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Anlässlich der 23. Ausgabe von „Radau gegen HIV“ in Münster sprach Pretty in Noise mit Tobi, Mitorganisator der Konzertreihe, über die Entwicklung und Ziele des Projekts.

PiN: Hallo Tobi. Vielen Dank, dass du für ein Interview zur Verfügung stehst. Du kannst dich zunächst einmal unseren Lesern vorstellen!

Tobi: Hey! Klar, das ist gar kein Problem. Ich bin Tobi vom „Radau gegen HIV“ Team. Ich habe das ganze Projekt im Jahr 2007 gegründet. Damals war eigentlich nur ein Einzelkonzert geplant. Mittlerweile hat sich darauf eine recht erfolgreiche Konzertreihe entwickelt. Dieses Jahr zählen insgesamt sechs Leute zum Organisationsteam und mit mittlerweile 23 Konzerten können wir uns doch ganz gut sehen lassen.

PiN: Welche Ideen und Ziele stecken hinter eurem Projekt?

Tobi: Wir haben eigentlich drei grundlegende Ziele, die wir mit unserem Team erreichen wollen. Zum einen wirklich gute Konzerte auf die Beine zu stellen mit Bands, die uns auch selber gefallen. Darüber hinaus kommt natürlich der Benefizgedanke hinzu. Das Geld, welches übrig bleibt, spenden wir an die lokalen AIDS-Hilfen. Die AIDS-Hilfen können Spenden immer gut gebrauchen, da die Förderung von staatlicher Seite auch etwas zurückgefahren wird. Allerdings ist es an dieser Stelle viel wichtiger, dass die jungen Leute erreicht werden und sich Gedanken zum Thema HIV und AIDS machen. HIV sollte abgesehen vom Welt-AIDS-Tag, dem 01.12, häufiger präsent sein in den Medien und das versuchen wir auf diese Weise ein Stück weit zu erreichen. Desweiteren möchten wir kleinen, lokalen Bands die Chance geben mit Hochkarätern zusammenzuspielen. Wir sind alle jahrelange Konzertgänger und dementsprechend liegt uns auch die lokale Musikszene am Herzen. Heute haben wir zum Beispiel als Support für War From a Harlots Mouth und Amenra Svffer dabei, deren Mitglieder aus Münster und Bielefeld kommen.

PiN: Woher gehen die Einnahmen der Konzerte genau?

Tobi: Wir spenden generell immer an die lokalen AIDS-Hilfen. Wir haben es bis zu diesem Jahr immer so gemacht, dass wir die Einnahmen direkt nach dem Konzert an die lokale AIDS Hilfe gespendet haben. Das Problem dabei ist, dass wenn mal ein Konzert floppt die lokale AIDS-Hilfe leer ausgeht. So war es zum Beispiel bei unserer ersten Veranstaltung dieses Jahr in Hamm, bei der es leider viel zu leer war. Deswegen sammeln wir jetzt das ganze Jahr über die Einnahmen, schauen am Ende, wie viel wir spenden können und teilen es am Ende fair auf die AIDS Hilfen auf. Im Januar werden wir die Spenden aus den 2013er-Konzerten (Radau gegen HIV 20-23) übergeben und liegen dann bei einer Gesamtspendensumme von ca. 10.300 € seit 2007.

PiN: Du hast vorhin bereits erwähnt, dass du „Radau gegen HIV“ 2007 ins Leben gerufen hast. Gab es dazu einen besonderen Anlass?

Tobi: (lacht) Ich war Zivi und hatte Zeit…Also die Idee hat ihren Hintergrund darin, dass ich in der 13. Klasse kurz vorm Abi ein relativ ausführliches Projekt in der Schule hatte über HIV und AIDS und mich seitdem auch intensiver mit der Thematik beschäftige. Außerdem war ich damals in der lokalen Beckumer Musikszene unterwegs und musikalisch bin ich leider gar nicht. Dafür klappt das Organisieren umso besser und das hat dann so zusammengepasst. Ich habe die beiden Themen dann einfach verbunden, wobei man auch sagen muss, dass es durch den Benefizgedanken einfacher war, an die Halle zu kommen und die Kosten ein bisschen gedrückt worden sind.

PiN: Gab es noch weitere Gründungsmitglieder?

Tobi: Nein, die ersten vier Konzerte habe ich im Grunde alleine gemacht. Das war von 2007 bis 2009. Ich wurde in dieser Zeit insbesondere von den lokalen Bands, welche gespielt haben, unterstützt. Bei der vierten Veranstaltung hat mit StoneWedge aus Leipzig die erste Band gespielt, die eine etwas weitere Anreise hinter sich bringen musste. Die lokalen Bands haben mich bei der Werbung und Technik etc. unterstützt. Ansonsten war eigentlich alles „Learning by Doing“.

PiN: Und wie hat sich das Ganze entwickelt?

