Mit ihrem aktuellen, neuen Album „Live at the Green Mushroom Festival“ liefert das Duo um Mastermind Alexander Djelassi und Tonzonen Records Labelchef Dirk Raupach ihr mittlerweile viertes Bekenntnis zu allem, was schön krautig, analog, elektronisch, psychedelisch und spacig ist.

Vö: 23.03.2018 Tonzonen Records iTunes LP kaufen

Und ihre Reminiszenzen an die experimentelle, improvisationslastige Rockmusik der späten 60er und beginnenden 70er Jahre könnten wirklich nicht schöner sein. Hier sprudelt es nur so an Querverweisen und Anspielungen, die mit viel Liebe zum Detail in ihrer Musik, den Titelgebungen, dem Artwork und ihren Videos zum Ausdruck kommen. Kaum ein psychedelisches Thema, welches im Experimentierkoffer von Sounds of New Soma keine Verwendung findet. Schon im Bandnamen und auch im Opener „Schein“ wird Bezug auf den vedischen Rauschtrank der Götter genommen. Im zweiten Song „Om Namah Shivaya“ hält ein meditatives, indisches Mantra für die Titelgebung her. Auf dem Innencover stecken beide Protagonisten ihre Köpfe tief in ein Kornfeld und der letzte Song „Henriette Mutterkorn“ lässt einen unweigerlich an LSD- Verweise denken. Wenn man dazu noch das wunderschön psychedelische Frontcover von Lana Kind betrachtet, welches einen Kopf darstellt aus dem Planzen und Pilze entspringen, so wird deutlich, dass Sounds of New Soma ihre Assoziationskette perfekt beherrschen. Blickt man zudem auch noch in den Backkatalog früherer Veröffentlichungen, so finden sich im musikalischen Kosmos von Sounds of New Soma natürlich noch weitere Themen wie bspw. Weltraum-Trips, Rauschzustände, Faszination und Schönheit der Natur, Gebete und Geisteszustande, die da aus ihren Songtiteln abzulesen sind.

Musikalisch startet das Geschehen auf „Live at the Green Mushroom Festival“ denn auch sogleich im Sinne ihrer Bandbeschreibung: „Cosmic Encounters of the third kind […] to materialize tonal visions of a cosmic voyage in the aftermath of a psychedelic trip.“ Obschon es kein wirkliches Livealbum darstellt, und das „Green Mushroom Festival“ auch eine Erfindung der beteiligten Musiker zu sein scheint, schaffen es Djelassi, Raupach, Sessiondrummer Armin Schopper und die weiteren Beteiligten „Psychedelic Astronauts“ eine Atmosphäre zu versprühen, die einer Live-Präsentation durchaus nahe kommt.

Analoge Sounds eröffnen sich in den ersten Sekunden des Albums, die an die Töne aus „Close Encouters Of The Third Kind“ von Steven Spielberg aus dem Jahr 1977 denken lassen, als die Menschheit versucht mit dem Raumschiff der Außerirdischen Kontakt aufzunehmen.

In der anschließenden Begrüßung des Hörers als Zuschauer, der quasi in die Sterne schauend vor der fiktiven Bühne liegt, wünscht man sich dann gegenseitig eine gute Reise und gönnt sich noch einen kräftigen Schluck vom Nektar der Götter bevor das Raumschiff der Soundkosmonauten um Dejelassi und Raupach zu indisch anmutenden Ambientklängen die Triebwerke startet.

Mit konstant treibender Impulskraft, die maßgeblich durch die hervorragende Schlagzeugarbeit von Armin Schopper, den ‚trippigen‘, repetiven Basslinien und der sich in Raum und Zeit hineinschraubenden Gitarrenarbeit bestimmt wird, manövrieren sich die SONS durch ein berauschendes Universum aus neokrautigem Spacerock und analogen Ambientsoundscapes. Ein wirklich atemberaubender Trip, an dem uns die SONS da teilhaben lassen und perfekt in Sound gegossen von niemand geringerem als dem legendären Eroc.

Warum die Sounds of New Soma bisher nur ca. 300 Likes auf ihrer Facebook-Seite zählen, ist mir wirklich ein Rätsel, denn sie hätten wirklich eine größere Hörerschaft verdient. Bei so einem Live-Set wäre ich jedenfalls ziemlich gerne Zuschauer gewesen. Vielleicht sollten die Sounds of New Soma wirklich mal ein „Green Mushroom Festival“ auf die Beine stellen.

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  • 8.5/10
    Autor Jens Broxtermann - 8.5/10
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Mit ihrem aktuellen, neuen Album „Live at the Green Mushroom Festival“ liefert das Duo um Mastermind Alexander Djelassi und Tonzonen Records Labelchef Dirk Raupach ihr mittlerweile viertes Bekenntnis zu allem, was schön krautig, analog, elektronisch, psychedelisch und spacig ist.

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