Jetzt nach Erscheinen ihres zweiten Albums „Seismic“ muss man sich schon ernsthaft fragen, wie man überhaupt ohne einen Song wie „Hang us All“ vorher ein halbwegs glückliches Leben führen konnte.

LP kaufen Vö: 06.10.2017 Ipecac

Sinnlos und leer käme sie mir nun vor diese Welt. Ertrinken möchte man in dieser meterhohen Wall of Sound, dem durchgedrückten Fuzz Pedal auf den Grund der Tiefsee folgen und sich in der Melancholie der Delays und Reverbs darin wälzen. Triumphierend wie einst „Minerva“ von den Deftones thront der Song über einem Quantensprung sondergleichen, denn Spotlights erfüllen nicht weniger als das vollmundige Versprechen, das sie mit ihrem Debüt „Tidals“ ausgesprochen haben, und liefern nicht weniger als einen fulminanten Höhepunkt aktueller Rockmusik ab. Wie aus einem Guss und locker wie das sprichwörtliche Ass im Ärmel aus ebendiesen geschüttelt. Als wäre nichts leichter als das, trifft das Ehepaar aus Brooklyn völlig galant und unverhofft einen freiliegenden Nerv in unseren Synapsen und fügt scheinbar mühelos die besten Momente epischen Post-Rocks in die Shoegazer Sounds vergangener Tage, stimmt die ganze Palette einige Halbtöne tiefer in den Keller des Sludgerocks, um den ganzen Topf mit dichten Schwaden psychedelischer und repetitiver Monotonie zu einer höheren Kunst zu verdichten. Werft Jesu, Nothing und Team Sleep in einen Topf und lasst Aaron Turner von Isis an den Reglern drehen und ihr habt einen ungefähren Schimmer von der Weite und Dimension, die in den elf Kompositionen von „Seismic“ schlummern. Wie funkelnde Sterne am Himmel der Post Apokalypse. Wie zur Winterzeit geborene Fragmente einer fragilen Hoffnung auf einen besseren Tag in den dampfenden und dunklen Gassen von New Yorks. „ The Hope of a Storm“ ziert dabei sicher nicht zufällig den Abschluss einer teils rasanten, teils verschleppten Fahrt durch wuchtige Drums und verhallte Vocals, elegant gespickten Zitaten klassischer Rockmusik und dem Drive ausgefuchster Soundflächen, die sich auftürmen in der Dynamik einer beherzten See. Nein, nichts scheint hier zufällig und es ist eine der spannendsten Angelegenheiten des ausklingenden Musikjahres den Motiven dieses Trios aus Brooklyn zu folgen.

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  • 8.5/10
    Autor Simon Kelitsch - 8.5/10
8.5/10

Kurzfassung

Jetzt nach Erscheinen ihres zweiten Albums „Seismic“ muss man sich schon ernsthaft fragen, wie man überhaupt ohne einen Song wie „Hang us All“ vorher ein halbwegs glückliches Leben führen konnte.

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