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Kleiner aber feiner Dreampop-Leckerbissen – Träum weiter, Jolanda!

EP kaufen Vö: 06.10.2017 Bekassine Records

Das ursprünglich aus Italien stammende Nomadenpärchen Jolanda Moletta und Damian Endian, hat sich nach Stationen in den USA und Frankreich vorerst in Leipzig niedergelassen. Nach einem selbstbetitelten Debut (2013) und dem zweiten Album „Animal Eye“ (2015), legen She Owl mit „Drifters“ eine neue EP vor, die den Soundtrack zu einem surrealen Traum von Krieg und Befreiung darstellen soll.

„She Cries A River“ beginnt mit sachter Twang-Gitarre, tiefer Frauengesang stellt sich ein, einzelne Zeilen werden wie ein Mantra wiederholt. Es klingt wie die ungezwungene Version von Sklavenchören, was vor allem durch die rhythmisch geschlagenen Schamanentrommeln noch unterstrichen wird. Im Hintergrund tummeln schwer definierbare, gespenstische Sounds, die stetig und hypnotisch zum chorartig gesungenen Hauptteil. Nach und nach traut sich auch die Stimme mehr zu und wird runder und voller. Es mangelt auch nicht an angenehmen Melodien, die sich aber erst nach und nach ihren Weg durch das Instrumentarium bahnen. Die Spannung bleibt bei „War Within“ erhalten, das gleich zu Anfang mit drohenden Drums und spärlichen Gitarrentönen untermalt wird. Das mitunter düstere Organ von Signora Moletta ist das tragende Element der Musik und zieht den Hörer unweigerlich in seinen Bann. Diese Form von Ethno-Indie-Pop dürfte in dieser Qualität eher selten zu finden sein, vor allem weil hier nicht mit einer zu hippiesken Atmosphäre übertrieben wird. Immer wieder leuchten Chorsequenzen auf und tauchen die Musik in ein kühles Licht.

„Before The Night“ lebt von einem verneinenden Gitarrenriff und der gespenstischen Stimme der Chanteuse. Alles erweckende Trommeln dienen dem Konstrukt als Basis, der doppelstimmige Gesang füllt auch die letzten Leerräume aus. Die Spannung wird nach und nach reduziert, was der leicht bedrückenden Stimmung aber keinen Abbruch tut. Es mag schwer zu glauben sein, aber von unangenehmen Gefühlen sind wir trotz der wenig positiven Haltung des Songs noch weit entfernt. Das abschließenden „Glass“ ist das anspruchsvollste Stück der EP. Das Schlagwerk wird auf ein Mindestmaß reduziert, Keyboards nehmen den größten Raum ein. Es passiert an sich nicht viel, aber einige gut versteckte Harmonien schleichen sich mehr oder minder unbemerkt ins Gehirn des Hörers. Die Pianoklänge gewinnen immer mehr ans Präsenz, der an eine Traumsequenz erinnernde Song klingt langsam aus…

…und da ist es wieder, dass Gefühl, dass das doch unmöglich alles gewesen sein kann. Die hervorragend produzierte, größtenteils wirklich emotionale und aufwühlende EP, beinhaltet leider nur vier Stücke. Um sich richtig in der Schwebestimmung verlieren zu können, bräuchte man einfach mehr davon. Wir gehen einfach davon aus, dass es sich hier um einen Teaser für ein nächstes, vollständiges Album handelt und warten artig ab.

Eine ganz eigene Version von Dreampop, wenn man sich darauf einlässt, blickt man tief in die Seele dieser Musik.

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