dezent zu unterstützen. Und jetzt sind wir auch schon beim Kernpunkt Ihrer Kunst.

Was haben wir nicht gelacht. Was haben wir nicht GELACHT. Was haben wir nicht… gelacht. Was haben wir NICHT gelacht. Was ham wir nichtgelacht. Was? Wir haben nicht gelacht? Was haben wir? Nicht? Gelacht.

Sie werfen mir Phrasen ins Ohr, wiederholen diese immer und immer wieder, dann brechen Sie das Muster und ein neuer Teil beginnt. Neue Worte und Gedanken, wie völlig aus dem Kontext gerissen.

Sie stellen mir Fragen wie: „Ist es wahr, dass du gerne Hemden trägst?“

Nein, tue ich nicht, aber das tut ja auch nichts zur Sache. Und da Sie mich auch schon so eindringlich gefragt haben, ja ich habe Ihnen zugehört und zwar ganz genau.

Dabei bin ich ins Grübeln gekommen. Die flüchtigen Gedankenfetzen, verpackt in Sprachexperimente und angedeutete Melodien, wecken automatisch Bilder in mir.

Ich sehe andere Personen, die Ihnen Widerworte geben. Ich denke mir aus, was jemand gesagt hat, worauf Sie diese Antworten geben, oder mit wem Sie Ihre Gedanken denn da eigentlich teilen.

Sie schaffen es mich direkt in das fiktive Gespräch einzubinden, ohne, dass ich daran teilnehmen muss. Dabei klingen Sie mal sehr leidend, sehr aufgeregt, zufrieden, hämisch, fröhlich oder ironisch. Kurz gesagt, wie ein ganz normaler Mensch das in seinem Alltag auch tut.

Sie biedern sich nicht an, eine Kunstfigur sein zu wollen, oder eine Rolle zu spielen. Ich glaube Ihnen das alles.

Aber warum erzähle ich Ihnen das denn? Sie haben die Texte ja selbst geschrieben und wissen am Besten über ihre Musik bescheid. Ich wollte Ihnen nur kurz danken, für die Zeit, die ich grübeln durfte und Kopfkino hatte.

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