Solidarische Rock- und Punk-Festivals haben eine lange Tradition, und so findet auch am 6. Oktober in Neunkirchen (Saar) zum dritten Mal Punk for Help statt.

Beim diesjährigen Punk for Help sind the Turbo A.C.’s, KMPFSPRT, Val Sinestra, Christmas und viele andere Bands am Start. Ich habe mit den Veranstaltenden gesprochen, um herauszufinden, was sie zu der Unternehmung bewegt, was uns auf dem Festival erwartet und wem die erspielten Gelder zugutekommen.


Hallo, erzählt doch mal, wer für Punk for Help verantwortlich ist und wie ihr auf die Idee gekommen seid.

Pascal: Früher gab es in und um St. Wendel herum viele Clubshows und Festivals. Leider ist die Szene mit den Jahren dermaßen eingerostet, dass sogar regionale Größen wie z.B. das Rock am Bach Festival auf Eis gelegt wurden und die Underground Konzerte und Clubshows ganz aus blieben. Wir wollten wieder Leben in diese triste Idylle bringen und versuchen die Szene aufzumischen. Also beschlossen wir ein Festival auf die Beine zu stellen, welches zum einen verschiedene Generationen ansprechen soll und gleichzeitig ne ganz klare Botschaft gegen Rassismus vermittelt und für ein multikulturelles Miteinander steht. Punk Rock ist aussagekräftig und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Umso besser ist es hierbei, zudem noch etwas Gutes für andere zu tun. Menschen zu helfen! Helfen und Punk Rock, so enstand dann letztendlich das Punk for Help. Wir sind eine junge Gruppe – manche mehr, andere weniger – von Leuten, die Bock haben, ihren Beitrag zur Musiklandschaft im Saarland zu leisten und dabei noch möglichst viel Kohle für einen guten Zweck einzufahren.

Max: Das Team besteht aus ca. 10 Leuten im Planungsteam und etlichen Helfern, ohne die das Event garnicht erst möglich wäre. Ein Großteil des Teams spielt selbst in Bands wie z.B. Alarmstufe Rot, Not A Single Note, Captain Risiko und ich selbst bei Christmas. Den anderen liegt einfach viel an Livemusik und jeder möchte für sich seinen Teil zu einem coolen Event beitragen.

Christmas

Ihr veranstaltet das Festival ja jetzt schon zum dritten Mal. Heißt also auch, dass ihr die vergangenen Ausgaben als Erfolg verbuchen konntet. Wen oder welche Projekte habt ihr die letzten beiden Male unterstützt?

Pascal: Ja genau, in diesem Jahr findet die 3. Auflage des Festivals statt. Beim ersten Punk for Help 2016  ging unser Erlös an ProAsyl. Im letzten Jahr wollten wir das Ganze auf regionaler Ebene halten und unterstützen das St. Wendeler Flüchtlingsnetzwerk.

Wohin geht das Geld dieses Mal?

Pascal: In diesem Jahr geht unser Geld an die Stefan Morsch Stiftung in Birkenfeld für Leukämiekranke Menschen. Die Stiftung gilt als älteste Stammzellendatei in Deutschland. Es ist so wichtig Menschen zu helfen, jeder kann Spender sein. Die Typisierung läuft wie Folgt ab: Man muss einfach nur mit einem Wattestäbchen für ca. 30 Sekunden ordentlich im Mundraum rühren, danach füllt man noch ein Formular aus und schon ist man registriert. Nach einer Zeit bekommt man dann seinen Spendenausweis zugeschickt und ist somit befugt zu helfen. Wird man als passender Spender ausgewählt, kann man so Leben retten. Die Stefan Morsch Stiftung wird am Festival auch mit nem Stand da sein, an dem man die Möglichkeit hat, sich vor Ort typisieren zu lassen.

Max: Wichtig ist, dass die Leute wissen, dass die Typisierung eine schnelle und unkomplizierte Sache ist.

Erzählt mal noch was über das Programm. Nach welchen Kriterien habt ihr das Lineup zusammengestellt? Seid ihr auf bestimmte Acts besonders stolz, sie nach Neunkirchen einladen zu können?

