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Sonntagskolumne – Die mieseste Kredithaibande der Stadt


Diese Kolumne, besser gesagt ihre niedliche Facebookpage, wird zunehmend zugemüllt, ja bombardiert mit Kreditanfragen. Die Größe der gewünschten Wucherzinsangebote variiert zwischen kleinen Beträgen im Mikrokreditbereich bis hin zu durchaus existenzbedrohenden Beträgen um 200 000 €. Die Anfragenden brauchen eine neue Küche, ein neues Mobiltelefon oder denken an ein Eigenheim, fragen, ohne Beträge zu nennen, ob man „helfen“ könne. Aber helfen? Diese Kolumne hat kein Geld zu verteilen, selbst bei guter Schufa nicht. Eine Kredithaibande arbeitet abseits gängiger Zinsbeträge mit allem, was in der Spielothek zu grosszügig war, mit süchtigen, hungrigen Augen, die die Miete für eine (Wohn-)Garage neben der Autobahn nur so aufs Geratewohl zusammenbekommen. Die mieseste Kredithaibande ist mies, weil sie ehrlich ist: Kein Geld für niemanden.

Themawechsel hin zu etwas weichem, süßen: Es ist wunderbarer, von warmem Regen begleiteter Muttertag, Blumentag, Mal-Wieder-Anrufen-Tag. Meine Mutter hat ihre Jugend an einem berüchtigten Trinkerbrunnen in Düsseldorf-Benrath verbracht, blieb ausreichend trocken um dort nicht zu bleiben und erzählte früher von diesen sonderbaren Siebzigern in Düsseldorf, als die Kunstschüler schon auf Neu! und Kraftwerk waren, während die meisten Berufsschüler (und potentielle Brunnenhänger) hingegen immer noch arg von Jim und Janis beeindruckt waren und sich in Interpretationen ein und desselben Themas probierten: Locken, Lederjacke, schwankender, federnder Gang. Jim war überall, quasi und Frauen kauften Henna und Nickelbrillen und batikten mit Simplicol, halt alles mal wieder schön deutsch um zehn Jahre zu spät, während man eine Ecke weiter Harmonia oder Neu! hätte sehen können. Selbes Jim-und-Janis-Volk hat dann Elektro erst mit Schauerkram ala Markus „Ich will Spaß“ entdeckt und heute maximal eine Kruder und Dorfmeister im CD-Regal. Mutti jedenfalls ist da ohne besondere Ausschläge in Richtung Jim+Janis-Komplex oder Kunststudentismus durchgekommen und mag es heute ruhig und unalkoholisch. Grüße, ich ruf dann gleich mal an.

Ein Blick ins Feuilleton diese Woche:

Jemand hasst München ganz doll und schrieb schön darüber: Irgendwo schade, München (nie besucht) kam bei Goetz trotzdem wie ein Sehnsuchtsort rüber, ist wohl nicht so. Kommt irgendwas spannendes aus München?

Ja, Candelilla natürlich. Haben gerade einen Förderpreis gewonnen. Nunja.

Viel zu spät, Linus V. hat alles schon verliebt verhandelt und verschränkt Arme und Stirn zu Betongegossener Ablehnung ob so wenig State-of-the-Art, ich find es erst jetzt:

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