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Die Doom-Jazzer Radare sind mit ihrem dritten Album zurück und klingen darauf noch stärker nach ihren Vorbildern. Bei der Entscheidung, ob man das gut findet, hilft womöglich eine schnelle Pro-Contra-Liste. Plus: Radare klingen wie Bohren und der Club of Gore auf einer schneller drehenden Platte. Minus: Radare klingen wie Bohren und der Club of Gore auf einer schneller drehenden Platte.

Vielen Instrumental-Bands sagt man ja nach, sie würden ihren Mitstreitern zu ähnlich sein, sie machten nichts Neues oder Eigenständiges, seien Abklatsch von dieser und jenen Band und so weiter und so fort – die altbekannte Leier. Es ist alles nur geklaut, ey oh, ey oh. Das ist wohl ein Problem, legte man denn Originalität als den einzigen Wertmaßstab einer Band oder Albums fest.

Auch für „Im Argen“, dem neuen Album der aus Wiesbaden stammenden Radare, würde das nichts wirklich Gutes bedeuten. Denn ihren Sound kennt man auch bereits gut woanders her: von Bohren und der Club of Gore, den Großmeistern des extra-langsamen Doom-Jazz. Wer sich in solche stilistische Nähe zu seinen Einflüssen begibt, setzt sich dem Vergleich aber nicht nur aus, sondern fordert ihn geradezu.

Nun denn, da wie dort bestimmen langsame Pads, locker-jazziges Schlagzeug und Rhodes die Stoßrichtung, während Saxophon oder Klarinette mitunter recht betrübt drauf los solieren. Doch wo Bohren die totale Entschleunigung wagen, entschließen sich Radare zu etwas schnelleren Song-Passagen. Gleichzeitig verweigern sie aber auch die Erlösung, wie sie viele Post-Rock-Bands ihren HörerInnen mit einem lang ersehnten Ausbruch schenken. So klingen Radare wie rockigere Bohren und der Club of Gore.

Jegliche Ähnlichkeiten sollten aber, wie anfangs angemerkt, nicht per se über ein Album entscheiden. Also genug der Vergleiche, schließlich bieten Radare einige bemerkenswerte Dinge. Zunächst verbinden die Wiesbadener ihren grimmigen Sound gekonnt mit einem inhaltlich stimmigen Konzept. Ihre Gitarrenarbeit ist solide und eigenständig, der Bass knurrt Radare-typisch weit unten und präsent. So weit, so gut.

Doch alles in allem fehlen dem Album ein paar der Momente, die einen herausreißen und zu wundern geben. Über das meiste, was „Im Argen“ bietet, war man sich schnell im Klaren. Über die Vorbilder des Albums ebenso. Ob das nun gut oder schlecht ist, muss jeder für sich entscheiden. Von daher die klare Hörempfehlung, Recommended if you like.



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