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Viele Künstler ließen in letzter Zeit musikalisch die 80er-Jahre aufleben. Die alten Sounds sind wieder voll angesagt und bekommen stets einen neuen Anstrich verpasst.

Shearwater mögen mit einem 80s-Album überraschen, aber es passt wunderbar ins Bild. Tanzbare Musik mit Hall in der Snare war nicht das einzige, das Mastermind Jonathan Meiburg in diesem Jahrzehnt umtrieb: Er erinnert sich an die USA des Ronald Reagan, John Lennons Tod und die konstante Angst vor dem dritten Weltkrieg. Er erinnert sich an Science Fiction von damals und sieht sich an, wie es heute aussieht. Dementsprechend klingt das Album auch nicht nach dem typischen 80er Sound, es ist nur mit Sounds aus dieser Zeit untersetzt. „Jet Plane and Oxbow“ spiegelt ganz subtil Ängste und Hoffnungen aus der Zeit und bringt sie ins Hier und Jetzt.

Herausgekommen ist ein einfühlsames Protestalbum, das obendrein so subtil wie die 80er-Einflüsse die USA kritisiert. War der Vorgänger „Animal Joy“ (Abgesehen von dem Cover-Album „Fellow Travellers“) noch sehr direkt in seinem Protest und seiner Tierliebe, ist „Jet Plane and Oxbow“ textlich zurückhaltend und abstrakt. Der organische Sound des Vorgängers wurde durch elektronische Elemente ergänzt, die einen Song wie die Vorab-Single „Quiet Americans“ gleich in den Hitverdacht stellen. Mal ist das Album düster und dystopisch, an anderer Stelle wunderschön schwelgend. Die zweite Vorabsingle „Only Child“ stellt damit das perfekte Gegenstück zur ersten dar. Vielleicht kommen abgesehen von „Quiet Americans“ die besonders mitreißenden Stellen des Vorgängers etwas kurz, doch das Album zeigt eine angenehme Abwechslung zum Vorgänger – die Songs wirken subtiler und nachhaltiger. Der Opener „Prime“ alleine stellt sich als Sammelsurium von kleinen Einwürfen aus den verschiedensten Klangkörpern heraus, an dem der Hörer noch lange Spaß haben wird.

Der Gesang, die Produktion und die neuen Sounds sind sehr fordernd und straightforward. „Glass Bones“ spielt mit Brüchen und toughen Riffs, „A Long Time Away“ geht nach vorne und spart nicht am Synthesizer. Der neue Sound kommt nicht zuletzt durch den Filmkomponisten Brian Reitzell (The Virgin Suicides, Lost In Translation, The Bling Ring), den sich Shearwater ins Boot geholt haben. Und diese neue Politur des Shearwatersounds kann sich wirklich hören lassen.


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