Max: Ich bin froh mit the Turbo A.C.’s eine meiner absoluten Lieblingsbands im Lineup zu haben. Seit über 15 Jahren bin ich hin und weg von dem einmaligen Sound der Band. Passend zu ihrer Europatour haben wir auch eine the Turbo A.C.’s/Christmas Split 7“ in limitierter Auflage veröffentlicht.

the Turbo A.C.'s

Aber zur Planung: gewisse Bands standen als Wünsche des Teams einfach schon mal im Raum. Als Beispiel hierfür gelten Muskelschwund und Val Sinestra. In Sachen Headliner haben wir mal Agenturen angeschrieben, welche Bands denn vielleicht aus Übersee auf Tour kommen. So kamen wir dann auf the Turbo A.C.’s aus New York.

Muskelschwund

Die französischen Not Scientists haben ein neues Album auf den lokal ansässigen Label Kidnap Music veröffentlicht und sind ebenfalls auf Tour. Gefunden, verliebt, gebucht. Manchmal geht das einfach ganz schnell!

Not Scientists

Pascal: Besonders stolz auf bestimmte Acts sind wir in dem Sinne nicht. Wir freuen uns auf alle  Bands und konnten echt ne schöne Kombo auf die Beine zu stellen. Es war uns wichtig ein Line-Up zu bieten, welches verschiedene Generationen anspricht und die unterschiedlichsten Sparten des Punk Rock abdeckt. Im Vorfeld wurde ein Brainstorming durchgeführt, wobei genau diese Kreterien berücksichtigt wurden. So entstand genau diese Abfolge. Neben den Größen wie KMPFSPRT oder The Turbo A.C.’s ist es uns auch unheimlich wichtig, Bands wie Muskelschwund eine Bühne zu bieten und somit die lokale Szene mit einzubeziehen und zu unterstützen, was der eigentliche Meilenstein dieses Festivals war.

Das Festival findet ja in der Stummschen Reithalle Neunkirchen statt, einem historischen Ort. Hat es eine bestimmte Bewandtnis, dass ihr die Location gewechselt und euch ausgerechnet diesen Ort ausgesucht habt?

Max: Ursprünglich sollte das Event in St. Wendel bleiben. Die alte Location, der Saalbau, ist einfach viel zu groß. Die Ersatzlocation hat dann jedoch leider doch nicht geklappt. Dann bot uns die Kulturinitiative Neunkirchen zu einem coolen Kurs die Reithalle an. Perfekte Lage, coole Leute seitens der Stadt, was wollen wir mehr? Früher fanden in der Stummschen Reithalle oft die NKRC Partys statt, auf denen lokale Grössen wie Reminder, Psyklops oder NNP regelmässig spielten. Ich habe da gute Erinnerungen dran und hatte oft meinen Spaß dort. Auch das In-Core Festival war bis zu seiner letzten Auflage dieses Jahr dort zu Gast. Hier mangelte es zwar leider oft an Besuchern, doch Sebastian lud auch hier stets tolle Bands ein und sorgte für tolle Tage!

Was sagt ihr, wie steht es allgemein um Solidarität oder auch politisches Engagement in der aktuellen Punk-Szene?

Max: Tatsächlich ist da (nach meinem Empfinden) in Deutschland ganz oft ganz viel BlaBla dabei. In England habe ich die Erfahrung gemacht, dass bei solchen Aktionen viel mehr Leute mitziehen. Es gibt verdammt viele Charityshows und andere Aktionen. Ein gutes Beispiel hierfür sind die „FUCK CANCER“ Shirts. Kathy vom Rockers England Shop in Manchester, einem DER Szeneläden auf der Insel, leidet unter Krebs und da wurden diese Shirts gedruckt um sie finanziell etwas zu unterstützen. Aktuell sieht man die Shirts da wirklich überall! Kathy selbst hat eine Kampagne mit der sie für heimatlose Katzen sammelt.
„Punk For Pam“ in Manchester oder das „Slugfest“ in Abertillery sind auch Events zugunsten diverser Hilfsaktionen die im kleinen Rahmen stattfinden, aber richtig gut besucht werden. Ich hoffe wir können bei unserer diesjährigen Festivalauflage da mithalten!

Vielen Dank für die Antworten. Da darf man ja echt gespannt sein – wir wünschen viel Erfolg.

Weitere Infos und Tickets gibt es hier.

Wir verlosen 1×2 Plätze auf der Gästeliste. Um am Gewinnspiel teilzunehmen, verlinkt im Facebook-Post die Person, die ihr mitnehmen möchtet oder kommentiert hier, auf welche Band ihr euch am meisten freut! Das Gewinnspiel endet am 18. September 2018 um 20 Uhr.

Titelbild: (c) Jens Tuch

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