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Hyänen sind nicht besonders schön, ernähren sich von Aas, geben ein furchtbar hysterisch klingendes bellen von sich und haben einen der stärksten Kiefern überhaupt und somit eine verdammt hohe Beißkraft.

LP kaufen Vö: 08.12.2017 Rookie Records

Eigentlich sehe ich da zu der Band Sick Hyenas keine Parallelen, außer die, dass ihr neues Album Heaven For A While eine immense Beißkraft aufweist, die den meisten aktuellen umherschwirrenden Garage-Kram schrottpressenartig kleinmacht und wegrotzt.

Rookie Records hat mit Sick Hyenas Familienzuwachs bekommen und zwar einen von der feinsten Sorte denn sie bringen eine unbezahlbare Mitgift mit sich, nämlich ihr Können Surf- und Garage-Rock mit Psychedelic und durchscheinenden Punk zu paaren und am Ende eins werden zu lassen… und das auf eine verdammt lässige Art. Ein Phänomen der Kohäsion. Und deshalb ist es gar nicht mal so einfach ihre Musik in einem kurzen und überschaubaren Satz zu beschreiben.

Wenn ich ihre neue Platte Heaven For A While jetzt so bei einem Kaffee durchhöre, hab ich eine spontane Szene im Kopf wie sich Lux Interior, Jeffrey Lee Pierce, Alexander Cole und Tarantino in einem Swingerclub bei einer endlosen Menge Shots über die beste Zeit ihres Lebens unterhalten.

Und mein Kaffee ist jetzt kalt, ist aber nicht so wild weil die Platte dermaßen dran ist die Ausschüttung von Cortisol und Adrenalin in meinem Körper zu stimulieren dass jetzt jegliche Gedanken an Koffein sinnlos und absurd erscheinen.

Bei den Sick Hyenas hat sich seit ihrer Gründung schon einiges bewegt – 2014 kam ihr erstes Album (in Tape-Format) beim US-Label Dumpster Tapes sowie beim französischen Retard Records raus sowie auf 12“ Vinyl bei Moody Monkey Records. 2015 erschien dann ihre 7“- Single Like A Cramp (Six Tonnes De Chair Records) plus Touren durch Deutschland, Belgien, Schweiz, Frankreich und Großbritannien.

Dem modernen Zeitgeist die Hose runterziehend lächeln Velvet, Thore und Eddie mit diesen zehn Songs, ihrer nun zweiten Platte, der unangenehmen und aufdringlichen Zeitgemäßheit nonchalant ist Gesicht.

„Heaven For A While“ ist eine Art kaleidoskopartiges Portrait ihrer gemeinsamen musikalischen Reise, beginnend 2014 mit ihrem ersten Album bis hin zu ihrem zweiten, diesem Schöpfungswerk.

Ein längerer, inniger und höchst persönlicher Prozess, der unter anderem durch das Fahren tausender Kilometern, das Treffen diverser interessanter Menschen, das Bereisen fremder Städte und Länder, gemeinsame bizarre Erlebnisse und schräge Situationen zu einem leidenschaftlichen und sehr persönlichen Bildnis reift.

Der Albumtitel „Heaven For A While“ erinnert mich persönlich an einige Essays von A. Huxley aus der Zeit seiner „Selbstexperimente“ und Entdeckungsreisen in die Regionen des Seins, die nur im Zustand der Entrückung zu erreichen sind. Die Suche nach dem Erlebnis des „Wunders der reinen Existenz“.

Der erste Song trägt den Namen des Albums und öffnet sich uns titelbeziehend in eine elysische Richtung mit einem viertelminütigen Intro spiritueller Klänge und setzt dann midtempo-artig mit treibenden, unaufdringlichen Drums und verträumten Gitarren ihre Expedition fort. Lead- und Rhythmus Gitarren bereichern sich gegenseitig und erzählen vom Streben nach etwas, das nicht durch empirische Vorstellungen erfahren werden kann, während die Drums als ausschlaggebender Puls agieren. Eingängig und charakteristisch.Vielleicht eine Parallele zu Kants „Kritik der reinen Vernunft“ ?! Als Opener auf jedenfall sehr gut gewählt.

Cry For Me breitet seine wohlige Atmosphäre über unseren ausgelaugten Geist und schickt uns ohne Umwege gefühlsmäßig über die kurvige Küste Huntington Beachs‘ um uns sonnenbetäubt an kühlen Getränken laben zu lassen. Der Göttin Laka huldigend nehmen wir dieses Präsent gerne an, krallen uns ein Bier und schwanken Shaka-zeigend durch den heißen Sand während die Gitarren unsere gut gelaunte, sonnig- akustische Welt aufrecht erhalten. Gegen Ende wird das Tempo nochmal angezogen damit auch der letzte Tresenklammer-Schubiack mitgeschleift wird und sein Fett wegbekommt.

