Seit mehr als 10 Jahren produziert der aus Jacksonville (Florida) stammende Ben Cooper unter dem Pseudonym Radical Face klassische Singer-Songwriter-Konzepte, die stets auch mit einem Hauch psychodelisch-verträumter Klänge angereichert sind.

Vö: 26.04.2019 Bear Machine Records LP kaufen

Sein 2007-er Debüt-Album Ghost wurde von Publikum und Kritikern sehr gut aufgenommen und der Song Welcome Home fand in der Werbekampagne „I Am Nikon“ des gleichnamigen Fototechnik-Unternehmens Nikon Verwendung.

Seine The Familiy-Tree-Trilogie aus den Jahren 2011 (The Roots), 2013 (The Branches) und 2016 (The Leaves) war zwar ein kommerzieller Erfolg, doch rückblickend stellte Cooper nach langwierigen Therapiesitzungen hinsichtlich seiner Selbstdarstellung in der Trilogie fest: „Da gibt es wirklich nichts Positives. Ich bereue es nicht, aber es war nicht das, was ich dachte. Ich dachte, ich erzähle eine andere Geschichte, verewige das Fremde in etwas Nützliches und nicht nur in Dysfunktionen.“

Nach dem 2018-er Instrumental-Album Missing Film, das Musikfragmente enthält, die Cooper für Filmemacher als Free-Download ins Internet gestellt hat, erscheint am 26.04.2019 eine EP mit dem Titel Therapy, die eine komplette Abkehr von allem bisher von Radical Face gekannten darstellt.

Noch in keiner Platte hat man Ben Cooper so fröhlich und ausgelassen erlebt. Jeder Song ist eine kleine Offenbarung an Freude, Verspieltheit und Lebenslust. Pop-Songs im positiven Sinne mit sehr eingängigen aber tiefgründigen Texten.

Beginnend mit der stolpernd-poppigen Single- und Video-Auskopplung Hard of Hearing, die seinen Weg zur Selbstfindung amüsant und augenzwinkernd parodiert und dem gesellschaftlichen System der Selbst-Optimierung den Zerr-Spiegel vorhält, entwickelt sich ein Album mit wunderbaren musikalischen Richtungswechseln.  

Bereits das nächste Stück Better Days reduziert das Tempo wieder und entwickelt sich mit flüsternden Synthesizern zu einem kurzen Seelen-Striptease ohne allzu sehr in die Tiefe zu gehen. Gefolgt vom klassischen mit straffer Synthesizer und Drum- Unterstützung vorwärts treibenden 80-er Pop-Song Doubt, das als weitere Video-Auskopplung ebenfalls bereits verfügbar ist, und eine kurze Pause mittig eingestreut hat. Ein schönes radiotaugliches Stück.

Nach so viel Spielfreude zieht Cooper die Zügel wieder straff an und verordnet den Zuhörerinnen das in diesem Kontext fast schon karge Klavierstück Dead Ends, das aber von der intimen Stimmung genau hier hin gehört. Mit Guilt wird dann wieder etwas Schwung aufgenommen und es entwickelt sich ein rundum schöner Pop-Song, der genauso von Coldplay stammen könnte. 

Den Abschluss und finalen Höhepunkt der mit nur 6 Stücken viel zu kurzen EP bietet das schleppende und sehnsuchtsvoll mit Engelschören unterlegte Personal Giants, das eine sehr intime und persönliche Sicht auf seine Beziehungen und seine Familie offenbart.

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