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4 Jahre nach ihrem ersten Longplayer „Sea of the Dying Dhow“ sind *SHELS mit einem Konzeptalbum zurück, das alte Kindheitserinnerungen hervorholt und entstaubt. Michael Endes „unendliche Geschichte“ ist Teil von Sänger Mehdi Safa’s Sozialisation und Vorlage für eine Reise durch atemberaubende Wunderwelten, auf die uns die Band Song für Song schickt.

Ein ambitioniertes Unterfangen, begeben sich die Musiker (u.a. Ex-Mitglieder von MAHUMODO und EDEN MAINE) damit in die nicht ganz ungefährliche Reminiszenz-Zwickmühle zwischen Hommage und Innovation. In ihrer musikalischen Interpretation reist der Hörer dorthin, wo die Purpurbüffel leben und darf deren fantastische Landschaften bestaunen. Um erfahrbar zu machen, wie derart schöne Orte klingen, trumpft „Plains of the Purple Buffalo“ mit raffiniert und mutig arrangierten Kompositionen auf.

Neben bewährten Stilmitteln wie episch-griffigen Melodien, eruptiv-kraftvollen Dynamikwechseln, dem Wechselspiel aus cleanem Schöngesang und animalischen Screams, Akustikgitarren und Post Rock-Riffs, spielen vor allem Bläser und Chöre eine tragende Rolle im beeindruckenden Instrumentenensemble. Dieses erzeugt in seinem mächtigen Zusammenspiel fast schon cineastische Bildgewalten vor dem erstaunten inneren Auge des Hörers und verschafft sich so spielend Zugang zu dessen Emotionen. Ob die mitreissende Aufbruchsstimmung im verheißungsvollen Opener „Journey to the Plains“, der angefangen mit einer kleinen gesummten Melodie, über erhabene Bläser hinweg, angetrieben von Bass und Drums, mit einer hypnotischen, wunderbar packenden Gitarrenmelodie ins Unendliche läuft. Oder die überwältigenden Weiten der Prärie im Titeltrack, die sich mit einer lawinenartigen Wucht der Schönheit über uns ergießen und malerische Soundlandschaften in purpurfarbener Klangästhetik eröffnen: Dieses Epos ist audiovisuelles Kopfkino in leinwandgroß! Nicht umsonst gibt Songwriter Safa Filmmusiklegenden wie John Williams oder Hans Zimmer als kreative Inspirationsquellen an, orientiert sich das Album kompositorisch doch  stark an klassischen Filmmusiken.

Hier wie dort wiederholen sich musikalische Motive. Die heroischen Bläserparts verleihen den Songs nicht selten eine Western anmutende Atmosphäre. Dramaturgisch markieren 3 Interludes als ambient-sphärische Traumsequenzen einen sanften Übergang in ein nächstes Kapitel. Jeder Titel ist eine offenherzige Referenz („Bastiens Angels“, „Vision Quest“) – aber oft allzu pompös in Szene gesetzt. Bei allen majestätischen Gesten, hätte dem einzelnen Liedgut (etwa dem Liebesmantra „Butterflies on Luci’s Way“) ein bisschen weniger Bombast und Pathos hin und wieder gut getan. Kann auch der innere Spannungsbogen über die gesamte  Albumlänge  von 80 Minuten nicht  stetig  gehalten werden, weil das instrumentale Gepäck auf halber Strecke zu schwer wird, haben *SHELS eine traumhaft-tönende Parallelwelt erbaut, aus der der Hörer mit „Waking“ nur langsam erwacht, bevor es mit „Leaving the Plains“ endgültig nach Hause geht.

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