Es folgt Flohleiter. Über den Titel und der daraus folgenden Assoziation werden jetzt manche Menschen sicher verschmitzt lächeln und falls nicht wird ihnen mit diesem Song ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Stomping Drums und lasziv bewegende Gitarren schwirren um dich und deine Gedanken an ein gediegenes Rummachen zwischen frühem Rock ’n‘ Roll und Surf auf dem Rücksitz eines ’54 Chevy Bel Air. Yummy!

Mexiko beginnt mit einem 7- sekündigen Intro in Reverse-Manier und hinterlässt damit einen aufregend kurzen psychedelischen Eindruck bevor der Song uns mit Stakkato-artigen Gitarren einen Ritt über verträumtes, grenzensprengendes Land spendiert. Im letzten Drittel gelingt eine wunderbar spirituell klingende Bridge, die sich perfekt in das musikalische Geflecht dieses Songs einfügt und rund macht. Mexiko ist der entspannende oneironautische Zustand auf dieser Platte.

Der fünfte Song In Her Bloom klingt psychedelic-geprägter als die Songs davor. Erinnert ein wenig an die „Allah-Las“. Er hat eine gediegene, schwerelose Gesangsstruktur und wirkt mit seiner locker angeschlagenen, schlichten Gitarrenbegleitung irgendwie „gravitationslos“ und macht den Song definitiv zu einer Art auditiver Halluzination.

Sand Witch ist nicht nur ein nettes Wortspiel sondern besticht hier durch drei Kapitel.

Das erste Kapitel, eine getragen-wirkende, sich wiederholende und eingängige Gitarrenmelodie, wobei die zweite Gitarre gekonnt Akzente setzt. Der Gesang wirkt entspannt in einer Art erzählerischen Form. Im zweiten Kapitel: Surf-Beat- Gefühlsbewegung. Das Tempo wird entspannt erhöht und Gitarren begleiten ohne viel Umschweife den Gesang..man merkt dass die Kopf-Hin-Und-Her-Werf Bewegung deutlich ansteigt. Das dritte Kapitel übertrifft das zweite noch an Tempo und potenziert somit den Surf-Charakter und der Kopf ist nur noch lose am wackeln während die Beine sich nach allen Seiten hin selbstständig machen. Das dritte Kapitel erinnert mich an Dick Dale (& The Del Tones), nur mit mehr Löchern in den Jeans und Mittelfinger zeigend. Geiler, eklektizistischer Surf-Schinken.

Im nächsten Song Moskito und dem darauffolgenden See What’s Left Inside wird gekonnt mit dem Tempo gespielt und macht alle Menschen mit dem Hang zu Garage glücklich. Man merkt hier den gekonnten und unaufdringlichen Umgang ihrer Effektpedale, die sich perfekt in die Struktur einflechten. See What´s Left Inside hat die Persönlichkeit einer spannenden Hot Rod Verfolgungsjagd vor einer Westernkulisse.

Der vorletzte Song Warm Grave hat eine Länge von fast 5-Minuten, wirkt aber alles andere als unnötig in die Länge gezogen. Durch die reverb-durchtränkte Verspieltheit der Lead-Gitarre in der textlosen Passage und dem eingängigen Riff der Rhythmus-Gitarre wirkt die Länge eher unentbehrlich. Ein grandioser Song mit viel Volumen.

White Fur bildet das Schlusslicht und ja, es ist perfekt gewählt für ein lockeres Ausklingen der Platte, die unsere bis jetzt so aufgewühlten und überhitzten Gemüter wieder Raum zum Abkühlen lässt. Ein Hauch Velvet Underground. Sympathischer Lo-Fi Charakter, locker angeschlagenes Tambourin, lax vorgetragener Gesang, legere Gitarre ohne viel Schnickschnack, ein locker, unkomplizierter Bass (unüblich für Sick Hyenas!) und ein kurz auftretenes, verspieltes E-Piano. Das Ganze hat etwas von einem ungezwungenen, alkoholisierten Beisammensitzen, umgeben von einem Haufen Instrumenten und herb riechendem Rauch.

Wer ihre erste Platte mag, wird ihr zweites Album abends mit ins Bett nehmen.

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