Tobi: Also ich habe mir bei der vierten Ausgabe im Jahr 2009 gesagt: Das war jetzt das letzte. Alleine schaffe ich das nicht mehr. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Veranstaltung schon etwas größere Ausmaße angenommen und es war generell nie geplant, das Ganze als Reihe zu veranstalten. Dann habe ich Mario bei einem gemeinsamen Konzertbesuch kennengelernt. Es war zu dieser Zeit Zivi in Hamm im JuZe Südstraße und da ich dort soweiso noch einmal eine Veranstaltung machen wollte, haben wir uns dazu entschlossen das gemeinsam zu tun. Danach kam mit Lena noch relativ schnell eine dritte Person hinzu und in dieser Konstellation fing es dann auch an etwas professioneller und damit auch größer zu werden.

PiN: Zu den Konzerten an sich erst einmal die Frage: Wie ist deine Meinung zum heutigen Line Up?

Tobi: Auf Svffer bin ich sehr gespannt. Habe ich bisher noch nicht live gesehen, aber der Sound klingt interessant. Amenra is live einfach eine Wucht. Ich habe sie in diesem Jahr zum ersten Mal gesehen, wusste auch nicht wirklich, was ich von dieser Band erwarten sollte und war dann hin und weg. War From a Harlots Mouth haben ebenfalls gute Livequalitäten und besonders im Rahmen der Farewell Tour sind wir als Team glücklich darüber, dass wir überhaupt noch einen Slot bekommen haben.

PiN: Vielleicht noch etwas Persönliches. Welche Ausgabe ist dein bisheriger Favorit? Und bucht ihr nur Bands, die euch selbst auch gefallen?

Tobi: Die Frage mit der favorisierten Ausgabe ist schwierig zu beantworten. Wir buchen aber in jedem Fall Bands, die mindestens einem Teammitglied gefallen. Wenn ich mich für eine Ausgabe entscheiden müsste, dann wäre es wohl die vierte, weil es das letzte Mal war, dass ich die Veranstaltung komplett alleine gemacht habe. Sozusagen der Wendepunkt der Reihe. Das hängt doch sehr nach. Das war damals im Muck in Clarholz, eine richtig abgeranzte Location, die es mittlerweile leider nicht mehr gibt. Eine kleine Musikkneipe mit einer super Atmosphäre und einer sehr netten Inhaberin. Allerdings würde ich diese Frage wahrscheinlich Morgen anders beantworten. Finanziell und auch zuschauertechnisch ist sicherlich das 16. Radau mit Kapelle Petra auch hier in der Sputnikhalle erwähnenswert, welches als Cafe-Konzert geplant war und schließlich mit einer fast ausverkauften Sputnikhalle geendet hat. Sowas zu erleben ist einfach der Wahnsinn. Ich kann aber echt über alle Radaus, die ich miterlebt habe etwas Gutes erzählen. Durch meinen Umzug nach Süddeutschland sind dies leider längst nicht alle. Das Problem ist mittlerweile Folgendes: Je größer wir geworden sind, desto weniger bekommt man selbst von den Bands mit. Jetzt laufen wir am Konzerttag die ganze Zeit von A nach B. Wir buchen zwar, wie schon erwähnt, Bands, die mir mögen, aber bekommen diese an dem Abend live kaum zu Gesicht. Bei War From a Harlots Mouth waren jetzt beispielsweise zwei aus unserem Team bei anderen Tourstops, um die Band einfach noch ein letztes Mal als Besucher zu erleben.

PiN: Gibt es denn Wünsche oder Träume, was Bands angeht? Natürlich in einem realistischen Rahmen.

Tobi: Ich möchte jetzt hier im Vorfeld keine Namen nennen, wenn wir an dieser Stelle eventuell schon weiter sind im Bereich des Bookings. Wir haben eine Band, die wir eigentlich seit 2008 haben wollen und es hat jedes Jahr wieder nicht geklappt und so langsam aber sicher wird es finanziell schwierig. Aber mit Amenra und War From a Harlots Mouth haben wir auf jeden Fall Bands, die wir auch schon seit längerer Zeit buchen wollten. End Of Green im letzten Jahr war von Mario aus unserem Team ein großer Traum. Ansonsten hat man natürlich immer Bands die man gerne buchen würde. Ab und zu hat man auch bei der Anfrage Glück und die Bands gehen wegen des Benefizhintergrundes mit ihrer Gage etwas runter oder sind doch preiswerter als angenommen.

PiN: Die letzten beiden Fragen noch: Wie viele Ausgaben veranstaltet ihr pro Jahr und sind generell schon weitere in Planung?

Tobi: Seit 2009 machen wir mehrere Ausgaben im Jahr. Im Schnitt sind es 4-6, je nachdem, wie viele Teammitglieder wir gerade haben. Mario und ich sind lange dabei. Ansonsten haben wir studiumsbedingt eine große Fluktuation. Ich denke mit unserem momentan sechsköpfigen Team werden wir auch eine ganze Menge machen können, weil auch alle hundertprozentig mit der Musik dabei sind und wir uns als Team auch super verstehen. Wir werden nächstes Jahr vermutlich vier, eventuell fünf Veranstaltungen machen und den Headliner für ein Konzert im Herbst werden wir vermutlich Morgen verkünden. (Anm. d. R.: Amenra wurden mittlerweile für ein weiteres Konzert bestätigt)

PiN: Dann danke ich dir noch einmal für deine Zeit und wünsche euch als Team weitere gelungene Konzerte.

Tobi: Danke und kein Problem.

So sah das Plakat der letzten Ausgabe 2013 aus.

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