Sonic Skies zeigen auf ihrem Debüt-Album eine Reife, die manche Bands in Jahrzehnten nicht erreichen.

Vö: 29.06.2018 7Hard iTunes CD kaufen

Metalcore befindet sich schon seit längerer Zeit am absteigenden Ast. Manche Bands bewegen sich mittlerweile mehr im Pop als in der Gitarrenmusik, andere Bands finden sich unter fragwürdigen Umständen erneut unter altem Namen zusammen. So ist es umso schöner, wenn sich eine Band aus Deutschland findet, die mit ihrem Debüt mal eben zeigt, wie Metalcore eigentlich funktioniert.

„Refuge“ zeigt als Eröffnungssong direkt, wo es langgeht. Kurzer Blastbeat am Schlagzeug und schwedische Melodien zeugen von einer klassischen Ausrichtung, auch die folgenden Grooves geben eine klare Richtung vor. Wenn der Refrain zum ersten Mal in Erscheinung tritt, zeigen Sonic Skies aus der Stadt des Rattenfängers jedoch ihre eigentliche Stärke. So ein positiv hymnisches Gefühl habe ich schon lange nicht mehr in diesem Genre vernommen.

„Empire“ zeigt dann so richtig die Stärken der Band. Neben verspielt-technischen Schlagzeug gibt es sehr treibende Wechsel und die Gitarren lassen atmosphärische Melodien aufkommen, die sich sofort im Ohr festsetzen. „Polaris“ zeigt danach, dass selbst ruhige Parts kein Problem darstellen. Der Song entfacht eine Sogwirkung und vermittelt eine warme Grundstimmung, der man sich kaum entziehen kann. Der Text vermittelt passend hierzu, dass egal, wie verzweifelt Situationen sein können, Aufgeben keine Option ist. „Gears“ wartet mit schönen schwedisch anmutenden Melodien auf, die an die Bands aus Göteborg Anfang und Mitte der 90er Jahre erinnern. Diese werden immer wieder von groovigen Parts durchzogen, die nie aufgesetzt klingen.

„Hearts“ ist eine kurze Hymne, die live bestimmt ihre komplette Wirkung entfacht. „Loathe“ geht direkt gut nach Vorne und ist ein schönes Wechselspiel zwischen schnellen und langsamen Parts. „Rosebud“ steht ganz im Zeichen vom klassischen Metalcore. Hier werden moshige Strophen mit melodischem Refrain gemischt. „iCarus“ zeigt dann wieder das unglaubliche Gespür der Band für tolle Harmonien, bei der durchaus die ein oder andere Gänsehaut aufkommt.

„Wanderer“ fährt insgesamt etwas runter und steigert das Tempo im weiteren Verlauf immer wieder. „Reach“ besticht mit seinen vielen Tempowechseln und dem leicht dramatischen Aufbau. Auch die Stimmung in dem Stück ändert sich im Sekundentakt von traurig zu fröhlich und zurück.

Den Schluss bildet das Doppelpack „Drifter“ und „Epilogue“. Das titelgebende Stück ist instrumental atmosphärisch gehalten und kann als Intro zum Folgestück gesehen werden. „Epilogue“ zeigt nochmal alle Stärken der Band. Anmutende Melodien durchbrechen immer wieder die schnellen und groovigen Passagen. Insgesamt ein sehr gelungener Abschluss.

Sonic Skies zeigen auf ihrem Debüt-Album eine Reife, die manche Bands in Jahrzehnten nicht erreichen. Die Instrumentalisten beherrschen ihr Instrument in einer unglaublichen Genauigkeit, der Frontmann hat ein angenehmes druckvolles Organ und die Produktion ist drückend, klingt aber nicht so gekünstelt, wie beim Großteil des Genres. Hier wurde wert auf einen organischen Sound gelegt. Das Quintett verliert sich nie im Kitsch von klebrigen Refrains, sondern bleibt konsequent beim Shouting. Hier bekommt der Hörer eine kleine Perle kredenzt, die mit 36 Minuten genau die richtige Länge hat und öfter gehört werden muss, die sich hierbei die durchdachten Harmonien erst später in ihrer Gänze erschließen. Sonic Skies bringen Frische in ein Genre, dass mehr derartige Veröffentlichungen braucht, um nicht ganz im Morast der Belanglosigkeit zu verwinden.

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  • 8/10
    Autor Heiko Lueker - 8/10
8/10

Kurzfassung

Sonic Skies zeigen auf ihrem Debüt-Album eine Reife, die manche Bands in Jahrzehnten nicht erreichen. Die Instrumentalisten beherrschen ihr Instrument in einer unglaublichen Genauigkeit, der Frontmann hat ein angenehmes druckvolles Organ und die Produktion ist drückend, klingt aber nicht so gekünstelt, wie beim Großteil des Genres.

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