BINGE
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„100% Live – No Overdubs – Just Music“, so lautet die Maxime der mittlerweile legendären Melting Butter Session-Reihe der RAMA Studios in Mannheim, bei denen eine Live-Session von ausgewählten Bands auf Video aufgezeichnet und veröffentlicht wird.

Das Studioteam vom RAMA zeigt hierbei sein ganzes Können und hat sich zur Aufgabe gemacht, die Spannung, Dynamik und Energie der auftretenden Bands bestmöglich in Bild und Sound einzufangen. Dahinter steckt natürlich die Auffassung, dass Live-Recording, im Gegensatz zu den heutzutage oft überproduzierten Albumeinspielungen, einen ganz eigenen und authentischeren Charme besitzt. Ähnlich wie bei den Aufnahmen von Produzentengrößen wie bspw. Steve Albini oder Randall Dunn, die Ende der 90er Jahre auch oftmals live entstanden sind

Dieser Charme und diese unverfälschte Authentizität wird auch bei der aktuellsten Melting Butter Session #41 von BINGE deutlich, die wir Euch heute exklusiv präsentieren dürfen.

BINGE ist ein instrumentales Schlagzeug/Gitarre-Duo aus Manchester, das sich 2018 formiert hat, und seinen ZuhörerInnen ein Premium-Menu mit ausgelassenen Gitarrenriffs, ausgefuchstem Songwriting und fettem, energiegeladenen Schlagzeugspiel serviert. Mark Heron an den Drums und Rob Sewell an der Gitarre, der sein Signal auf je einen Gitarren- und Bassamp splittet, sind perfekt aufeinander eingespielt und fusionieren ihre vielschichtigen Songgerüste mit brettharter Riffakrobatik zu einer Art experimentellem Instrumental-Noise-Rock.

BINGE Amp
BINGE Amp

Tobias Schwarz, der sich für die Aufnahme, den Mix und neben Jens Siefert auch für das Mastering verantwortlich zeichnet, zur Melting Butter Session mit BINGE:

Mit BINGE zu arbeiten war super angenehm. Ich hatte die erste Woche im Januar nur den Drummer da, weil er Schlagzeug für ein Noise-Hip-Hop-Projekt von mir eingespielt hat. So konnte er sich schon mal an das Studio gewöhnen und „einleben“. Die Session lief super, also sind wir ganz entspannt in die BINGE-Session gegangen. Nach der Hip-Hop-Produktion kam Rob dazu und wir haben dann ein komplett neues Setup für die BINGE-Produktion aufgebaut. Aufgrund der komplexen, energiegeladenen Songs wollten wir ein Live-Setup aufbauen und versuchen die Songs live am Stück einzuspielen, auch aus Angst diese Energie zu verlieren, wenn man die Songs in Parts aufteilt.

Das hat dann auch super geklappt, vor allem, weil beide absolute Profis sind und man am Ende echt die geilsten Takes aussuchen konnte. Insgesamt waren wir 5 Tage mit BINGE im Studio und sind am letzten Tag mittags gerade fertig geworden, haben die Melting Butter Session aufgebaut und gedreht und dann im Anschluss noch ein kleines Studiokonzert im RAMA veranstaltet. Das war für Mark schon ziemlich heavy, 2 Wochen Produktion (Hip-Hop mit eingerechnet) und dann am letzten Tag krank geworden und trotzdem noch die Melting Butter Sessions und Gig gespielt.

In diesem Sinne wünschen wir Euch nun viel Spaß beim Schauen der Melting Butter Session #41 mit BINGE, die übrigens kamera- und schnitttechnisch exzellent von Thorsten Burgholz aufgenommen und editiert wurde.



Außerdem haben wir keine Mühen gescheut und uns mit Mark und Rob von BINGE in Verbindung gesetzt, um den beiden ein paar Antworten zur Entstehung von BINGE und ihrem Aufenthalt im RAMA zu entlocken.

