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Immer im Aufbau – ein stimmiges, gut durchdachtes Post-Rock Album.

LP kaufen Vö: 10.11.2017 Sportklub Rotter Damm

Oh, noch eine Post-Rock Band! Man möge mir diesen leicht zynischen Kommentar verzeihen, aber es lässt sich kaum verleugnen, dass gerade in den letzten beiden Jahren, derart viele Kapellen dieses Genres aus dem Boden geschossen kamen. Und wie man es dreht und wendet, es war beileibe nicht alles gut oder wenigstens halbwegs innovativ. Nun, warum schreibe ich das? Genau, ich habe wieder mal ein saftiges, wohlschmeckendes Körnchen auf dem großflächig verödeten Post-Rock Acker gefunden, das es verdient hat, dass es von den Ohren der geneigten Hörer verzehrt wird.

Shipwrecks kommen aus Köln, klingen aber gewissermaßen nach Hamburg. Wie es der Name schon verrät und wie es auch das überaus kunstvolle Cover vermuten lässt, bekommt die Musik einen leicht maritimen Touch. Also nicht falsch verstehen, außer dem vorsichtigen Einsatz eines Schifferklaviers, ist hier schon eher die gewöhnliche Rockbandbesatzung auf dem Kutter, aber die Gefühle, die durch diese breite Musik ausgelöst werden, kommen schon einem handfesten Fernweh oder dem Gefühl der Einsamkeit auf See (oder auch im Wald) gleich.

Die Songs bedienen sich allesamt dem im Post-Rock üblichen Mittel des Aufbaus. Es beginnt stets sachte, endet in den meisten Fällen („Monument“ und vor allem „Waldeinsamkeit“) vor einer festen, undurchdringlichen Wand. Die Gitarren im Verlauf der Stücke klingen gar nicht selten beim ersten Hinhören gar nicht mal so nach Post-Rock. „Haven“ könnte auch unglaublich gedehnter Indie-Rock Song sein, der sich zwar bis zum Ende hin zu einem Genrevorzeigestück entwickelt, aber über lange Strecken sein wirkliches Gesicht verbirgt. Die Gitarren reichen insgesamt von unverzerrten und glockigen Tönen, bis zur tiefen, derben Distortion. Bei „Maelstrom“ riecht es schon ein wenig nach Meer und die Sehnsucht sucht einen heim, was als eine der größten Post-Rock Adelungen gesehen werden kann, da es kaum einer anderen Musik möglich ist, derart lebendige Trugbilder in unseren Verstand zu projizieren. Das etwas anschmiegsamere „Home“ ist weniger melancholisch, sondern eher positiv und hoffnungsvoll gehalten, was dem Gefühl gleichkommt, das einen ereilt, wenn man längere Zeit verreist war.

Klar, Shipwrecks sind eine Post-Rock Band und sie machen was Postrockbands eben machen. Aber man kann deutlich hören, dass man sich viel Zeit genommen hat um dieses Album zu schreiben, zu schleifen und um es aufzunehmen. Die Produktion ist fabelhaft, alles klingt organisch und ausgewogen. Überhaupt, bei der Aufmachung und der Qualität der mir vorliegenden LP hat man wirklich ganze Arbeit geleistet. Alles erscheint wertig, das schöne, schwere Vinyl steht sogar in einer antistatischen Hülle. Heute alles andere als selbstverständlich. Sehr schön gemacht!

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