Protomartyr sind eine mir völlig unbekannte Band. Allerdings können die Musiker aus Detroit im amerikanischen Bundesstaat Michigan schon auf zwölf Jahre Bandgeschichte zurückblicken.

Ultimate Success Today ist dann auch schon das fünfte Album und nach mehrmaligem Hören frage ich mich, warum ich diese Band nicht eher entdeckt habe.

Mit Day Without End starten die vier Musiker, ergänzt durch einen Saxophonisten, mit anfangs ruhigen Klängen. Getragen von zart gespielten Gitarren- und Basslinien führt Sänger Joe Casey in das ein, was da die folgenden 40 Minuten über die Hörer:innen hereinbricht. Durchbrochen wird das Ganze von immer wieder aufkommenden schrägen Saxophon-Tönen, die immer mehr Unruhe in den Song reinbringen, der sich immer mehr ins Chaotische verliert. Kurz vorm endgültigen Ausbruch verstummen die Instrumente jedoch und Processed By The Boys startet mit vorantreibendem Schlagzeug.

Die Gitarren klingen nun um einiges noisiger als noch im Opener. Besonders im Refrain gibt es eine schöne Wall of Sound zu hören. Auch das Saxophon findet sich wieder und begleitet die lauten und leisen Parts. Gesang wechselt von eindringlichem Erzählen zu unterkühlten melodischen Linien, bei denen grundsätzlich ein melancholischer Unterton zu vernehmen ist.

I Am You Now wird hauptsächlich vom Schlagzeug getragen und immer wieder von schrägen Klängen auf Gitarre unterbrochen. Der Bass untermauert leicht hektisch und gegen Ende schließen sich die 6-Saiter an. Das Spiel mit den Dynamiken bezüglich Lautstärke haben die Musiker wirklich gut verinnerlicht. June 21 fängt mit weiblichem Gesang an und treibt insgesamt gut nach Vorne. So etwas kann ich mir super in angeschwärzten Tanztempeln vorstellen. Der Song fadet langsam mit Grillenzirpen und leicht schrägen Klängen aus.

Michigan Hammers hat leichte westernartige Anleihen und wird vom Saxophon immer wieder begleitet. Gegen Ende wird das Stück jedoch von einem losgelöst klingenden Part unterbrochen, jedoch nur im wieder an Fahrt aufzunehmen. Das folgende Tranquillizer startet mit knarzigem Bass und Saxophon um sich voll dem Lärm hinzugeben. Die Gitarren heulen hier immer wieder auf und spielen gegen den Rest an.

The Aphorist kommt anfänglich sehr nachdenklich und ruhig. Zum Ende hin schlägt die Stimmung jedoch um und wird regelrecht gespenstisch, aber nur um im nächsten Moment wieder zurück zu fahren und mit der anfänglichen Melancholie zu Enden. Modern Business Hymns läuft wie eine Dampflock vor sich hin, wird jedoch zum Ende hin feierlich, fast hymnisch, passend zum Titel, was leise Chorgesänge im Hintergrund nur unterstützen.

Der Schluss mit den beiden Songs Bridge & Crown und Worm In Heaven zeigt nochmals alle Stärken der Band. Während Ersteres etwas düsterer und schräger rüber kommt, ist Zweiteres ein nachdenkliches Stück Musik.

Protomartyr ist mit Ultimate Succes Today ein Stück Musik gelungen, dass sehr viele Varianten des Post-Punk aufzeigt und durch diese Mischung sehr eigen klingt. Die Instrumente werden gut in Szene gesetzt, haben aber genug Rotz um nicht zu glatt zu klingen. Die Gesangsleistung sticht nochmal zusätzlich heraus. Es macht Spaß den Stories von Joe Casey zu lauschen, deckt dieser alle möglichen Stimmungen ab und das mit einer Ehrlichkeit, die man heutzutage nicht so häufig findet. Wer also im entferntesten etwas mit Post-Punk, ob aus den späten 70ern, den 80ern oder allem danach etwas anfangen kann und keine Probleme damit hat, wenn es lauter wird, dem sei diese kleine Perle wärmstens empfohlen.

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