Erzählt uns und allen Lesern, die euch noch nicht kennen, bitte etwas über die Anfänge von BINGE. Ihr seid beide ja nicht neu im Musikgeschäft und habt bereits eine musikalische Vergangenheit.

Mark, du als Schlagzeuger von Oceansize und Rob, du als Gitarrist der balinesischen Gamelan-Math-Core-Band Niskala. Wann habt ihr euch entschlossen, BINGE zu gründen?

War die Duo-Besetzung von Schlagzeug und Gitarre von Anfang an geplant, oder welche musikalischen Absichten habt ihr dabei verfolgt? BINGE unterscheidet sich musikalisch ja schon sehr von euren früheren Arbeiten.

Rob: Wir haben uns durch meine frühere Band Niskala kennengelernt, in der Mark tatsächlich auch eine Zeit lang involviert war. Anstelle eines klassischen Drumsets gab es bei Niskala zwei stehende Schlagzeuger, die auf einem sehr reduzierten Set-Up spielten und zwei weitere Perkussionisten, die Hand-Cymbals bedienten. Alle zusammen spielten komplexe, ineinandergreifende Rhythmen. Ich war nicht der Hauptsongwriter bei Niskala, so dass ich nebenbei immer auch an meinen eigenen Sachen gearbeitet habe. Nach diversen Versuchen habe ich mit Mark dann schließlich den richtigen Drummer gefunden. Aus dem Material, dass ich mit ihm erarbeitete, entstand dann Anfang 2018 BINGE. Wir mögen beide harte Musik mit unterschiedlicher Rhythmik, so dass es von Anbeginn gut zusammen funktionierte. Die Idee war, etwas ungewöhnliches, einzigartiges zu kreieren, dass sowohl komplex und herausfordernd ist, als auch treibend und aufregend. Wir haben darüber nachgedacht, weitere Leute zu integrieren, oder Gastmusiker für Sessions oder Liveshows hinzu zu nehmen, aber wir wollten dann doch nicht unsere gute Bandchemie durch weitere Personen auf’s Spiel setzen.

Worauf bezieht sich euer Bandname? Mit dem Ausdruck „Binge“ wird normalerweise ja ein äußerst exzessives Verhalten bezeichnet. Unter welchem Binge-Syndrom leidet ihr?

Rob: Es dauerte einige Zeit, sich für einen Namen zu entscheiden. Um ehrlich zu sein, war die Bedeutung des Bandnamens erstmal zweitrangig für uns. Wir hatten eine Idee davon, wie der Name klingen sollte und wie dieser sich anfühlen sollte, wenn man ihn ausspricht. BINGE hat für uns all diese Merkmale erfüllt und transportiert dabei noch dieses üble, unablässige Gefühl von Dekadenz, was wiederum gut zur Musik passt.

Wenn ihr mich fragt, habt ihr mit Acrostic den Nagel auf den Kopf getroffen und die Butter im wahrsten Sinne des Wortes zum schmelzen gebracht. Ein wirklich intelligenter, komplexer Song, der vor Energie explodiert und viele Drehungen und Wendungen hat. Die Leute vom RAMA Studio sind ziemlich gut darin, die Energie einer Live-Aufnahme einzufangen und arbeiten mit der Philosophie „Kommt rein, macht Musik, wir nehmen es auf!“.

Wie kam der Kontakt zu Tobias und den RAMA Studios zustande?

Wusstet ihr, dass sie dort die Melting Butter Sessions produzieren? Wie war die Arbeit im Studio und wieviele Songs sind dabei entstanden?

