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Atemberaubendes, psychedelisch-folkiges Doom-Ungeheuer mit Post-Rock Ummantelung.

LP kaufen iTunes Vö: 28.04.2018 Wolves And Vibrancy Records

Die Leute von Wolves And Vibrancy Records aus Mannheim haben es auf uns losgelassen, das zweite Album der Band mit dem echt eigenartigen Namen Soldat Hans. Ich weiß genau, warum das erste Album und die Band überhaupt an mir vorbei gegangen sind: Die Schweizer haben sich einfach einen Namen ausgesucht, der mich ganz ehrlich gesprochen, grundsätzlich überhaupt nicht anspricht. Er stammt aus einem uraltem Märchen der Gebrüder Grimm, das ist zugegeben bisher gar nicht kannte und wirkt dann aus dieser Warte heraus betrachtet wesentlich weniger martialisch und somit deutlich sympathischer. Vor allem nach der Lektüre der alten Geschichte. Anyway, Namen sind spätestens dann zweitrangig, wenn die Musik für sich spricht. Und das ist hier von der ersten bis zur letzten Sekunde absolut der Fall.

„Es taut“ besteht grundsätzlich nur aus zwei Songs, nämlich „Story Of The Flood“ und „Schoner Zerbirst“, das wiederum in zwei Parts aufgeteilt wurde. Die Titel verraten schon, dass die Songs inhaltlich in einem maritimen Kontext stehen, was sich auch nach Durchsicht der Lyrics schnell bestätigt. Musikalisch herrscht im Kern doomiger Post-Metal, der in einen wirklich angenehm vielschichtigen Post-Rock Rahmen gelegt und durch Gesang erweitert wurde, der sich durch extreme Wandelbarkeit auszeichnet.

„Story Of The Flood“ beginnt mit recht typischem Post-Rock und einer sich großflächig durch die 26 Minuten Spielzeit kratzenden Orgel. Sanfte Gitarren, ein akustisches Klavier und sich mühselig dahinschleppende Drums kreieren eine schüchterne Melodie, die erst langsam entdeckt werden will. Nach einer Weile legt sich eine alles zerreißende, stark verzerrte Gitarre über das Stück, die von einer Trompete begleitet wird, die einen Abgesang zu intonieren scheint. Es folgt der Gesang, der vorerst nur aus krassem, verzweifelten Geschrei besteht und der sich sicherlich gut auf einem Black Metal Album machen würde. Aber, das muss man sagen, er passt perfekt zum gesamten Szenario. Die Melodie vom Anfang kommt zurück, die Trompete versucht sich leicht jazzig anmutenden Variationen. Es wird insgesamt leiser und die Stimme wandelt sich und widmet sich einem wirklich wunderschönen Cleangesang, während eine hintergründige Mandoline und eine Geige für eine unglaubliche Stimmung sorgen. Alles mündet in einer bombastischen Post-Rock/Metal Orgie, die erste Hälfte von „Es taut“ ist vorbei und habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie ich mich gerade fühlen soll.

Die zweite Hälfte beginnt mit dem ersten Teil von „Schoner zerbirst“ und mit einem mehrstimmigen a cappella Intro. Es folgt schleppender Rock mit verschwörerischen Melodien und dezenten Verneigungen vor Psychedelic- und Krautrock. Streicher zeichnen wahnsinnig große Melodien in den Raum, die Druckwand wird immer dichter, die Akzente immer deutlich und vielseitiger. Bläser und Orgel unterstützen die Stimmen weiter, die fast wie Mönchschöre klingen (obacht, es klingt gut, nicht wie die Bademantelspacken aus dem gregorianischen Shopping-Kanal) und sanfte Töne leiten weiter zum zweiten Teil von „Schoner zerbirst“.

Typische und klassische, aber auch durchaus anspruchsvolle Post-Rock Gitarren treten auf den Plan und erzeugen gleich zu Beginn Druck. Alles wirkt wieder leicht psychedelisch und man fühlt sich angenehm an die Barrett-Phase von Pink Floyd erinnert. Wabernde Feedbacks schweben durch die Luft, bis zum ersten mal wieder derbe Post-Metal Riffs einsetzen. Zwar ist das Brett nicht von Dauer, aber Gitarren verlieren auch beim abschwellen nichts an Biss. Es wird wieder etwas ruhiger, mächtige, singende Gitarrenleads, wie sie Anathema in ihrer späteren Phase gerne verwendet haben, fliegen mir um die Ohren. Eine wohlige und angenehme Stimme kommt dazu, die später von irren, noisigen Gitarrensoli abgelöst wird. Es wird wieder heftig gegrowled, was auch in einem folgenden, hoch rhythmischen und leicht bekloppten Part fortgeführt wird. Die Stimme wird zu hohem, fiesen Gekeife, was immer noch perfekt ins Gesamtbild passt. Klar, der Kahn ist am Bersten. Der Druck steigt stetig an, die Bässe walzen, ein doomiges Brummen entsteht, arg und dissonant. Ein Höhepunkt aus tiefem, rasenden Lärm baut sich auf, bis leicht wiegende, ruhige Töne das Ende des Albums einleiten.

Meine Fresse, was war das denn? Abgefahren war es! Grandios! Bilder im Kopf! Die wildesten Stimmungen! Ich bin begeistert. Man muss echt sagen, das Album wächst mit jedem weiteren Hören und lässt nur so eine Beleuchtung aller Akzente zu. Bravo!

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