Mark: Ich traf Tobi vor vielen Jahren als ich mit Oceansize auf Tour war. Das müsste so 2005 gewesen sein. Er besuchte die Shows, wir wurden Freunde und blieben in Kontakt. Als ich 2018 mitbekam, dass Tobi an einem Hip-Hop-Projekt arbeitete, schlug ich vor, ein paar akustische Drums einzuspielen. Die Aufnahmen hierzu fanden dann im Januar dieses Jahres statt. Nach den Schlagzeugaufnahmen zu den Hip-Hop-Tracks kam dann Rob in der zweiten Woche nach Deutschland und wir nahmen 6 Songs und die Melting Butter Session im RAMA auf. Was die Melting Butter Session angeht, war es eine zusätzliche Idee. Wir haben einige der Sessions gesehen und mochten deren Live-Ästhetik, die ja schließlich auch genau unserer Aufnahmeatmosphäre entsprach. Also entschlossen wir uns kurzerhand dazu, eine eigene Melting Butter Session zu machen, was im Nachhinein eine super Entscheidung war, denn die Session ist ziemlich gut geworden.

Ein Akrostichon (engl. acrostic) ist ein Gedicht, bei dem die Anfänge von Wort- oder Versfolgen hintereinander gelesen einen eigenen Sinn, beispielsweise einen Namen oder einen Satz, ergeben. Welches Wort oder welche Mitteilung steckt in eurem Song Acrostic?

Rob: Hinter unseren Songtiteln stecken eigentlich keinerlei tiefere Bedeutungen. Die Songs sind ja von Texten befreit und haben damit quasi ein abstraktes Eigenleben. Die Songtitel sind eigentlich nur Wörter, die wir mögen, und die sich vielleicht noch auf bestimmte Elemente in den Songs beziehen, und helfen uns dabei, die Songs auseinander zu halten.

Ihr anonymisiert euch mit Mützen und Anzügen, die in Verbindung zu euren Visuals stehen, die ebenfalls in dem Video zu sehen sind. Tobias erzählte mir, dass es euch darum geht, euch selbst zu einer Art Projektionsfläche zu machen. Welche Ideen stecken hinter diesem künstlerischen Ausdruck? Zeichnet ihr euch selbst für die Projektionen verantwortlich?

Rob: Wir wollten eine spezielle Bildgestaltung für unsere Bühnenshows, aber viele der anfänglichen Ideen waren irgendwie zu kitschig oder schlichtweg eine Katastrophe. Das Tragen von weißen Anzügen und Mützen und Videomaterial einfach auf uns selbst zu projezieren, war dann quasi eine Art der Ablehnung eines eigenen „Image“. Die Anzüge und Mützen sind sozusagen eine blanke Leinwand mit keiner eigenen Bedeutung. Wir haben uns bislang immer selbst um das Videomaterial gekümmert, was allerdings auch eine technische Herausforderung ist, da sich keiner von beiden wirklich gut mit Videoausrüstungen auskennt. Das Ziel ist es, ein automatisches, interaktives System zu haben, das die Audiosignale über Mikrofone auf der Bühne aufnimmt, und dadurch das Videomaterial moduliert, welches auf unsere Anzüge projeziert wird. Wir haben das zu einem gewissen Grad auf unserem ersten Gig ausprobiert und ich bin gespannt darauf herauszufinden, wie weit wir mit diesem Konzept gehen können, um unsere Musik die Projektionen lenken zu lassen, die wir dann am Körper tragen.

Ich kann es kaum erwarten eure restlichen Songs zu hören. Habt ihr bereits Pläne für eine Albumveröffentlichung oder gibt es ein Label, das schon involviert ist? Habt ihr vor auf Tour zu gehen? Ich denke, dass ihr in schöner, kleiner Clubatmosphäre die Luft schnell zum explodieren bringt.

Rob: Wir haben ein paar unverbindliche Gespräche geführt, unterschrieben ist aber noch nichts. Außerdem überlegen wir, noch weitere 5 Songs aufzunehmen und daraus ein Album zu machen. Oder die bisherigen Songs einfach als EP zu veröffentlichen. Nach den Aufnahmen im RAMA haben wir gleich mit dem Songwriting weiter gemacht. Auch über’s touren haben wir gesprochen, aber noch gibt es da nichts konkretes. Als nächstes kommt eine wirklich coole Show mit Colossal Squid, dem Solo-Projekt von Adam Betts von Three Tapped Tigers. Darüber hinaus werden wir bald noch weitere aufregende Sachen bekannt geben. Watch this space!

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